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Glaube ist nichts für Einzelgänger

Auf eine Kaffeelänge mit Pfarrer Stephan Jung

Auf eine Kaffeelänge mit Pfarrer Stephan Jung

In der Serie „Auf eine Kaffeelänge mit…“ treffen wir uns auf einen Kaffee mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Die einzige Vorgabe der Serie ist: die Unterhaltung endet, sobald der Kaffeebecher ausgetrunken ist. Dieses Mal haben wir uns mit Stephan Jung getroffen. Er leitet die Pfarrei St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel und setzt sich als Vorsitzender des Franz-Stock-Komitees für Deutschland für deutsch-französische Beziehungen ein.

Manchmal wünscht sich Stephan Jung, dass einfach gebetet wird. Er denkt zurück an den Weltjugendtag in Panama und erinnert sich, wie die Menschen in Mittelamerika den Glauben mit einer gewissen Natürlichkeit gelebt haben. „Dass man sich nicht verbiegen muss, wenn man betet“, sagt er.

Es ist Sonntagnachmittag, 15 Uhr. Beste Kaffeezeit. Wir treffen Pfarrer Jung in seiner Wohnung über der Neheimer Fußgängerzone. Er kommt gerade von einem Treffen mit zehn jungen Erwachsenen aus Neheim und Welver, mit denen er im Januar und Februar 2019 beim Weltjugendtag in Panama war. Heute hat sich ein Teil der Gruppe zum fünften Mal im Anschluss an die Reise getroffen. Sie feiern Gottesdienst, vertiefen das Tagesevangelium, kochen, essen und quatschen. „Das ist erfrischend, ein Ereignis des Glaubens“, sagt Jung. „Aber da ist auch noch Luft nach oben.“

Bei den Treffen spürt Jung, wie ungewohnt es für viele ist, über den Glauben zu sprechen. Er sagt: „Das gelingt nur, indem man es übt.“ Für den 56-Jährigen gehört es zu den drängenden persönlichen Fragen, wie es mit der Kirche in unseren Breiten weitergeht. Er denkt, dass die Talsohle noch nicht durchschritten ist.

Große Chancen durch kleine Gemeinschaften

Stephan Jung versteht seine Pfarrei als Gemeinschaft aus Gemeinschaften. Der Idealfall: Unter der Woche treffen sich Kleingruppen zu Bibelgesprächen, am Sonntag kommen dann alle in der Eucharistiefeier zusammen. Jung blickt auf den Couchtisch und hält das Buch „Mission Possible“ von Otto Neubauer hoch. Er sagt: „Wir brauchen mehr Jüngerschaft. Menschen, die den Glauben zusammen leben und teilen wollen – und wissen, dass wir keine Einzelgänger sind.“ Bei aller Komplexität im Leben sei es besonders wichtig, im Glauben eine Regelmäßigkeit zu haben.

Neben den Kleingruppen zieht Stephan Jung auch Kraft daraus, dass er sich als Teil der grenzüberschreitenden Glaubensgemeinschaft des Christentums fühlt. Er hält Kontakt zu Freunden in Frankreich, Italien, Panama und Papua Neuguinea. Momentan blickt Jung der Fahrt ins Paderborner Partnerbistum Le Mans zum Juliansfest entgegen – auch, weil er im Süden des französischen Bistums sechs Jahre lang als Pfarrer gewirkt hat. Mit Frankreich ist Jung heute besonders als Vorsitzender des Franz-Stock-Komitees für Deutschland verbunden. Franz Stock, gebürtiger Neheimer, begleitete ab 1941 junge Männer, die im besetzten Frankreich von der Wehrmacht als Widerstandskämpfer verurteilt, eingebuchtet und erschossen wurden.

„Franz Stock ist an die Grenzen gegangen“, sagt Jung. Er habe den Gefangenen das Evangelium angeboten, indem er ihnen menschlich nah war. Heute lebten wir gewissermaßen auf den Schultern von Menschen wie Franz Stock, die sich für Frieden und Freiheit eingesetzt haben. Deshalb verfolgt Jung betrübt und erschüttert, wie heutzutage in Europa wieder nationales Denken hochkommt. Er sagt: „Wir leben in einer Welt, sind eine Menschheitsfamilie.“ Und: „Franz Stock wäre sicher auch mit zum Weltjugendtag nach Panama gefahren. Denn wer davon zurückkehrt, der überwindet die Grenzen und Mauern des Nationalismus.“

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