„Wir erinnern uns an die Menschen, die während der NS-Zeit ermordet wurden: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, queere Menschen, behinderte Menschen, politisch Andersdenkende, Menschen aus Osteuropa und viele andere“, sagte Volker Neuhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Dieser Gottesdienst solle eine Unterbrechung, ein Stillstehen sein, so Neuhoff. Als Zeichen des Gedenkens an die Opfer wurden Kerzen an einem siebenarmigen Leuchter entzündet.
„Das Entsetzen wird nicht kleiner. Wenn es kleiner würde, wäre das kein Fortschritt, sondern ein Warnsignal. Denn dann haben wir uns nicht an die Wahrheit gewöhnt, sondern an das Ungeheuerliche“, sagte Domkapitular Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Direktor der Katholischen Akademie Schwerte, in seiner Predigt über das Buch Kohelet aus dem Alten Testament (Koh 8,9–14.16). Er bezeichnete es als eine Aufgabe dieses 27. Januar, nicht zu beruhigen, nicht schnell einzuordnen, sondern wach zu bleiben für das, was Menschen anderen Menschen antun könnten, und für die leisen Wege, auf denen Verachtung normal werde. Der Holocaust, so Menke-Peitzmeyer, sei nicht einfach Leid gewesen, das vom Himmel fiel. „Er war Menschenwerk – und zwar übelster Art: perfide geplant, straff organisiert, fabrikmäßig durchgeführt.“ Und er sei möglich gewesen, weil zu viele mitmachten, zu viele schwiegen, zu viele wegschauten.
Mit Blick auf das Lebenszeugnis der Jüdin Margot Friedländer als eine der bekanntesten Stimmen der Erinnerung in Deutschland beschrieb Menke-Peitzmeyer einen Weg zwischen dem schnellen Erklären des Holocaust und dem stummen Aufgeben vor der Sinnlosigkeit. Er appellierte, zu widersprechen, wenn Menschen herabgesetzt würden, die Erinnerung konkret zu halten und selbst Menschlichkeit zu üben. Überall gebe es auch heute Situationen, in denen jemand ausgeschlossen werde: „Sehen Sie hin. Sprechen Sie jemanden an. Stellen Sie sich dazu“, betonte Menke-Peitzmeyer. So werde aus dem Gedenktag eine Haltung, nicht abstumpfen und schweigen zu wollen.