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© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn
© Ralf Litera / Erzbistum Paderborn

Geistliche Begleitung: Andere in die Fülle des Lebens führen

Glaubenswege sind vielfältig – auf ihnen gibt es Fragen, Zweifel, mal mehr und mal weniger Neugierde auf Gott. Sr. Elisabeth Bäbler weiß, dass es helfen kann, darüber zu sprechen. Deshalb bietet sie die besondere Seelsorgeform der Geistlichen Begleitung an.

Ein erfülltes Leben aus dem eigenen Glauben heraus zu führen, ist für viele Menschen ein Prozess lebenslanger Reifung. Wer im und mit dem Glauben wachsen möchte, kann sich dabei geistlich begleiten lassen. Im Zentrum dieser besonderen Form der Individualseelsorge steht der persönliche Glaubensweg und die geistliche Praxis in ihren konkreten, lebenspraktischen Bezügen. Wie Geistliche Begleiterinnen und Begleiter unterstützen? Was sie dazu antreibt, mit anderen unterwegs zu sein? Und was es braucht, um in geistlichen Fragen ein guter Weggefährte zu werden? Schwester Elisabeth Bäbler, Leiterin des Geistlichen Zentrums Eremitage Franziskus in Wilnsdorf bei Siegen und eine von 26 anerkannten Geistlichen Begleiterinnen und Begleitern im Erzbistum Paderborn, gibt Einblick.

„Geistliche Begleitung ist ein Prozess mit drei Akteuren: dem Menschen, der sich begleiten lässt, dem oder der Begleitenden und Gott, der immer in unser Leben hineinspricht“, so Schwester Elisabeth, die seit mehr als zehn Jahren mit Menschen in persönlichen Glaubensfragen auf dem Weg ist. „In den Begleitgesprächen reflektieren wir das Leben in diesem Dreieck. Dabei geht es immer auch um die Gottesbilder hinter den konkreten Fragen und Problemen, die im täglichen Handeln mitschwingen, selbst bei Menschen, die das Wort ‚Gott‘ nicht in den Mund nehmen.“

Geistliche Begleitung ist nicht klassische Psychotherapie

Damit ist Schwester Elisabeth schnell bei der Frage, was Geistliche Begleitung in ihrer besonderen Ausrichtung eigentlich ist – und vor allem, was nicht: Denn es geht der Ordensfrau nicht darum, theologische Diskurse zu führen, auch wenn der Glaube an die Existenz Gottes die Seelsorge von anderen Formen der Begleitung unterscheidet. Geistliche Begleitung ist auch keine Psychotherapie, weil es ihr nicht um Heilung oder die Unterscheidung von Gesundheit und Krankheit geht. Und sie ist kein Coaching mit dem Ziel einer Selbstoptimierung, die es auf noch unbekanntem Weg zu erreichen gilt. Gleichwohl, die Fragestellungen, mit denen die Menschen zu Schwester Elisabeth kommen, sind mitten aus dem Leben gegriffen: Wie gestalte ich die Beziehung zu Mitmenschen und wie verhalte ich mich in Konflikten? Wie kann ich mehr Ruhe im Alltag finden? Wie gehe ich mit meinen vielen Sorgen um?

„Die Entscheidung, worüber wir sprechen, steht den Begleiteten frei.“ Ihre Themen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst, die dieses Angebot nutzen. Zurzeit begleitet Schwester Elisabeth zwölf Frauen und Männer im Alter von 30 bis 70 Jahren. Was sie verbindet: „Es sind Personen, die ihren Alltag auch in einer geistlichen Form reflektieren möchten.“ Auch solche, denen Gott gerade fern scheint, die aber eine Sehnsucht spüren, sind dabei. Zwischen den Gesprächen liegen mindestens vier Wochen, damit das Besprochene nachklingen kann und innere Prozesse Zeit haben, sich zu entwickeln. Manchmal dauert es auch mehrere Monate, bis der Gesprächsfaden wieder aufgegriffen wird. Viele nutzen das Angebot einige Jahre lang; mit einem Begleiteten steht die Schwester schon seit mehr als fünf Jahren in Kontakt, um ihn auf seinem Glaubensweg zu begleiten.

Geistliche Begleitung im Erzbistum Paderborn

Geistliche Begleitung ist ein Angebot für alle Menschen, die in sich den Wunsch spüren, ihre Gottesbeziehung zu vertiefen. Sie besteht in erster Linie aus regelmäßigen, vertrauensvollen Gesprächen. Hier ist Raum, um Fragen des Glaubens und des Lebens zu betrachten, zu schauen, was den persönlich gelebten Glauben erschwert oder fördert. Falls auch Sie Interesse an einer Geistlichen Begleitung haben, finden Sie alle weiteren Informationen auf der Seite der Geistlichen Begleitung im Erzbistum Paderborn.

