Der Blick auf die kirchliche Statistik für 2024 bleibt gleichwohl zunächst ernüchternd: Die Zahl der Kirchenaustritte im Erzbistum Paderborn ist zwar im zweiten Jahr nacheinander leicht rückläufig (Vorjahr: 21.667). Doch liegt die Gesamtzahl der Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum mit 1.292.435 Menschen erstmals unter der Marke von 1,3 Millionen. „Diese Entwicklung bleibt für uns als Kirche nicht nur in dieser abstrakten Summe erschütternd“, unterstreicht Generalvikar Monsignore Dr. Michael Bredeck. „Die Kirche ist die Gemeinschaft all derer, die mit ihrer Taufberufung das Leben der Kirche gestalten. Hinter jedem einzelnen Austritt steht somit ein Mensch, der unserer Kirche zuvor sein Gesicht gegeben hat und nun fehlt.“
Die Gründe für einen Kirchenaustritt sind individuell und somit vielfältig. Der frühere Umgang der katholischen Kirche mit sexualisierter Gewalt sei nach wie vor für viele ein Grund, die Kirche zu verlassen, macht Generalvikar Thomas Dornseifer deutlich: „Wir haben als Kirche Vertrauen verloren, bei vielen Gläubigen, aber insbesondere auch bei Menschen, die sexualisierte Gewalt erlitten haben. Die Aufarbeitung bleibt eine besondere Verantwortung und behält weiter oberste Priorität.“
Aufmerksam zuhören
Wie schon in den Jahren zuvor zeichne sich zudem weiter ab, „dass Menschen in der kirchlichen Botschaft keine Anknüpfungspunkte mehr für ihr persönliches Leben sehen“, führt Generalvikar Dornseifer weiter aus. „Wir müssen die Kirche wieder als eine Heimat erlebbar machen, deren Herz die Gemeinschaft ist, in die jede und jeder Getaufte sich mit seinen Fähigkeiten einbringen kann“, betont Generalvikar Dornseifer und ergänzt: „Die Frohe Botschaft bietet grundlegende Antworten auf existenzielle Fragen, die Menschen in ihrem Leben bewegen.“ Das Evangelium sei jedoch keine Botschaft, die mit dem moralischen Zeigefinger verkündet werden dürfe, ergänzt Generalvikar Dr. Bredeck: „Menschen wollen mit ihren Anliegen und Bedürfnissen in ihrem Alltag ernst genommen werden. Wir müssen als Kirche neu lernen, aufmerksam zuzuhören.“
Die Weitergabe des Glaubens zu sichern, sei keine neue Herausforderung. „Wir sind als Kirche eingebettet in eine lange Tradition, in der Christinnen und Christen in der Nachfolge Jesu gelebt haben. Der Grund unserer Hoffnung war, ist und bleibt Jesus. Diesen Grund als Lebens-Fundament anzubieten, bleibt unsere Aufgabe – gerade dann, wenn Kirche und Glaube kritisch angefragt werden“, fasst Generalvikar Dr. Michael Bredeck zusammen.