Angesichts wachsender Spannungen gewinnt der Austausch zwischen Religionsgemeinschaften, Politik und Gesellschaft an Bedeutung. Beim Diskussionsabend „Mehr Dialog wagen“, zu dem der nordrhein-westfälische Landtag und die fünf katholischen (Erz-)Bistümer in NRW eingeladen hatten, haben Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Religion Wege aufgezeigt, wie dieser Dialog den Zusammenhalt fördert, das Miteinander schützt und die Demokratie stärkt.
Wie wichtig und wertvoll das Gespräch zwischen den Religionsgemeinschaften und der Gesellschaft gerade angesichts wachsender Konfrontationen ist, haben Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirchen und weiteren Glaubensgemeinschaften am Dienstag, 28. Oktober, bei der Diskussion „Mehr Dialog wagen“ im nordrhein-westfälischen Landtag deutlich gemacht. „Besonders in einer Zeit, in der Polarisierung, Antisemitismus und religiös motivierte Ausgrenzung weiter zunehmen, brauchen wir diesen Dialog“, betonte Landtagspräsident André Kuper, der gemeinsam mit den katholischen Bistümern in NRW zu diesem Austausch eingeladen hatte. „Es geht darum, Brücken zu bauen zwischen den Glaubensgemeinschaften, zwischen Politik und Religion für die Menschen in unserem Land. Wer den Dialog sucht, stärkt unsere Demokratie und damit auch das friedliche Zusammenleben in Nordrhein-Westfalen“, so Kuper.
Nordrhein-Westfalen sei durch eine kulturelle und religiöse Vielfalt geprägt, betonte Domkapitular Antonius Hamers, Direktor des katholischen Büros NRW. „Auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft sind religiöse Menschen eine Bereicherung, wenn sie mit anderen Menschen im Dialog sind – mit Menschen anderer Religionen und mit areligiösen Menschen.“
Dies hob auch die katholische Theologie-Professorin Anja Middelbeck-Varwick in ihrem Impulsvortrag hervor: „Interreligiöse Bündnisse und Dialoge sind heute wichtiger denn je. Sie stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unsere Demokratie.“ Dies gelte insbesondere für die Kommunen, „wo sich Religionsgemeinschaften inzwischen vielfach gemeinsam in konkreten sozialen Projekten engagieren.“
In der anschließenden Podiumsdiskussion zum aktuellen Stand des Dialogs zwischen Religionen und Gesellschaft mit Professorin Anja Middelbeck-Varwick, dem Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, dem SPD-Landtags-Fraktionsvorsitzenden Jochen Ott und der Vorsitzenden des Verbands muslimischer Lehrkräfte, Birgül Karaarslan, unterstrich der Minister und Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski, dass dem interreligiösen Dialog gerade in Zeiten der Polarisierung eine besondere Bedeutung zukomme. Dabei könne es in der persönlichen Begegnung am besten gelingen, „Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten im Glauben zu entdecken und Vertrauen aufzubauen – gerade auch im Austausch zu kritischen Fragen“, so Liminski. Dieser Dialog sei in erster Linie Aufgabe der Religionsgemeinschaften, sollte aber ebenso von der Breite der Gesellschaft getragen und im Alltag gelebt werden. „Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde demokratische Streitkultur.“