Lernen, wie man Gespräche gut führt

Für die Tätigkeit als Geistliche Begleiterin ist eine besondere Ausbildung unverzichtbar. Darum hat Bäbler, die gelernte Grundschullehrerin ist, vor 15 Jahren eine zweijährige Ausbildung gemacht. „In meiner Arbeit mit Jugendlichen damals habe ich schnell gemerkt, dass ich mich in Geistlicher Begleitung schulen lassen möchte. Später habe ich viel mit Erwachsenen gearbeitet, habe Exerzitien gegeben und biete seitdem auch Geistliche Begleitung an.“ Was man mitbringen sollte, um eine gute Geistliche Begleiterin zu sein? „Es braucht unbedingt eine Offenheit anderen Lebensentwürfen gegenüber. Ich darf nicht zu klare Vorstellungen davon haben, was christliches Leben ist und was nicht. Ein Grundwissen an geistlichen und psychischen Prozessen ist wichtig. Und man sollte biblisch fit sein.“ An Schwester Elisabeth schätzen die Begleiteten ihre Fähigkeit, eine Willkommensatmosphäre zu schaffen, die ihnen das Gefühl gibt: Du bist hier sicher und getragen. Und du kannst auf meine Verschwiegenheit vertrauen.

Welches Bild habe ich von Gott?

Die meisten Geistlichen Begleiter arbeiten mit der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers. „Ein wichtiges Tool für mich ist auch die sogenannte Unterscheidung der Geister, mit der wir unsere inneren Regungen und die Motivationslage hinter unserem Handeln offenlegen können. Die Frage ist hier: Führt mich das, was ich tue, in eine proaktive Lebensweise und in die größere Freiheit einer reifen Persönlichkeit – oder verstrickt es mich in Abhängigkeiten, indem ich mich zum Beispiel nur noch über den Beruf definiere oder mich in eine Leistungsfrömmigkeit verrenne?“

Gern nutzt die Geistliche Begleiterin auch Methoden, die sie ihrer Ausbildung zur Systemischen Therapeutin entnimmt. Sie nutzt zirkuläre Fragetechniken oder die Methode der Bodenanker: Hier repräsentieren Zettel auf dem Fußboden Personen, Positionen oder Gemütszustände, zwischen denen sich die Begleiteten physisch hin und her bewegen können. Mit dem Wandel im Raum wandeln oft auch die inneren Regungen. Eine weitere spannende Frage: Welche miteinander in Konflikt stehenden Gottesbilder stecken eigentlich dahinter? Schwester Elisabeth erinnert sich hier an die Begleitung eines Mannes, der mit großen Stresssymptomen zu kämpfen hatte: „Für ihn brachte das Bewegen zwischen den Polen am Boden einen absoluten Aha-Effekt, weil ihm bewusst wurde, dass Gott der gleiche bleibt, auch wenn ich ihn unterschiedlich wahrnehme.“ Das war, auch für die Begleiterin, ein besonders ergreifender Moment.

Mit Franziskus in die innere Freiheit

In ihrem Glauben ist Schwester Elisabeth durch und durch Franziskanerin. Die Spiritualität des heiligen Franz von Assisi, die von der Idee der Menschwerdung Gottes und von dem Bild eines guten Gottes getragen ist, prägt auch die Art, wie sie anderen begegnet. „Aus dieser Leitspiritualität ergeben sich zwei Grundhaltungen: Ich kann bedingungslos so sein, wie ich bin – und ich sollte andere so sein lassen, wie sie sind. So hat jeder den Freiraum, seine Gottesbeziehung zu leben, wie er oder sie es möchte.“ Freiheit ist das oberste Gebot ihrer Geistlichen Begleitung. „Darum geht es mir in den Gesprächen am Ende auch nicht so sehr um Techniken, sondern mehr ums genaue Hinhören. Auch das ist Geistliche Begleitung: Ins Wort zu bringen, was zwischen den Zeilen hängt.“

Ein Beitrag von:
Dr. Carina Middel, freie Autorin, schreibt Texte für Print und Online im Erzbistum Paderborn. © Carina Middel/Erzbistum Paderborn
Freie Autorin Dr. Carina Middel
Freie Autorin

Dr. Carina Middel

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