Können Sie sich das vorstellen, liebe Hörerinnen und Hörer? Sie gehen auf den Markt und werden am Gemüsestand gefragt: „Ist Jesus Christus denn nun Gottes Sohn oder ist er nur ein vergöttlichter Mensch?“
Heute kann man über fast alles reden und streiten. Nur: Religion gehört eher in die Tabuzone. Es hat tatsächlich Zeiten gegeben, da war der Glaube mit seinen Inhalten Marktgespräch. Überall wurde die Frage diskutiert, ob Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist – oder eben nicht. Ein Priester namens Arius hatte Letzteres Anfang des 4. Jahrhunderts behauptet und damit die junge Christenheit gespalten. Die Frage wurde heftig erörtert. Es wurde gestritten, ja sogar gekämpft.
Daran erinnert ein Jubiläum, das es in diesem Jahr unter den Christen zu feiern gilt: vor 1700 Jahren kam eine große Kirchenversammlung zusammen in dem kleinen kleinasiatischen Städtchen Nizäa, nahe Istanbul gelegen. Kaiser Konstantin, der mächtige Herrscher des Römischen Reiches, hatte dazu alle Bischöfe seines Herrschaftsbereiches zusammengerufen. Es ging genau um diese grundsätzliche Frage: Ist Jesus Christus wirklich Gottes Sohn oder ist er nur ein vergöttlichter Mensch?
Man mag heute fragen, warum solche alten Streitigkeiten uns heute noch interessieren müssen? Die Antwort ist: Damals wurden Weichen gestellt, die für die 2,4 Milliarden Christen auf dem Erdkreis bis heute wichtig und leitend sind: Jesus ist Gottes Sohn und wenn er es nicht wäre, wäre er bloß ein großer Lehrer. Aber davon gab es viele.
Unser Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat das vor einiger Zeit in einem Interview anschaulich gemacht: