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© Sabrina Voss / Erzbistum Paderborn
© Sabrina Voss / Erzbistum Paderborn

Gemeinsame Verantwortung fürs Erzbistum

Jan Hilkenbach, Diözesanvorsitzender des BDKJ und Vorsitzender des Diözesankomitees, zum neuen Statut des Diözesanpastoralrates

Ab September 2025 wird der Diözesanpastoralrat (DPR) im Erzbistum Paderborn durch ein neues Statut synodaler aufgestellt: Er wird zum Beratungsorgan des Paderborner Erzbischofs, mit dem dieser grundlegende Entscheidungen für die Erzdiözese berät und mittels einer gemeinsamen Entscheidung beschließt. Bis zu sechs Einzelpersonen aus dem Erzbistum können in den neuen DPR berufen werden. Interessierte können sich für diese sechs Plätze ab sofort bis zum 30. September über ein digitales Verfahren bewerben. Wie sehen aktuell amtierende Mitglieder des Gremiums diese Entwicklung? Darüber haben wir mit Jan Hilkenbach gesprochen, der seit 2018 Mitglied im DPR ist. Hilkenbach ist Diözesanvorsitzender des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) und Vorsitzender im Diözesankomitee.

Redaktion

Wie waren Ihre bisherigen Erfahrungen im Diözesanpastoralrat?

Jan Hilkenbach

Zurückblickend kann ich sagen, dass das immer eine interessante und gut zusammengesetzte Runde engagierter Menschen war, aus unterschiedlichsten Bereichen der Kirche. Es gab immer einen guten Austausch auch eine gute Beratung der großen Themen im Erzbistum, was ja der Kern dieses Gremiums ist. Man konnte immer auch selbst Impulse für die eigene Arbeit mitnehmen, aber eben auch die Bistumsleitung für ihre Aufgaben.

Redaktion

Haben Sie in diesen Jahren auch Veränderungsbedarf wahrgenommen?

Hilkenbach

Das, was mir bisher gefehlt hat, das war tatsächlich eine gewisse Verbindlichkeit. Was passiert denn jetzt mit den Rückmeldungen, mit den Resonanzen, die gegeben wurden? Wie knüpft man an diese Punkte wieder an? Wie und von wem wird entschieden? Da hatte ich einige Anfragen an die Runde und befürworte es sehr, dass wir nun gemeinsam einen neuen Weg eingeschlagen.

Redaktion

Wie sieht dieser Weg aus?

Hilkenbach

Ich glaube, dass das Statut jetzt deutlich stärker auf gemeinsames Beraten und Entscheiden setzt – auch wenn ich mir noch weitergehende Schritte gewünscht hätte. Es geht jetzt aber wirklich darum, dass Bistumsleitung und Diözesanpastoralrat eine gemeinsame Verantwortung für das Erzbistum wahrnehmen. Das sind deutliche Veränderungsschritte im Vergleich zum früheren Statut. Als Diözesankomitee hätten wir uns zwar im Sinne des Synodalen Weges noch mehr Veränderung in Richtung gemeinsames Entscheiden vorstellen können. Trotzdem haben wir einen guten Weg beschritten. Es ist jetzt ein anderer Geist im Statut, der ganz klar den Charakter von Synodalität hat und das war auch schon im Entstehungsprozess des neuen Statuts zu spüren.

Es geht jetzt aber wirklich darum, dass Bistumsleitung und Diözesanpastoralrat eine gemeinsame Verantwortung für das Erzbistum wahrnehmen. Das sind deutliche Veränderungsschritte im Vergleich zum früheren Statut.

Jan Hilkenbach
Redaktion

Woran machen Sie das konkret fest?

Jan Hilkenbach

Zum Beispiel daran, dass es jetzt in letzter Konsequenz ein Schlichtungsverfahren geben kann, wenn Erzbischof und Diözesanpastoralrat bei einer Entscheidung zu keiner Einigung kommen. Das ist wirklich wertvoll, weil es verhindert, dass man bei Uneinigkeit einfach auseinandergeht und die Beratung ins Leere läuft. Insgesamt werden Verfahren und Aufträge deutlich genauer beschrieben, was Transparenz und Verlässlichkeit ermöglicht. Eine weitere große Veränderung ist die Zusammensetzung des Diözesanpastoralrats: Zusätzlich zu den bewährten Vertretungsstrukturen können nun weitere Mitglieder berufen werden, die noch fehlende Perspektiven in die synodale Arbeit einbringen, etwa Vertretungen von Schulen oder aus den Gemeinden anderer Muttersprache. Was ich auch spannend finde: dass das Statut nicht in Stein gemeißelt ist, sondern nach drei Jahren evaluiert und gegebenenfalls wieder angepasst werden soll. Das ist absolut sinnvoll angesichts des großen Veränderungsprozesses, die wir im Erzbistum aber auch in Kirche und Gesellschaft insgesamt gerade erleben.

Redaktion

Sie sprachen eben schon die gemeinsame Verantwortung von Rat und Bistumsleitung an. Wo kommt am meisten Verantwortung auf Sie zu?

