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© Adrian Koczy / Pastoraler Raum Lippe-West
© Adrian Koczy / Pastoraler Raum Lippe-West

Gemeinsames Fastenbrechen: Wie muslimische und christliche Gläubige in St. Kilian Schötmar zusammenfinden

Und, wie ist das mit dem Fasten? In Schötmar tauschten sich Menschen christlichen und muslimischen Glaubens aus. Sie sprachen über Almosen, Solidarität mit den Armen, Zusammenhalt. Auch das ist Ramadan. Auch das ist Fastenzeit.

Gemeinsam luden Mitwirkende aus beiden Religionen an den „Tisch des Friedens und der Brüderlichkeit“ und 80 Menschen unterschiedlichen Glaubens kamen.

Der erste Kontakt entstand durch Papst Franziskus oder genauer durch einen Kondolenzbesuch einer Gruppe muslimischer Gläubiger in einem Gottesdienst nach dem Tod von Papst Franziskus im Frühjahr 2025. Das Fastenbrechen – schon länger geplant und unter aktiver Beteiligung von „jugendglaubt“ im Pastoralen Raum Lippe-West organisiert – startete am Samstag, 21. Februar, mit einer Begegnung in der Kirche St. Kilian.

Adrian Koczy, ständiger Diakon und im Hauptberuf Pflegedienstleiter in der Seniorenhilfeeinrichtung Maria Rast in Herford, verwies auf ein Kirchenfenster, das die Begegnung Abrahams mit Gott in der Gestalt von „drei Männern“ am Hain Mamre (Gen 18) darstellt: „Sie kamen und wurden herzlich von Abraham und Sarah empfangen. Dann teilten sie Sarah mit, dass sie einen Sohn bekommen wird. Das ist eine Episode, die fast identisch im Koran vorkommt.“ Vor dem Altar lagen symbolisch Brot, Wasser und Weintrauben. „Mit Abraham haben wir einen Vater des Glaubens, eine wichtige Persönlichkeit, die in beiden Religionen eine große Bedeutung hat.“

Multireligiös war die Begegnung gestaltet, es gab Beiträge von allen Mitwirkenden. Zum Beispiel präsentierten die muslimischen Gäste die 99 Namen Allahs. „Beschreibungen wie ,Der Geduldige‘, ,Das Licht‘ oder ,Der Versammelnde‘, finden wir auch in christlichen Gebeten.“

„Geschwisterlichkeit“ ganz im Sinne von Papst Franziskus gelebt

Diakon Koczy erinnert sich noch gut an die erste Begegnung mit den muslimischen Gläubigen beim Gottesdienstbesuch: „Weil ich, wenn ich im Gottesdienst bin, alle Menschen, die ich nicht kenne und die neu sind, nachher draußen kurz anspreche und begrüße, kam ich in Kontakt. Sie sagten, sie seien gekommen, um ihre Kondolenz auszudrücken. Im Nachhinein war es wie eine Fügung.“

Die muslimischen Freunde haben sich unter dem Namen „Harmonie Initiative“ zusammengefunden. Auf Instagram schreiben sie: „In einer Welt, in der oft über die Spaltung von Kulturen gesprochen wird, haben wir heute gezeigt, wie viele gemeinsame Werte uns tatsächlich verbinden. Unsere Vielfalt ist keine Hürde, sondern unser größter Schatz.“ Ihr Anliegen sei es, etwas für die Gesellschaft zu tun, Kommunikation und Dialog zu pflegen, sagte die Gruppe zu Diakon Koczy. „Das hat sich auch Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ gewünscht, dass wir insbesondere mit den Muslimen eine gute Gemeinschaft pflegen sollen“,unterstreicht er.

Viel Verbindendes entdeckt

Nachdem die muslimischen Freundinnen und Freunde auch am letzten Fronleichnamsfest zu Besuch gekommen waren, „haben wir gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat und jugendglaubt überlegt, dass es doch schön wäre, etwas zusammen zu gestalten“, sagt Koczy. Und so entstand die Idee zum gemeinsamen Fastenbrechen passend zum Zusammenfallen von Fastenzeit und Ramadan. Es gab einige Treffen und der Titel „Begegnung statt Konfrontation“ wurde festgelegt. Die Ankündigung zum Abend schmückt das Bild einer Ikone, die Franz von Assisi beim Besuch im Lager des Sultans Malik al-Kamil zeigt.

