Franz Hitze, geboren vor 175 Jahren, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der katholischen Soziallehre und der praktischen Sozialarbeit in Deutschland. Als Priester, Sozialethiker, Reichstagsabgeordneter und späterer Professor in Münster analysierte er bereits im späten 19. Jahrhundert die sozialen Folgen der Industrialisierung.
Er beobachtete harte Arbeitsbedingungen, fehlende soziale Absicherung und wachsende Ungleichheit. Das Spannungsverhältnis zwischen Kapital und Arbeit entwickelte sich zu einem zentralen gesellschaftlichen Konflikt, der insbesondere die Industriearbeiter betraf.
Hitze begegnete diesen Entwicklungen nicht mit grundsätzlicher Systemkritik, sondern mit einem pragmatischen und zugleich vorausschauenden Ansatz. Sein Ziel war es, die Spannungen zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft zu verringern. Sozialreform und Bildung verstand er dabei als untrennbare Einheit und legte damit wichtige Grundlagen für den modernen Sozialstaat.