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Nikolaus im Einsatz © Sonja Funke/Erzbistum Paderborn
Nikolaus aus dem Sauerland im Einsatz
© Sonja Funke/Erzbistum Paderborn

„Hauptamtlich bin ich der Nikolaus!“

Am 6. Dezember hat er Urlaub. 400 Schoko-Nikoläuse im Gepäck startet der Chef einer Klinik im Sauerland frühmorgens seine Mission: Er ist als Nikolaus unterwegs.

„Hauptamtlich bin ich der Nikolaus“, sagt der Sauerländer, der ob des besonderen Einsatzes anonym bleiben möchte. Er spricht aus dem Herzen und mit Augenzwinkern, denn Herz ist bei ihm immer dabei, auch als Chef. Es war Dankbarkeit, die ihn zum Heiligen Mann aus Myra machte. Vor 16 Jahren schon. Nur zweimal musste seine Runde ausfallen, weil die Grippewelle ihn mitüberrollte. Wohin er fährt, das entscheidet er „je nach Erlebnissen über das Jahr“. Pünktlich um 7 Uhr geht es los, 15 bis 20 kleine und große Stationen sind machbar. Abends – auch das ist gesetzt – ist die Endstation immer bei seinem Lieblings-Griechen in seiner Heimatstadt

Und noch einen Fixpunkt gibt es: Immer dabei sind die Franziskanerinnen in Salzkotten. Denn mit ihnen ging alles los. „Ich war eng mit einer der letzten Ordensschwestern befreundet, die hier bei uns in der Klinik gearbeitet hat. Sie war mir Freundin und Ratgeberin. Das Wirken der Schwestern hat mich inspiriert. Sie haben sich in den Krankenhäusern, insbesondere während und nach zwei Weltkriegen, regelrecht aufgeopfert. Das ist für mich pure Nächstenliebe. Ohne sie würde es gar nicht so viele Krankenhäuser geben, noch dazu in NRW überwiegend in kirchlicher Trägerschaft. Als ich vor 16 Jahren so um diese Zeit darüber nachdachte, kam mir die Idee mit dem Nikolaus.“

"Ich sage oft danke, auch zu Gott"

Wenn er heute insbesondere auch die betagten Schwestern auf der Pflegestation im Salzkottener Mutterhaus besucht, dann begeistert diese vor allem das Singen des Nikolausliedes. „Lasst uns froh und munter sein“ erinnert sie an ihre Kindheit, die ja nicht zuletzt noch von Kirchenbesuchen vor der Schule geprägt war, betont der Sauerländer. „Das war ja alles noch viel religiöser.“

Er selbst geht unregelmäßig zum Gottesdienst. „Aber, ich sage oft danke, auch zu Gott“, sagt der Sauerländer. Am Nikolaustag nimmt er sich frei, um etwas zurückzugeben. Immer genügend Schoko-Nikoläuse im Beutel und das goldene Buch unterm Arm, will er vor allem eines: „Wertschätzung zeigen und Anteil nehmen an Freud und Leid.“ Denn zu beidem steht etwas auf den Zettelchen, die er von Menschen, die um seinen „Hauptjob“ wissen, in den Briefkasten geworfen bekommt. Das Kind ist ein Held im Fußball, aber – oha! – die Ordnung des Kinderzimmers… Was Nikolaus so alles weiß!

Motivation aus dem Glauben heraus: "Ich bin überzeugt, es muss einen Gott geben!"

Wichtig für ihn: Die Motivation kommt aus dem Glauben heraus, seine Nikolauskleidung hat der Mittfünfziger im Pastorenkatalog bestellt – eine echte Mitra, ein edles Gewand und auch der Bischofsstab darf nicht fehlen. Den Kindern geht der Mund nicht mehr zu, wenn er sie bittet, ihn zu halten. „Am besten ist es abends, wenn ich dann auch noch ans Fenster klopfe…“ Der Nikolaus ist da! Gebannt sitzen die Kleinen auf der Couch, um zu lauschen, was er so über sie gehört hat. „Erst sind die Kinder verschüchtert, aber dann öffnen sie sich und erzählen viel, besonders von ihrem Wunschzettel. Ich hatte schon so viele schöne Erlebnisse. Ja, das stimmt auch mich auf die Weihnachtszeit ein. Es fühlt sich schön an, die Offenheit der Menschen zu erleben“, gibt er zu, dass er auch nicht ganz uneigennützig unterwegs ist. Und seine zweitletzte Station – vorm Griechen – so viel verrät er, wird vor einer Kirche im oberen Sauerland sein.

Da schließt sich der Bogen zum Glauben auch für ihn. Wie er ihn definiert? „Ich glaube an die Auferstehung und bin überzeugt, dass es Gott geben muss. Die Erde ist einfach zu perfekt, da muss ein höheres Wesen dahinterstecken. Das merke ich außerdem, wenn sich einmal mehr Dinge auf merkwürdige Weise fügen! Und ich habe so oft Glück gehabt im Leben. Das gibt mir die Hoffnung, dass es gut wird, egal, was passiert.“

Er wäre – im Nebenjob – aber nicht Geschäftsführer, wenn er alles nur passieren ließe. „Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es das: Chancen muss man sofort ergreifen. Und wirkliches Tun heißt nicht einfach nur machen. Tun heißt: Tag und Nacht.“ Oder übersetzt: 400 Schokonikoläuse an bis zu 20 Orten an einem Tag.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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