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© Pfarrei Maria Himmelfahrt Schönholthausen
© Pfarrei Maria Himmelfahrt Schönholthausen

Fronleichnam: Was Mallorca und das Sauerland verbindet

Wer eine besondere Fronleichnamsprozession erleben möchte, könnte vom Paderborner Flughafen aus nach Mallorca fliegen. Doch auch die im Erzbistum heimischen Bräuche beeindrucken – durch das Engagement der Menschen vor Ort.

Ein Sonntagnachmittag im Frühsommer, Palma de Mallorca. An den Tischen vor den Bars in der Altstadt sitzen Menschen mit Paella und Weißwein, jemand fotografiert die Kathedrale, ein Kind sucht einen Kühlschrankmagneten im Souvenirshop aus. Auf einmal ertönt Blasmusik um die Ecke und Menschen mit traditionellen Pferdekostümen tauchen auf. Vor dem Rathaus bilden Blüten und Blätter einen großen Blumenteppich. Es ist Fronleichnam – in Spanien Corpus Christi genannt.

Was ist eigentlich Fronleichnam?

Der Name leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen ab und bedeutet: Leib des Herrn. Die katholische Kirche feiert an diesem Tag, dass Christus in Brot und Wein leibhaftig unter den Menschen ist. Sichtbares Zeichen dafür ist eine geweihte Hostie, die in einem verzierten Gefäß, der Monstranz, feierlich durch die Straßen getragen wird. Die Gläubigen folgen in einer Prozession.

Das Fest wird in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen. Auf Mallorca verschiebt man die kirchliche Feier auf den Sonntag. Ein gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam auf der Urlaubsinsel nicht.

Trommeln, Pferdepuppen und Meerblick

In Palma ist Mittelpunkt des Festes die Kathedrale La Seu. Die Feierlichkeiten starten dort mit einem Gottesdienst in katalanischer Sprache. Die Prozession startet dort, verläuft seitlich der Kathedrale, Blick auf das Meer, Segelboote und Palmen an der Promenade, und schlängelt sich durch die Gassen von Palma. Voran reiten Männer in historischen Uniformen auf Pferden, eine historisch gekleidete Trommlergruppe gibt den Takt vor.

Aus den Fenstern regnen Rosenblätter

Was dann folgt, ist typisch für Mallorca: Männer und Frauen stecken in einer Art Pferdepuppe. Den ganzen Weg tanzen sie in rhythmischen Sprüngen zu Musik von Flöten, Handtrommeln und einer Art Dudelsack. Ball de Bot heißt der auf den Balearen bekannte Volkstanz, typisch für Palma sind besonders die Pferde-Figuren.

Es folgen Männer, Frauen und Kinder in mallorquinischer Tracht: Die Männer tragen weite Bundhosen, die Frauen große Röcke, die Haare streng gescheitelt zurück und Spitzenkopftücher darüber. In den Händen halten die meisten Fächer und Rosenkranz. Sie erinnern damit an ihre Vorfahren, Bauern vergangener Jahrhunderte.

Kommunionkinder, Mädchen und Jungen in weißen Kleidern und Anzügen, streuen Blütenblätter. Darauf folgen viele Messdienerinnen, Messdiener und Priester. Schließlich wird ein goldener Wagen mit üppigem Blumenschmuck geschoben – darauf die goldene Monstranz mit dem Allerheiligsten. Aus allen Fenstern des Rathauses regnen Rosenblätter herab, auch von Balkonen werfen Menschen Blüten.

Im direkten Vergleich hat Mallorca vielleicht den spektakuläreren Auftritt. Aber bei uns sind die Menschen mit umso mehr Herz dabei.

Pfarrer Michael Krischer, Leiter des Pastoralen Raums Bigge-Lenne-Fretter-Tal

Blumenteppiche im Sauerland

Blumen spielen an Fronleichnam auch im Sauerland eine wichtige Rolle. „Im direkten Vergleich hat Mallorca mit Trachten, Pferdefiguren, Blütenregen und Meerblick vielleicht den spektakuläreren Auftritt“, so Pfarrer Michael Krischer, Leiter des Pastoralen Raums Bigge-Lenne-Fretter-Tal, mit einem Lachen. „Aber bei uns sind die Menschen mit umso mehr Herz dabei.“ Sogar bei dem Fronleichnamsgottesdienst im Seniorenheim bestehen die Bewohner auf ihren Blumenteppich. Als Priester freue er sich darüber, dass sich die Menschen diese Mühe machen. Das schaffe eine besonders feierliche Atmosphäre.

Auch im Sauerland werden die Prozessionen teilweise auf die umliegenden Sonntage verschoben, berichtet Krischer. Das liege an der Zahl der Priester im Pastoralen Raum. „Wir sind hier zu dritt, das heißt, wir können drei Prozessionen an Fronleichnam übernehmen“, sagt er. Weil aber viele Dörfer an ihrer eigenen Prozession festhalten wollen, brauche es Ausweichtermine.

Wenn Blumenteppiche zum Wettkampf werden

In der Pfarrei Maria Himmelfahrt Schönholthausen wird die Prozession bereits an Christi Himmelfahrt begangen. „Bei der Prozession haben sich vor Jahren zwei Dörfer zusammengeschlossen. Seitdem gehen wir in einem Jahr von Schönholthausen nach Ostentrop und im anderen Jahr die umgekehrte Strecke“, so Krischer. Die Straßen sind dabei von Fähnchen und Blumenschmuck gesäumt. Die Prozession wird in der Regel von einer Musikkapelle begleitet.

Vor den Altären, die an den vier Stationen der Prozession aufgebaut sind, verzieren Blumenteppiche den Boden. „Früher haben die Dorfbewohner einen Wettkampf daraus gemacht, wer den schönsten Blumenteppich gestaltet hat“, sagt Krischer. Zwar geht die Zahl der Prozessionsteilnehmenden zurück – und damit auch die Zahl der Freiwilligen, die die Blumenteppiche gestalten. Wegzudenken ist diese Tradition aus dem Sauerland aber nicht.

Ich kann immer nur allen danken, die bei der Prozession dabei sind und sich um die Altäre und Blumenteppiche kümmern.

Pfarrer Michael Krischer

Warum werden an Fronleichnam Blumenteppiche gelegt?

Früher habe man den ganzen Weg, den der Priester mit der Monstranz zurücklegt, mit Blumen ausgelegt, erklärt Krischer. „Eigentlich darf nur der Priester diesen Blumenteppich betreten. Messdiener und andere müssen nebenher gehen Die Tradition der Blumenteppiche geht auf das alttestamentarische Vorbild zurück, einem herannahenden König den Weg mit Blumen zu bereiten.Und auch Jesu Einzug in Jerusalem klingt hier an: „Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.“ (Mt 21,8 ).

Entscheidend sei nicht, wo Fronleichnam am farbenprächtigsten gefeiert wird, so Pfarrer Krischer. Entscheidend ist, dass Menschen Christus einen Weg durch ihren Ort bereiten, mit Blumen, Musik, Gebet und viel ehrenamtlichem Einsatz. Und für ihn steht ohnehin fest: „Zuhause ist es doch immer noch am schönsten.“

Ein Text von Nicola Trenz (KNA) und Jasmin Lobert

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