Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, mein Name ist Dietmar Röttger. Ich bin katholischer Priester und leite eine große seelsorgliche Einheit, den sogenannten Pastoralen Raum Soest, zu dem etwa 23.000 Katholiken zählen. Hier in Soest wird – wie in vielen andern Städten – heute das Fronleichnamsfest gefeiert, das Fest vom Leib und Blut Christi. Und davon will ich ihnen erzählen und fange mit einer Erfahrung aus meinen Kindertagen an, einem Kinderspiel. Das hat vordergründig vielleicht nichts mit dem Fest zu tun, aber schauen wir mal – denn ums Schauen geht es bei dem Kinderspiel wie beim Fronleichnamsfest.
In meinen Kindertagen haben wir gerne „Ich sehe was, was du nicht siehst“ gespielt auf langen Autofahrten mit der Familie. Und das ging so: Einer sucht sich einen Gegenstand in einer bestimmten Farbe, den die anderen erraten müssen. „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist – grün.“ Das war dann in der Regel nicht die Wiese am Straßenrand, sondern eher der kleine Aufkleber auf dem Rucksack, den unsere Mutter auf dem Schoß hatte. Die gesuchten Gegenstände waren möglichst klein und unauffällig, ja unscheinbar, damit die Lösung nicht so leicht war. Wir Kinder hatten damals viel Spaß dabei und die Autofahrt war gefühlt schnell vorbei. Eigentlich war dieser spielerische Zeitvertreib eine gute Schulung, um besser wahrzunehmen nach dem Motto: Schau genauer hin und entdecke auch das, was nicht offensichtlich ist. Was springt dir ins Auge und was übersiehst du zu schnell? Und weitergefragt: Was ist vordergründig und was ist hintergründig?