Ein außergewöhnlicher Besuch hat gezeigt, wie persönliche Begegnungen Barrieren abbauen und Perspektiven schaffen: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz informierte sich im Caritasverband Hagen über die Berufliche Eingliederung und lernte dabei die Mitarbeitenden sowie besondere Lebenswege junger Menschen kennen.
Im Fokus des Besuchs stand die individuelle, bedarfsorientierte Unterstützung junger Menschen im Übergang von Schule zu Ausbildung und Beruf. Einrichtungsleiterin Gabi Widera betonte: „Die Unterstützung ist stets individuell auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt. Wir analysieren genau, was gerade gebraucht wird – und vermitteln dabei stets ein Gefühl der Sicherheit.“ Der Erzbischof erhielt Einblicke in die verschiedenen Angebote der Einrichtung, die größtenteils mit der Arbeitsagentur/dem Jobcenter als Auftraggeber darauf abzielen, fehlende Ausbildungs- bzw. Berufswahlreife zu kompensieren und realistische Perspektiven in Arbeitswelt und Ausbildung zu eröffnen sowie diese Wege gemeinsam mit den Jugendlichen zu gehen.
Vielfältigkeit der Angebote und Forderung nach stabileren Strukturen
Erzbischof Dr. Bentz äußerte großen Respekt vor der Vielfältigkeit der Angebote sowie der Praxisnähe der Maßnahmen. „Lohnenswert für die Menschen – doch leider nicht immer ausreichend refinanziert“, erläuterte Vorstand Rolf Niewöhner mit Blick auf die Vergabepraxis der Maßnahmen über ein Ausschreibungssystem. Auch Erzbischof Dr. Bentz bestätigte, dass das Ausschreibungssystem im sozialen Bereich eher schwierig sei und forderte, dass neben finanziellen Erwägungen vor allem die Erfahrung und Kompetenz der Leistungserbringer sowie die personelle Kontinuität für die Teilnehmenden in Entscheidungen einfließen müssen: „Es braucht gewachsene Kompetenz.“
Ein landesweit einzigartiges Projekt ist die „Praxisklasse“, ein Modellprojekt in Hagen, in welches auch Bistumsmittel einfließen. Die Praxisklasse führt bildungsferne Jugendliche wieder an Schule und Ausbildung heran. „Der Vorteil ist, dass die Maßnahme keine klassische Unterrichtssituation wie in den Klassenräumen darstellt und die Schülerinnen und Schüler auf einer ganz anderen Ebene erreicht“, führte Gabi Widera aus. So wurde in einem Praxisklassendurchlauf z.B. modellhaft ein Restaurantbetrieb simuliert. Die Jugendlichen haben über den Projektzeitraum von der Gründung, Preisgestaltung, über Verwaltung und Marketing bis hin zu der Menügestaltung und Bewirtung der Gäste alle Bereiche erprobt, viel gelernt – und sind nun bereit für den Weg in Ausbildung und Beruf. Hier zeigt sich die Kernaufgabe und Kompetenz der Caritas, so der Erzbischof: Lücken im sozialen System aufspüren, schließen und nach Möglichkeit erfolgreich in Regelangebote überführen.