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Hilfe für brasilianische Landarbeiter

Der Franziskaner Bruder Klaus Finkam half dabei, die Landwirtschaft im Nordosten Brasiliens neu zu gestalten.
Unser Glaube
30. September 2020

Hilfe für brasilianische Landarbeiter

Der Franziskaner Bruder Klaus Finkam half dabei, die Landwirtschaft im Nordosten Brasiliens neu zu gestalten.

Themenspecial „Kirche & Land(wirtschaft)“: Die Franziskanerprovinz in Bacabal, Brasilien

Bruder Klaus Finkam ofm erinnert sich noch genau, wie es im Nordosten Brasiliens war, als er 1981 in der Diözese Bacabal ankam. Die Landwirtschaft bestand zum Großteil aus Brandrodung: Kleinbauern pflanzten vornehmlich Mais, Bohnen, Reis und Maniok an. Nach der Ernte, in den Monaten September bis November, wurden neue Anbauflächen für das kommende Jahr gerodet und später abgebrannt. Mit Beginn der Regenzeit, um den Dezember, wurde dann gesät. Erst nach acht bis fünfzehn Jahren war der alte Boden wieder genügend fruchtbar und konnte erneut gerodet und bestellt werden. Gemüse wie Tomaten oder Gurken bauten die Landarbeiter um Bacabal spärlich und nur während der Regenzeit an. Einen Großteil des Jahres gab es somit nur Reis, Mais, Bohnen und Maniok.

„Dann kam die Zeit der Landkonflikte in den 1980er-Jahren“, erzählt der zum Arzt ausgebildete Franziskaner. Großgrundbesitzer vertrieben die Kleinbauern vom Land, oft auch mit Gewalt. Deshalb wurde das verfügbare Land knapper. Abgeflammte Felder mussten schon nach vier Jahren wieder bestellt werden – mit weitaus weniger Ertrag. „Die Bauern mussten sich plötzlich selbst um Dinge wie die Bodenfruchtbarkeit kümmern, hatten darüber aber gar kein Wissen.“

Gründung der ACESA

Genau da setzte die Arbeit der Franziskanerprovinz und Bruder Klaus an. Der heute 71-Jährige begann um 1982 durch die umliegenden Dörfer, die zu Franziskaner-Pfarreien gehörten, zu ziehen. Sein Ziel neben Missionsarbeit und dem Vermitteln von Wissen über Krankheiten: den Landbewohnern auch grundlegendes landwirtschaftliches Wissen beizubringen. „Pastoral, Gesundheit, Landwirtschaft: Das ging immer alles Hand in Hand“, sagt Bruder Klaus Finkam ofm. Der Bedarf daran wurde größer und größer. „Vor allem lag uns die Verbreitung von Gärten und der Verzehr von Gemüse am Herzen. So entstand dann, auch auf aufgrund der zunehmenden Landkonflikte, ACESA.“

ACESA (Animação Comunitária de Educação em Saúde e Agricultura), das ist ein Beratungsdienst für Landarbeiterfamilien in ökologisch angepasster Landwirtschaft. Es war ein großer Schritt, um gegen die weit verbreitete Kindersterblichkeit aufgrund von Durchfall-Erkrankungen und Unter- und Fehlernährung anzukämpfen sowie zur Unterstützung der Landarbeiterfamilien. Im landwirtschaftlichen Bereich bemühten sich Bruder Klaus, damals Koordinator der ACESA, und die Franziskaner zusammen mit einem Team von Agraringenieurinnen und -ingenieuren vor allem darum, einen ökologisch angepassten Landbau ohne künstlichen Dünger und Einsatz von Pestiziden zu vermitteln.

