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Erzbistum Paderborn
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Herr, wohin sollen wir gehen?

Pilgern tut Leib und Seele gut
Unser Glaube
07. August 2021

Herr, wohin sollen wir gehen?

Pilgern tut Leib und Seele gut

Immer mehr Menschen machen sich auf die spirituelle Wanderschaft, um mehr über sich und ihren Glauben herauszufinden. Außerdem tut es nach der langen Zeit der pandemiebedingten Kontaktbeschränkung und der Selbstisolation einfach gut, hinauszugehen und Gottes freie Natur mit allen Sinnen zu genießen.

Neben den drei großen Wallfahrtsorten in Werl, Kohlhagen und Verne gibt es auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn um die 50 mittelgroße und kleinere Pilgerstätten und Wallfahrtsorte. Diese hohe Zahl rührt von einer langen katholischen Tradition her, auch waren viele der heiligen Stätten im Erzbistum Zwischenstationen auf dem Jakobsweg. Hallenberg, Kleinenberg und Kloster Oelinghausen, Attendorn, Geseke und Schmallenberg oder Herford mit der Herforder Vision … im Erzbistum warten noch viele Pilgerorte darauf, entdeckt zu werden.

3 Fragen an Domkapitular Dr. Gerhard Best

Seit dem Abschied der Franziskaner im Jahr 2019 Leiter der Wallfahrt in Werl.

Was macht Ihren Wallfahrtsort so besonders?

Die Marienwallfahrt in Werl ist groß und wird oft in einem Atemzug mit Altötting oder Kevelaer genannt. Aber es geht nicht um die schiere Größe einer Wallfahrt. Viel beeindruckender ist die feierliche Stimmung in der Stadt an den Marienfesten. Wunderschön ist auch diese freudige Gelöstheit der Fußwallfahrer, die jedes Jahr aus Much im Rhein-Sieg-Kreis hierherkommen. Wenn die Gruppe nach drei Tagesmärschen und 140 Kilometern endlich auf dem Vorplatz der Wallfahrtsbasilika eingetroffen ist, kann man die Erleichterung förmlich spüren. Was mir höchsten Respekt abverlangt: Nach zwei Tagen in Werl nimmt die Gruppe den Rückweg wieder zu Fuß.

Was dürfen sich Besucherinnen und Besucher nicht entgehen lassen?

Einmal im Leben sollte man die Wallfahrt der Portugiesen gesehen haben, die 2021 wegen Corona abgesagt werden musste. Sonst kommen seit 1972 am Wochenende um den 13. Mai Tausende Portugiesen aus ganz Deutschland nach Werl und tragen singend und betend ihre Fátima-Madonna durch die Stadt. Vor der Kirche werden Fische gegrillt, die ganze Stadt bekommt ein Wochenende lang ein südländisches Flair.

Worin besteht für Sie der Sinn einer Wallfahrt?

Wallfahrt ist ein unmittelbares Glaubenszeugnis und Glaubenserlebnis, ein Beten mit Leib und Seele, mit Füßen und Herz!

Termine: Patronatsfest Mariä Heimsuchung am 2. Juli, äußere Feier am darauffolgenden Sonntag

Wege der Jakobspilger

Die Altertumskommission für Westfalen, eine der wissenschaftlichen Kommissionen für Landeskunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), hat in einem 2015 abgeschlossenen Projekt die mittelalterlichen Fernhandels- und Pilgerwege in der Region erforscht und kartiert. So entstanden auf historischer Grundlage sieben moderne Jakobswege. Die Wege sind bestens erschlossen. Routen, Kartenmaterial, Buchtipps und Informationen über Stempelstellen und Unterkünfte unter: jakobspilger.lwl.org

3 Fragen an Pfarrer Martin Beisler

Leiter des Pastoralverbundes Salzkotten und der Wallfahrt in Verne.

Was macht Ihren Wallfahrtsort so besonders?

Verne ist der älteste lebendige Marienwallfahrtsort Deutschlands – oder zumindest Westfalens? Das ist nicht genau erforscht. Jedenfalls geht die Wallfahrt auf das Jahr 1171 zurück. Verne ist ein kleiner, ländlicher Wallfahrtsort mit viel Ruhe. Das wunderschöne Gelände am Brünneken, neben der Pfarr- und Wallfahrts-kirche der zweite Ort für Pilger, ist ein Platz, an dem Menschen beten und sich erholen und sich freuen können.

Was dürfen sich Besucherinnen und Besucher nicht entgehen lassen?

