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Erzbistum Paderborn
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„Es kommt darauf an, mit allen Gutwilligen Gesellschaft und Kirche zu gestalten“

Apostolischer Protonotar Alfons Hardt will anlässlich seiner Verabschiedung als Generalvikar Mut machen
© Bezim Mazhiqi/Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
11. November 2022
Paderborn

„Es kommt darauf an, mit allen Gutwilligen Gesellschaft und Kirche zu gestalten“

Apostolischer Protonotar Alfons Hardt will anlässlich seiner Verabschiedung als Generalvikar Mut machen

Nach fast 18 Jahren als Generalvikar blickt Alfons Hardt anlässlich seiner Verabschiedung am 11. November 2022  zurück – auf seinen Werdegang, sein Priestersein und seine  Zeit als Alter Ego des Paderborner Erzbischofs. Was wünscht der frühere Generalvikar seiner Kirche? Auch darüber spricht er im Interview – und macht dabei Mut.

Wie spricht man einen Generalvikar im Ruhestand eigentlich korrekt an?

Alfons Hardt

18 Jahre lang stand auf den Platzschildern bei Sitzungen „Generalvikar“. Ich freue mich, jetzt meinen Namen wieder zu haben. Aber wenn Sie möchten, bietet sich „Prälat Hardt“ an.

Prälat Hardt, welche drei Begriffe beschreiben die Tätigkeit eines Generalvikars am treffendsten?

Alfons Hardt

Übersicht bewahren, Leiten, Mut machen.

Und welche drei Begriffe beschreiben den Menschen Alfons Hardt?

Alfons Hardt

Gerechtigkeit, Blick für die Schwachen, Freude am Gottesdienst.

Sie waren fast 18 Jahre lang das Alter Ego von Erzbischof em. Hans-Josef Becker – wie haben Sie Ihre Rolle als „anderes Ich“ empfunden und ausgefüllt?

Alfons Hardt

Der Generalvikar ist mit fast allen Anfragen, Problemen und Sorgen an das Erzbistum befasst. Das macht nicht immer glücklich, bietet aber einen großen Gestaltungsspielraum.

Was braucht es heute, um als Generalvikar einen guten Job zu machen und darin Erfüllung zu finden?

Alfons Hardt

Es ist wichtig, die Übersicht zu behalten, die Bereiche und Abteilungen des Hauses kreativ einzubinden und Entscheidungs- und Handlungsvollmacht zu delegieren.

18 Jahre sind eine lange Zeit mit vielen Pflichtterminen für einen Generalvikar. Was waren die Highlights Ihrer Dienstzeit, die Ihnen schon jetzt unvergesslich sind?

Alfons Hardt

Reisen! Ich bin dankbar, viel von der Welt gesehen zu haben und vielen im Glauben engagierten Menschen begegnet zu sein.

Sie sind sozusagen bekennender Frankreich-Freund. Prädestiniert Sie das nicht dafür, sich künftig für die Freundschaft zwischen Le Mans und Paderborn zu engagieren? Welche konkreten Pläne für den Un-Ruhestand können Sie uns sonst verraten?

Alfons Hardt

Wenn die Gesundheit es erlaubt, möchte ich gerne weiterhin reisen, auch nach Frankreich. Hoffentlich finde ich jetzt Zeit für regelmäßige Spaziergänge. Ich gewöhne mich gerade daran, plötzlich mehr Zeit zu haben.

Zunächst bleibe ich Domdechant. Diözesanadministrator Monsignore Dr. Michael Bredeck hat mich gebeten, weiterhin die Vertretung im Bonifatiuswerk und im Diasporakommissariat wahrzunehmen. Weihbischof Matthias König unterstütze ich bei der weltkirchlichen Hilfe unseres Erzbistums.

Und hoffentlich komme ich jetzt dazu, mich um die Briefmarkensammlung meines Vaters zu kümmern.

 

„Ich bin dankbar, viel von der Welt gesehen zu haben und vielen im Glauben engagierten Menschen begegnet zu sein.“

Apostolischer Protonotar Alfons Hardt

 

Wofür sind Sie im Rückblick auf die 18 Jahre als Generalvikar besonders dankbar?

Alfons Hardt

Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden im Hause und mit allen Gremien – etwa vom Diözesanpastoralrat und Kirchensteuerrat über die Kuratorien des Erzbischöflichen Stuhls und des Priesterseminars bis hin zu den Mitarbeitendenvertretungen.

Und wofür sind Sie im Rückblick auf Ihr bisheriges Leben dankbar?

Alfons Hardt

Dass ich einigermaßen gesund bleiben durfte und Erfüllung in meinem Beruf gefunden habe.

Generalvikar zu sein, macht manchmal sicher auch einsam. Welchen Stellenwert hatten und haben für Sie Familie und Freunde?

Alfons Hardt

Die Rückbindung an meine Ursprungsfamilie und wenige Freunde haben mich immer getragen. Sie werden in Zukunft mehr Platz in meinem Leben erhalten.

