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© Alex Borderline / Shutterstock.com
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Einfach, draußen und besinnlich: Heiligabend franziskanisch feiern

Heiligabend, 16 Uhr. In vielen Häusern wird jetzt der Braten in den Ofen geschoben. Andere schauen sich ein Krippenspiel an. In Siedlinghausen indes stehen Menschen mit geschnürten Stiefeln am Kreuzweg.

Dicke Jacken, rote Wangen, erwartungsvolle Gesichter. Sie sind bereit für eine andere Weihnacht. Für die franziskanische Weihnacht.

Wie viele kommen? Das weiß niemand vorher. Jede und jeder kann sich anschließen, jede und jeder ist eingeladen, mitzugehen. Heiligabend pur. Franziskanisch. Dem Stern folgen, wie einst die Sterndeuter aus dem Osten, die heute als Heilige drei Könige bekannt sind. Zur Krippe wandern, singend, betend, lauschend. Was Pfarrer Walter Junk vor vielen Jahren im Ort ins Leben rief, das tragen Mechtild, Yvonne und Relinde mit ihren Familien weiter. Zum 24. Mal werden sich Menschen an diesem Nachmittag auf den Weg zum Kreuzberg machen, zum Plateau des Röbbeken. Bis zu 80 sind es inzwischen.

Es geht dabei nicht um die erhabene Kulisse der Krippe. Nicht um Glanz und Gloria. Sondern um die schlichte, beinahe verstörende Tatsache, dass Gott als hilfloses Kind in die Welt kommt. Sich ausliefert. Sich in die Hände der Menschen gibt. Arm, nackt, verletzlich. Und gerade darin zutiefst göttlich. Diese Sicht auf Weihnachten geht auch auf Franz von Assisi zurück. Sein Wirken hat schon den 2025 verstorbenen Papst mit dem gleichen Namen fasziniert. Und es steht auch im Mittelpunkt der 800-Jahr-Feierlichkeiten zu Franziskus, die 2026 ihren Abschluss finden. Pilgerreisen, Feiern, vor allem in Assisi.

Mechtild Kruk und die franziskanische Idee

Es geht um Demut, Einfachheit und Armut. Um Liebe zur Schöpfung, den Dienst an den Armen, die Geschwisterlichkeit aller Menschen.

Vieles davon verkörpert ein Stück weit Mechtild Kruk – auf eine stille, selbstverständliche Weise. Sie ist Naturmensch, als Kräuterpädagogin am liebsten draußen. Und sie ist gerne mit Menschen zusammen. Viele Menschen. Fünf inzwischen erwachsene Kinder hat sie großgezogen.

„Die Mutter der Nation hat mich Pastor Junk genannt“, sagt sie und lacht. „Ich konnte mit dieser Rolle gut leben.“ Immer ansprechbar, immer da. Pfarrer Junk, der in diesem Jahr im Alter von 82 Jahren verstorben ist, wusste das. Vor allem aber kannte er ihren tiefen Glauben und die Ungezwungenheit, mit der sie ihn lebt.

Beim ersten Weg auf den Kreuzberg war sie Maria. Ein Bekannter spielte Josef. Ihr eigenes sechs Monate altes Kind, Noah, legte sie als Jesuskind in die Krippe.

„Ich habe mich sehr geehrt gefühlt“, sagt sie. „So, wie ich all die Jahrzehnte in Kirche tätig war und bin, habe ich mich oft wie eine ehrenamtliche Gemeindereferentin gefühlt.“ Sie könne gar nicht anders. Der Glaube habe sie von klein auf begleitet.

Sehnsucht nach Glauben außerhalb der Kirchenmauern

Aber es habe Zeiten gegeben, in denen Kirche es ihr schwer gemacht hat. Die Trennung von ihrem ersten Mann, vor mehr als 30 Jahren stellte die Beziehung zur Kirche auf eine harte Probe. Es ging nicht um den Glauben. Sondern darum, wie man ihr begegnete, wie ausgestoßen sie sich plötzlich fühlte.