Umstellung der Landwirtschaft braucht Zeit

Für Landarbeiter etwa gab es Kurse, die in den Dörfern stattfanden. „Wir haben dort sogenannte Musterhöfe mit Gemüsegärten gebildet, Kurse fanden oft in den Kapellen in den Dörfern statt“, beschreibt Klaus Finkam. Um Häuser herum legte man Beete und Kräutergärten an und pflanzte Früchte an, statt Milchkühen wurde auf Kleintierhaltung wie Schafe oder Ziegen gesetzt. „Aber so eine bäuerliche Kultur kann man nicht in vier oder fünf Jahren verändern. Das braucht Jahrzehnte“, blickt Bruder Klaus zurück. Noch heute würde die Umstellung der Familien auf dem Land andauern.

Heute ist die ACESA ein eigenständiger Verein und steht auf eigenen Füßen – unabhängig der Franziskanerprovinz. Es sei immer das Ziel gewesen, den Beratungsdienst in die Hände der brasilianischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu legen, beschreibt Bruder Klaus. Heute finanziert sich die ACESA durch brasilianische und internationale Programme, erhält aber auch noch Unterstützung durch das Bischöflichen Hilfswerk Misereor.

Neun deutsche Brüder sind heute noch Teil der etwa 50-köpfigen Franziskanerprovinz Unserer Lieben Frau von der Himmelfahrt mit dem Provinzialat in Bacabal und noch weiteren zehn Niederlassungen in den beiden Bundesländern Maranhão und Piauí.

„Eine bäuerliche Kultur kann man nicht in vier oder fünf Jahren verändern. Das braucht Jahrzehnte.”

 

Bruder Klaus Finkam ofm

Ausbildung in Familien-Landwirtschaftsschule

Die Franziskaner wirkten in der Diözese Bacabal aber noch auf anderen Wegen im Bereich der Landwirtschaft: Gemeinsam mit vielen anderen Landarbeiterorganisationen wurden mehrere Familien-Landwirtschaftsschulen gegründet, eine davon speziell für die Ausbildung von Agrartechnikern. Quasi eine Art Gymnasium für Jugendliche ab 14 Jahren, die schwerpunktmäßig drei Jahre lang in landwirtschaftlichen Fächern ausgebildet werden.

Die Schülerinnen und Schüler gehen immer 15 Tage in die Schule, dann sind sie 15 Tage zuhause, während andere Jugendliche im umgekehrten Rhythmus die Schule besuchen: „Die Schule, die in einem Dorf liegt, soll ebenfalls ein kleiner Musterhof sein: mit Gemüsegarten, Kräutergarten und Ziegen.“ Daneben haben die Schüler und Schülerinnen neben den speziellen Agrarfächern natürlich die normalen Schulfächer wie Portugiesisch, Mathematik, Geschichte etc.

Schule gehört zu den Besten

Die Idee der Schulen insgesamt: Die Schülerinnen und Schüler verbreiten das gewonnene Wissen in ihren Dörfern, die aufgrund der neuen Anbaumethoden und einer besseren Vermarktung ihrer Produkte einen Weg aus Armut und Perspektivlosigkeit finden sollen. Weg von der ehemals herrschenden Monokultur und der Brandrodung, hin zur Aufforstung abgeholzter Waldgebiete und nachhaltigen Lebens- und Arbeitsbedingungen. So soll die Schöpfung Gottes auch in der Diözese Bacabal im Bundesstaat Maranhao nachhaltig gestärkt werden.

Dass man auf dem richtigen Weg sei, sieht Bruder Klaus vor allem, wenn er auf die Absolventen der Familien-Landwirtschaftsschule für Agrartechniker blickt: Bei Aufnahmeprüfungen für die Universität gehören die Absolventen der Schule immer zu den Besten. Zwischen 2008 und 2018 schlossen 450 junge Menschen die Ausbildung ab. Ein Großteil der ausgebildeten Agrartechniker (184) arbeitet nach der Schulzeit am Hof der Eltern, 151 weitere gingen danach an die Universität. Die Anderen arbeiten als Agrartechniker für landwirtschaftliche Unternehmen oder Institutionen.

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