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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn

Die Kinder lieben die Regenbogenfarben

Die Himmelstreppe am Hennedamm in Meschede ist ein Ort von besonderer Spiritualität

Ins geweihte Erdreich unter der Kirche geben

Gemeindereferentin Ute Strobel führt eine Gruppe Erstkommunionkinder durch Sankt Peter und Paul in Herne. Die Kinder gehen etwas schüchtern durch den neugotischen Bau. Das gibt sich aber, als sie in einem der Fenster im Mittelschiff das Kind mit dem Teddybär entdecken. Lebhaft diskutieren die Kinder, ob Bilder von Kuscheltieren in einer Kirche angebracht sind. Ute Strobel erzählt den Kindern, dass es sich bei dem Fenster um ein Werk des Glaskünstlers Jupp Gesing handle, das bei der Erneuerung der Fenster Mitte der 1980er-Jahre entstanden sei, und dass Kinder in der Kirche natürlich ihren Platz hätten, zuallererst das Jesuskind. Trotzdem ist die Gruppe auch nach der Erklärung noch aufgekratzt. Bis Ute Strobel die Kinder hinter den Altar führt und auf ein unspektakuläres Loch im Boden deutet. Dann erzählt sie, was bei der Wandlung passiert: dass sich das Brot in den Leib des Herrn verwandelt und der Wein in sein Blut. Dass dies für jeden heruntergefallenen Krumen und jeden verschütteten Tropfen gilt. Und dass etwas Göttliches nicht einfach weggeworfen oder in die Kanalisation gekippt werden darf, sondern erst in Wasser aufgelöst und dann durch den heiligen Ausguss oder das Sakrarium ins geweihte Erdreich unter der Kirche gegeben wird.

Die Bergleute wären füreinander durchs Feuer gegangen

Nach der Vorbereitungsstunde rennen die Kinder johlend zu den wartenden Eltern und zerren sie begeistert vors heilige Loch. „Das Sakrarium zieht immer“, sagt Ute Strobel mit einem Lachen. „Es mutet erst kurios an, aber auf den zweiten Blick wird alles logisch und verständlich.“

 

Die Vorbereitung auf die Erstkommunion ist nur eine unter vielen Aufgaben der Gemeindereferentin, wie die Sakramentenpastoral auch nur einen kleinen Teil der Aktivitäten in Sankt Peter und Paul ausmacht. Früher lebte das Viertel Börnig-Sodingen, ja die ganze Stadt Herne von der Kohle. Auch in Ute Strobels direktem Umfeld gibt es Menschen, die noch „vor Kohle“ gearbeitet haben, wie es in der Fachsprache der Bergleute heißt. Die Arbeit unter Tage bedeutete Hitze, Anstrengung und Gefahr. „Aber die Bergleute wären füreinander durchs Feuer gegangen“, bringt es Ute Strobel auf den Punkt. Nach dem Ende des Bergbaus mussten sich alle umorientieren. Manche Bergleute hatten es leicht und fanden in anderen Wirtschaftszweigen Arbeit, andere kamen mit der neuen Berufswelt weniger gut zurecht. Auch wenn sich die Stadt Herne entwickelt hat und neue Arbeitsplätze etwa im Gesundheitswesen entstanden sind, gibt es immer noch Armut und Perspektivlosigkeit.

Materielle Bedürftigkeit und spirituelle Not

Der Strukturwandel im Ruhrgebiet prägt auch das Gemeindeleben unter dem Backsteinturm von Sankt Peter und Paul. Viele Menschen sind auf Tafeln und Kleiderkammern angewiesen. Genauso groß wie die materielle Bedürftigkeit ist oft die spirituelle Not der Menschen. Die Gemeinde Sankt Peter und Paul versucht, beiden Bedürfnissen gerecht zu werden. „In der Corona-Zeit war das nicht leicht“, räumt Ute Strobel ein. Es entstand aber auch viel Neues. Chorleiter Johannes Rau, im Übrigen weder verwandt noch verschwägert mit dem früheren Landesvater, nutzte die Kirche Sankt Peter und Paul als Ablageort für Notenblätter, die Chorproben fanden online statt. Die kirchliche Kleiderkammer wurde so organisiert, dass Kleidung kontaktlos übergeben wurde. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder verteilten Ostertüten. Dass die Heilige Erstkommunion in Kleingruppen vom April bis in den Herbst stattfand, war für Ute Strobel besonders schön: „Wir hatten wochenlang Kinderlachen und glückliche Eltern in der Kirche.“

Das Kalenderbild

© Besim Mazhiqi / Shutterstock.com
Dekanat Emschertal +++ St. Peter und Paul, Herne

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