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© Besim Mazhiqi
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Ein lebendiger Dom, zugänglich für alle Menschen

Erzbistumskalender 2024: Trotz seiner monolithischen Anmutung ist der Hohe Dom St. Maria, St. Liborius, St. Kilian zu Paderborn das Ergebnis fortwährender Umgestaltungen

Er ist überragend: Mit seiner Höhe von 93 Metern ist der romanische Westturm des Hohen Doms das Wahrzeichen von Stadt und Erzbistum Paderborn. Allein das Doppelkreuz auf der Turmspitze misst fünfeinhalb Meter!

Karsten Stahl, Architekt und als Leiter der Abteilung „Zentrale Immobilien“ im Erzbischöflichen Generalvikariat unter anderem zuständig für den baulichen Erhalt des Hohen Doms, freut sich sehr, dass für den Erzbistumskalender 2024 ein Foto mit außergewöhnlicher Perspektive ausgewählt wurde. „Den Blick hinauf zum Turm des Doms kennen alle. Aber das Bild über das Abschlusskreuz hinab auf die Stadt ist wie durch die Augen der Wanderfalken gesehen, die auf unserem Domturm brüten.“

Während der Turm in seiner Grundsubstanz annähernd 800 Jahre auf dem Buckel hat, ist das Turmkreuz deutlich jüngeren Datums. Wann genau das Kreuz entstanden ist, kann selbst Domkenner und Architekt Stahl nicht eindeutig beantworten. Drei Entstehungszeiten bieten sich an. 1889 erhielt der Dom nach einem Brand den achtseitigen, spitz zulaufenden Turmhelm und damit auch sein typisches Aussehen. Zuvor bestand der Turmabschluss aus einem schlichten Satteldach. Ebenfalls denkbar ist, dass das Turmkreuz 1930 oder kurz danach entstanden ist oder zumindest in dieser Zeit stark verändert wurde. Die beiden Querbalken zeigen nämlich an, dass es sich bei der Kirche um die Zentralkirche eines Erzbistums handelt – und dazu wurde die Diözese Paderborn erst durch die Lateranverträge des Jahres 1929 und durch das Preußenkonkordat des Jahres 1930 erhoben. Zuletzt ist eine Entstehung des Kreuzes in der Nachkriegszeit denkbar, schließlich war der Dom bei den Bombenangriffen der Alliierten im Jahr 1945 komplett ausgebrannt. Womöglich stimmt jede Erklärung für sich: die Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts, die Veränderung in den 1930er-Jahren und eine Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Repariert und neu vergoldet

„Heute gibt es derartige Unsicherheiten zum Glück nicht mehr“, sagt Karsten Stahl. „Heute wird alles dokumentiert, und oberste Prämisse im Denkmalschutz ist der Substanzerhalt. Das gilt selbst für bau- und kunstgeschichtlich nicht ganz so wertvolle Teile des Doms.“ Daher wurde im Zuge der Turmsanierung in den Jahren 2017 und 2018 das damals höchstens 130 Jahre alte Kreuz zuerst aufwendig repariert und anschließend neu vergoldet.

Nicht allein an der Turmspitze befinden sich uralte und weniger alte Dinge in direkter Nachbarschaft. „Der Dachstuhl aus Stahl, die Beleuchtung, die Elektrik … das gesamte Kirchengebäude ist ein Zeugnis von Veränderung“, erklärt Karsten Stahl. „Zu jeder Zeit mussten Dinge repariert werden, auch hat jede Zeit versucht, den Dom mit ihrer Gegenwart anzufüllen. Nur in einem lebendigen Gebäude gibt es einen lebendigen Glauben.“

Aktuell lautet das Ziel, möglichst große Teile des Doms allen zugänglich zu machen, auch Menschen mit Gehbehinderung. Der Turmhelm in luftiger Höhe bleibt das Reich der Wanderfalken. In der Tiefe liegen die ältesten Gebäudeteile, und bei Eingriffen in die mittelalterliche Originalsubstanz zeigt sich der Denkmalschutz besonders streng. „Für jedes Dübelloch brauchen wir das Okay der Denkmalschutzbehörde“, sagt Karsten Stahl. „Und das ist auch in Ordnung. Wir wollen ja nicht nur den Glauben, sondern auch unsere Kulturgüter an künftige Generationen weitergeben.“

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