Die öffentliche Wahrnehmung
Eine Kirche in Japan, verborgen im Stadtbild: In seiner Predigt gewährte Weihbischof Matthias König den Gläubigen im Paderborner Dom einen Einblick in seine jüngste Reise. „Man muss schon wissen, wo diese Kirche ist, sonst läuft man daran vorbei“, erinnerte sich der Weihbischof. Für Matthias König ist das Bild von der verborgen anmutenden katholischen Kirche im fernen Japan mehr als eine Beobachtung. Das Bild stellt eine entscheidende Frage an die Gegenwart. Wird Glaube übersehen? Wird Kirche unsichtbar? „Also noch einmal die Frage: Werden wir bald aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden?“, hakte der Weihbischof nach.
Doch genau an diesem Punkt setze die Osterbotschaft an, betonte Matthias König weiter. Schon der Anfang des Christentums sei unscheinbar, widersprüchlich, kaum glaubhaft gewesen. „Ein gekreuzigter Gott? Das war für die Menschen der griechisch-römischen Welt undenkbar.“ Und dennoch: Diese Botschaft sei über die Zeit hinweg nicht verschwunden. Sie habe sich durchgesetzt – nicht durch Macht, sondern durch Erfahrung.
Hoffnung, wo niemand damit rechnet
„Er hat den Tod überwunden, er ist auferstanden. Er hat sich den Seinen gezeigt und sie selbst zum Glauben geführt“, fasste Weihbischof König die Osterbotschaft zusammen.
Ostern, so König, beginne nicht im Offensichtlichen, sondern im Kleinen, im Verborgenen, im scheinbar Gescheiterten. Wie in der Natur, in der aus kahlen Bäumen neues Leben wächst, entfalte sich auch die Hoffnung oft dort, wo niemand mehr damit rechnet: Ostern habe, so König, immer auch mit dem Unscheinbaren und mit dem zu tun, was zunächst nach Scheitern aussehe.
Diese Dynamik sei bis heute vor allem in den Brüchen des Lebens erfahrbar. In zerbrochenen Beziehungen, in Krankheit, in Verlust – könne sich eine neue Perspektive öffnen. Nicht laut, nicht spektakulär, aber spürbar: „Es ist nicht alles vorbei. Es geht irgendwie weiter. Da, wo ich nur eine Wand gesehen habe, öffnet sich eine Tür“, fasste Weihbischof König die Hoffnung, die auch von der österlichen Botschaft ausgehe, in Worte.
Die katholische Kirche sei, so Weihbischof Matthias König, nicht nur dem Verlust der öffentlichen Wahrnehmung ausgesetzt. Auch Spannungen innerhalb der Kirche gehörten zur kirchlichen Gegenwart. Angesichts von Missbrauch und Vertrauensverlust stellte der Weihbischof die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Kirche: „Wie glaubwürdig sind die Verkünder, wenn sie selbst Menschen Gewalt antun und missbrauchen?“