„Und trotzdem hätte ich Kirche und Glauben nicht loslassen können. Das hätte ich nicht ausgehalten. Da war so eine Sehnsucht in mir.“

Diese Sehnsucht ist geblieben. Vielleicht ist sie sogar gewachsen. Morgens meditiert sie zum Evangelium des Tages und nimmt es mit in den Alltag. Ihren Glauben lebt sie damit in der Familie vor. Das sei wichtig, sagt sie, auch für die Kinder und Enkelkinder.

Dass sie diese Sehnsucht mit anderen teilt, merkt sie am Zuspruch für die franziskanischen Weihnacht. Viele kommen, die sonst nicht in die Kirche gehen. Ebenso zu ihren Pilgertouren, die sie im Heiligen Jahr monatlich angeboten hat. „Warum kommen sie? Da ist doch eine Sehnsucht.“

Für sie ist auch klar: „Ich bin sehr für alternative Angebote außerhalb der Kirche als Gebäude. Dort erreicht man, so meine Erfahrung, auch andere.“

Unterwegs zum Kind

Wo kann Glaube beginnen und was ist eigentlich Weihnachten?

Die franziskanische Weihnacht gibt darauf von Anfang an eine Antwort. Eine einfache, fast radikale. „Wir machen uns auf zum Kind.“

In den ersten Jahren war der Aufwand minimal. Der Weg auf den Kreuzberg, ein kurzer Halt, das Weihnachtsevangelium. Um 16 Uhr beginnt der Weg an der ersten Station des Kreuzwegs. Eine kurze Einführung, jedes Jahr eine andere. In diesem Jahr wird es die Herbergssuche sein. „Wir singen ein Lied und ziehen los, angeführt vom Stern der Sternsinger.“

Drei Stationen unterwegs. Immer vorweg das Kind, das den Stern trägt. Oben, auf dem Plateau des Röbbeken, wird symbolisch ein Jesuskind in die Krippe gelegt. Manchmal ein echtes Baby, falls eines dabei ist. Alternativ eine Puppe. „Allein dieser Ort“, sagt Mechtild Kruk. „Das ist ein unglaubliches Energiefeld.“

Gemeinschaft, Stille und Neubeginn

Inzwischen bleiben die Menschen länger oben an der Hütte des Sauerländischen Gebirgsvereins, die sich auf dem Röbbeken befindet. Zwei Feuerschalen werfen warmes Licht auf den Platz, organisiert vom ersten und heute 24-jährigen Jesuskind Noah. Es gibt Glühwein, Punsch, einfache Fladenbrote. Relinde sorgt für ein schönes Ambiente mit Lichteffekten. Dazu kommen Blasmusik, Gitarrenklänge. Mechtilds Tochter Anna singt. Yvonne, Mitorganisatorin und ausgerechnet Hebamme, liest die Weihnachtsgeschichte. Alle beten das Vaterunser. Dann Stille. Einklang. „Manche sagen mir hinterher, sie müssten jetzt gar nicht mehr nach Hause“, erzählt Mechtild Kruk. „Wenn sie hier noch eine Stunde sitzen dürften, wäre ihnen dies an Heiligabend genug.“

Ist Gott auf diesem Weg näher? „Ja“, sagt sie ohne Zögern. „Dieses Sich-auf-den-Weg-Machen. Das verändert etwas.“ Auch für die Kinder. Draußen seien sie erstaunlich andächtig. Sie würden immer mit einbezogen.

„Wir fühlen uns ein bisschen wie die Hirten.“ Die Hirten, den Advent, das Warten, all das greift sie unterwegs auf. In diesem Jahr wieder ganz klassisch mit der Herbergssuche. „Es ist gut, das Pure immer wieder hervorzuholen.“ Gott spürt sie am stärksten in der Natur. „Wenn ich draußen bin, weiß ich, er ist da.“

In der Familie sei Ostern das größere Fest. Aber Weihnachten bleibe ein Anfang. Ein Neubeginn. Gott wird Mensch und kommt den Menschen nahe. Draußen, auf dem Weg zur Krippe, werde das viel erfahrbarer, was dies heißt.

Klarer. Unmittelbarer. Fast so, als ginge Gott selbst ein Stück mit.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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