Besondere Ereignisse sind die Maiprozessionen, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Jeden Mai-Sonntag geht nach einer festlichen Maiandacht in der Pfarr- und Wallfahrtskirche eine große Prozession mit dem Gnadenbild der Muttergottes in der Mitte zum Brünneken und von dort nach der Predigt zurück zur Kirche. Dabei wird das Gnadenbild von zwei Muttergot-testrägern der St.-Marien-Schützenbruderschaft und von Pilgerinnen und Pilgern getragen. An diesen Sonntagen und auch unter der Woche können sich Pilgerinnen und Pilger im Pfarrheim bei Kaffee und Kuchen nach ihrer Wall-fahrt stärken.

Worin besteht für Sie der Sinn einer Wallfahrt?

Eine Wallfahrt – vor allem wenn sie länger dauert und zu Fuß geht – bedeutet für mich, den Alltag hinter mir lassen zu dürfen und mich für eine Zeit mit meinem Glauben, mit Singen und Beten in der Gemeinschaft Gleichgesinnter zu beschäftigen. Das ist für mich eine Auszeit und Stärkung.

Termine: Maiprozessionen an den Mai-Sonntagen, Paderborner Stadtwallfahrt am ersten Sonntag im Juli

Wallfahrt ist nicht gleich Wallfahrt

Im Lauf der Zeit haben sich verschiedene Typen von Wallfahrten und Wallfahrtsorten entwickelt. In der Regel sind die ältesten Wallfahrten sogenannte Kreuzwallfahrten, an denen von Pilgern mitgebrachte Splitter der Kreuzesreliquie verehrt wurden. Der zweite, sehr seltene Typus sind Wallfahrten, die sich rund um den Wirkungs- und Sterbeort von Heiligen entwickelt haben. Die dritte Form der Wallfahrt führt zu Orten, an denen Reliquien von Heiligen verehrt wurden, die dort nicht gelebt hatten. Im hohen und späten Mittelalter entwickelte sich zuletzt als vierter Typ der Wallfahrt die Marienwallfahrt. In deren Zentrum steht in der Regel ein Gnadenbild. Etwa zwei Drittel aller Wall-fahrten sind Marienwallfahrten.

3 Fragen an die Pallottinerpatres Siegfried Modenbach und Jürgen Heite

Vom neuen Geistlichen Zentrum in Kirchhundem-Kohlhagen zur dortigen Wallfahrt.

Was macht Ihren Wallfahrtsort so besonders?

Pater Heite: Das Sauerland ist eine herrliche Naturregion. Aber unser Wallfahrtsort ist nochmals etwas Besonderes, selbst für Einheimische. Hier auf dem Kohlhagen zieht es den Blick in die Weite, zugleich ist alles konzentriert auf diesen Ort. Weite und Konzentration – das klingt paradox, macht aber die Stimmung dieses heiligen Ortes aus. Und das Paradoxe setzt sich fort: In seiner Abgeschiedenheit ist der Kohlhagen ein Ort der Begegnung. Wir sind aber keine Massenwallfahrt mit Megafon-Durchsagen. Meist kommen Einzelpilger und Kleingruppen hierher zu uns. Das macht individuelle Seelsorge möglich. Wir sind ein Seelenort.

Was dürfen sich Besucherinnen und Besucher nicht entgehen lassen?

Pater Modenbach: Natürlich das neue Geistliche Zentrum, das am 4. Juli 2021 seiner Bestimmung als Begegnungsstätte übergeben wurde und für uns eine neue Heimat darstellt. Heimat und Begegnung ist auch die große theologische Klammer über unserem Patronatsfest Mariä Heimsuchung. Maria besucht ihre Cousine Elisabet. Beide Frauen sind schwanger und werden bald neues Leben in die Welt setzen, beide geben einander in der Begegnung Halt und Heimat. So wie unser Wallfahrtsort.

Worin besteht für Sie der Sinn einer Wallfahrt?

Pater Modenbach: Neulich kam ein altes Ehepaar auf den Kohlhagen, hochchauffiert von den Enkelkindern. Die Eheleute hatten dort vor 60 Jahren geheiratet und baten um einen Segen. Ich segnete das Paar und damit ihr Eheleben, das sicher auch so etwas wie eine lange Wallfahrtsreise war. Was das ausgelöst hat – bei den beiden Ehepartnern, bei den Enkeln und bei mir – ist unbeschreiblich.

Termine: Patronatsfest Mariä Heimsuchung am 2. Juli, Einzelsegen am Gnadenaltar an den Mai-Sonntagen

Sommer im Erzbistum

 
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