Hilkenbach

Da sehe ich vor allem den Bistumsprozess und die damit einhergehende Transformation. Die Bistumsleitung hat angekündigt, dass im Diözesanpastoralrat eine gründliche Beratung und die Planung von weiteren Schritten stattfinden soll. Der Prozess als solcher wurde ja von der Bistumsleitung gesetzt, aber zum Glück mit viel Offenheit, die dabei ganz wichtig ist. Es muss viel Gestaltungsmöglichkeit geben, an der möglichst viele Engagierte mitwirken – das ist dann nicht nur eine Sache des Diözesanpastoralrates. Trotzdem haben wir aufgrund unseres Mandats sicher noch einmal eine besondere Funktion in diesem Prozess. Auch die kirchenhistorischen Studien der Universität Paderborn zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger im Erzbistum Paderborn werden aus meiner Sicht ein wichtiger Schwerpunkt für den Diözesanpastoralrat sein.

Redaktion

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem neuen Rat?

Hilkenbach

Ich glaube und hoffe, dass wir mit dem neuen Diözesanpastoralrat ein guter Baustein der Synodalität hier im Erzbistum Paderborn sein können. Auf Bistumsebene sollte Synodalität vorgelebt werden, damit es überall gelingt. Ich hoffe auch, dass wir gemeinsam mit anderen Gremien weiter daran arbeiten, dass wir mehr zu einem gemeinsamen Gestalten und Entscheiden kommen und Laien in der Kirche von Paderborn immer mehr sind als das ausführende Organ. Das geht allerdings auch gar nicht anders in einer Kirche, die sich gerade radikal verändert und mit Blick auf die neuen Seelsorgeräume stark auf das Ehrenamt setzt. Die Engagierten in unserer Kirche sind keine Lückenbüßer für fehlendes pastorales Personal, sondern gemeinsam wollen und müssen wir unser kirchliches Leben gestalten. Mir ist allerdings klar, dass wir uns als katholische Kirche im Erzbistum jetzt nicht plötzlich in einer Demokratie bewegen und darum geht es auch nicht. Demokratie ist eine Staatsform und die Kirche ist kein Staat, aber entsprechende Verfahrensweisen tun auch der Kirche gut. Der Diözesanpastoralrat ist kein Parlament, sondern ein gutes Instrument des synodalen Beratens und Entscheidens.

Eine Mitgliedschaft im Diözesanpastoralrat ist etwas für Menschen, die Interesse haben, an den großen Linien der Kirche im Erzbistum Paderborn mitzudenken und konstruktiv mitzuarbeiten.

Jan Hilkenbach
Redaktion

Das Statut sieht sechs neue Mitglieder vor, die sich um einen Platz im Diözesanpastoralrat bewerben können. Wie würden Sie potentielle Bewerberinnen und Bewerber ermutigen?

Jan Hilkenbach

Eine Mitgliedschaft im Diözesanpastoralrat ist etwas für Menschen, die Interesse haben, an den großen Linien der Kirche im Erzbistum Paderborn mitzudenken und konstruktiv mitzuarbeiten. Ich glaube, wichtig ist, dass man zu einem Perspektivwechsel fähig ist –  die  eigenen Erfahrungen in Gruppen und Gremium sind sehr wichtig, aber gleichzeitig muss im Diözesanpastoralrat immer das gesamte Erzbistum in all der Vielfalt beachtet werden Wenn man mit den Entwicklungen oder der Linie des Erzbistums völlig hadert, dann ist es schwierig, im Diözesanpastoralrat gestaltend tätig zu sein. Aber wenn man in der Lage ist, in den Entwicklungen etwas Neues, Optimistisches zu erkennen, zusätzliche Perspektiven mitbringen und auf der Bistumsebene aktiv und verantwortlich mitwirken möchte, dann ist eine Bewerbung für denDiözesanpastoralrat sicher sinnvoll.

Redaktion

Zwei der sechs Personen sollen jünger als 25 sein. Wie würden Sie junge Menschen zur Kandidatur ermutigen?

Hilkenbach

Die Prozesse, über die wir im Diözesanpastoralrat sprechen, sind immer zukunftsgerichtet und gestalten kirchliches Leben für die nächsten Jahre sowie die kirchliche Verantwortung in der Gesellschaft. Wir beschäftigen uns mit Fragen und Entscheidungen, von denen junge Menschen aufgrund ihres Lebensalters besonders betroffen sein werden – es geht um ihre kirchliche Heimat. Unsere Kirche ist dann stark, wenn es uns gelingt alle Generationen im Blick zu behalten – es muss eben auch eine junge Kirche sein und bleiben. Insofern ist es wichtig, dass junge Menschen dabei sind und die Möglichkeit haben, mitzugestalten. Ich bin mir auch sicher, dass junge Menschen mit ihrer Lebensrealität und einer anderen kirchlichen Sozialisation den Diözesanpastoralrat bereichern werden.

Wie Schwester Ulrike Brand CBMV, Vorstandsmitglied der Paderborner Ordenskonferenz, das neue Statut des Diözesanpastoralrates einschätzt und warum sie den Rat als „Bindeglied“ sieht, lesen Sie hier.

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