Jetzt war es endlich soweit und das Entdecken von Gemeinsamkeit setzte sich am Mitbring-Buffet ungezwungen fort. Diakon Koczy schildert seine Eindrücke: „Alle haben ein sehr gutes Essen vorbereitet und: Wir saßen nicht getrennt nach Religionen, sondern gemischt, das war sehr schön. So sind persönliche Gespräche entstanden. Wir haben von den Schicksalen der Menschen gehört, wie sie nach Deutschland kamen, und was sie jetzt planen.“

Als jemand aus der Gemeinde Geld sammeln wollte für die mitgebrachten Speisen, war das gar nicht erwünscht, erzählt der Diakon: „Das Geld sollten wir lieber an die Tafel geben, kam als Antwort. Das genau sind auch die Werte des Ramadans als Zeit der Barmherzigkeit: zu versuchen, den Menschen zu helfen. Wieder eine Parallele zur Fastenzeit.“ Er entdeckt im Islam „vieles, was uns verbinden kann“.

„Meine Mitstreiterinnen und Mitstreiter und ich hatten die Intention, Vorurteile abzubauen und Brückenbauer zu sein. Wenn man ins Gespräch kommt, persönlich, kann viel entstehen. Auch die Ökumene entsteht nur dort, wo persönliche Gespräche stattfinden

Adrian Koczy, ständiger Diakon in St. Kilian Bad Salzuflen-Schötmar

„Da kann sich etwas entwickeln“

Ein schönes Zeichen sei bereits gewesen, dass „jugendglaubt – Kath. Jugendarbeit Lippe-West“ und die muslimische „harmonieinitiative“ gemeinsam die Einladung bei Instagram gepostet hätten, so Diakon Koczy weiter. Beim Fastenbrechen in Schötmar erzählten sie sich dann von ihren Traditionen. Sie versuchten, zu verstehen, was es für Musliminnen und Muslimen heißt, über den ganzen Tag zu fasten. Oder wie Christinnen und Christen ihre 40-tägige Fastenzeit gestalten.

„Ich finde es eine ganz gelungene Sache und war sehr beeindruckt. Es müssen Beziehungen entstehen. Und über das Fastenbrechen sind wir in Beziehung gekommen“, schließt Adrian Koczy. Wie eine Fügung sei der erste Besuch der muslimischen Gläubigen im vergangenen Jahr gewesen. „Das sind die ersten Schritte, da kann sich was entwickeln, auch der Bürgermeister kam schon auf uns zu.“

Die Harmonie-Initiative schreibt bei Instagram von einem „wertvollen“ Abend und einem besonderen Moment. Alle hätten „die verbindende Kraft des Glaubens“ gespürt. Und sie schließen: „Danke für die tollen Gespräche und das geschwisterliche Miteinander.“ Weitere Einladungen wurden ausgesprochen, neue Kontakte entstanden, junge Leute sind mit im Boot.

Und: Es kamen rund 80 Personen – 25 Musliminnen und Muslime sowie rund 50 Christinnen und Christen aus dem ganzen Pastoralen Raum. „Das sind so viele wie sonst im Sonntagsgottesdienst“, sagt Diakon Koczy. Noch mehr Motivation, auf diesem Weg weiterzumachen.

Die Kirchen in NRW richteten Grußworte zum Beginn des Ramadan an alle Musliminnen und Muslime:

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Info-Kasten: Ramadan und Fastenzeit: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Ramadan und Fastenzeit weisen Ähnlichkeiten in ihren Schwerpunkten auf. Innere Umkehr, Besinnung, stärkere Hinwendung zu Gott, Solidarität mit den Armen – kurz: Fasten, Gebet und Almosen – spielen in beiden Fastenzeiträumen eine wichtige Rolle. Eine seltene Möglichkeit: Im Jahr 2026 gibt es eine besondere Zeitgleichheit von Fastenzeit und Ramadan. An Aschermittwoch, 18. Februar, begann auch der Ramadan. Und zwar am Abend, das eigentliche Fasten starteten die muslimischen Gläubigen am 19. Februar. Der Ramadan endet am 19. März mit dem Zuckerfest, das Fasten in der Fastenzeit endet an Karsamstag und damit am 4. April.

Der Ramadan beginnt stets im neunten Monat des islamischen Mondkalenders und verschiebt sich damit jährlich.  Das Pflichtfasten über 29-30 Tage – je nach Jahr – hat einen sehr hohen Stellenwert im Glauben der Muslime als einer der fünf Säulen des Islam und Erinnerung an die Herabsendung des Koran.  Die christliche Fastenzeit knüpft an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste an. Gebotene Fastentage sind Aschermittwoch und Karfreitag. Alle Freitage der Fastenzeit (wie auch alle Freitage im Jahr laut Weisungen zur Bußpraxis der Deutschen Bischofkonferenz) sind Abstinenztage, an denen kein Fleisch verzehrt wird.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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