Wie kam in Ihnen der Wunsch zustande, zwei doch relativ unterschiedliche Professionen anzustreben? Anders gefragt: Warum erst Jurist und dann doch Priester?

Alfons Hardt

Eigentlich habe ich schon in der Obersekunda am Gymnasium den Wunsch gehabt, Priester zu werden. In den ersten juristischen Studiensemestern an der Uni Münster habe ich bereits Vorlesungen an der Theologischen Fakultät gehört – zum Beispiel Karl Rahner.

Als ich 1968 das Abitur bestand, war eine krisenhafte Situation in unserer Kirche. Nicht wenige Vikare in meiner Heimatstadt gaben damals ihr Amt auf. Das Spiritaner Kloster, nur fünf Minuten von meinem Elternhaus entfernt, wo ich in allen Schulferien und sonntags die Messe gedient habe, war in einer Auflösungsphase. Ich selbst war gerade 18 Jahre alt. Selbst in meinem näheren persönlichen Umfeld wurde schon damals der Priesterberuf kritisch und mit Argwohn betrachtet. Nicht leicht! Als ich meinen Bruder Michael zur Aufnahme des Theologiestudiums zum Leokonvikt in Paderborn begleitete, entgegnete der damalige Direktor auf meinen Berufswunsch: „Studienabbrecher nehmen wir ungern!“ So habe ich das Jura-Studium fortgesetzt und mit der 2. Staatsprüfung abgeschlossen. Während des Referendardienstes im Landgerichtsbezirk Paderborn war ich bereits an der Theologischen Fakultät Paderborn immatrikuliert.

Und wie sah Ihr Berufswunsch als Kind aus?

Alfons Hardt

Als Kind habe ich die Karl-May-Bücher verschlungen. Für jedes „Sehr gut“ auf dem Zeugnis und für drei „Sehr gut“ in Klassenarbeiten durfte ich mir einen Karl-May-Band kaufen – „Sehr gut“ gab es damals nicht wie Sand am Meer. Daher war mein Berufswunsch damals also womöglich so etwas wie Winnetou oder Old Shatterhand.

 

„Ich wünsche der Kirche, dass die Menschen in den Kirchengemeinden den Mut, die Hoffnung und den Glauben nicht verlieren angesichts der Skandale der vergangenen Jahre in unserer Kirche.“

Apostolischer Protonotar Alfons Hardt

 

Sie haben oft gesagt, dass Sie sich als Vikar in der Seelsorge sehr wohl gefühlt haben. Angenommen, Sie wären kein Generalvikar geworden: Worin hätten Sie als Geistlicher Ihre Berufung gesehen?

Alfons Hardt

Die 19 Jahre als Seelsorger in St. Georg Oberntudorf waren für mich eine gute Zeit. Da war ich den Menschen sehr nahe und habe großartige Menschen kennengelernt, die sich für die Gemeinde einsetzten. Ich wäre gerne Seelsorger und Gemeindepfarrer geblieben, auch unter den veränderten Bedingungen der Entwicklung in unserer Diözese. Das war mein Berufungswunsch.

Was hat sich Ihrer Erfahrung nach in unseren Kirchengemeinden seit Ihrem Amtsantritt am stärksten verändert, abgesehen von weniger Priestern und Gottesdienstbesuchern?

Alfons Hardt

Die konfessionelle Bindung hat abgenommen. Wenige Menschen verpflichten sich gerne für lange Zeit an einen bestimmten Dienst. Die Mehrheitsverhältnisse zwischen Glaubenden, Andersgläubigen oder Nichtglaubenden verschieben sich. Es wird darauf ankommen, mit allen Gutwilligen zusammen Gesellschaft und Kirche zu gestalten. Ich erinnere mich an Kindertage, dass die Menschen nach dem Gottesdienst noch vor dem Kirchenportal auf dem Kirchplatz blieben und miteinander sprachen. Wenn ich heute nach der Messe aus der Sakristei komme, sind meistens alle weg.

Was wünschen Sie Ihrer Kirche?

Alfons Hardt

Dass die Menschen in den Kirchengemeinden den Mut, die Hoffnung und den Glauben nicht verlieren angesichts der Skandale der vergangenen Jahre in unserer Kirche.

Und was wünschen Sie sich für sich selbst?

Alfons Hardt

Dass ich noch möglichst lange mit den Augustiner Chorfrauen im Michaelskloster am frühen Morgen um 6.45 Uhr die Eucharistie feiern kann. Dass ich meinen Tagesablauf neu organisiere. Dass ich Ruhe finde. Dass ich die freie Zeit fülle und die mögliche Muße genieße, auch wieder Neues zu entdecken. Und dass ich gesund bleibe.

All das wünschen wir Ihnen ebenfalls und danken Ihnen für das Gespräch!

Ein Beitrag von:
Redakteurin Team Presse

Maria Aßhauer

 
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