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© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
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Das Leiden Christi mittragen

Zweiter Teil des österlichen Triduums: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz nimmt an Mendener Kreuztracht teil. Anschließend folgt die bewegende Karfreitagsliturgie und der Stille Umgang im Paderborner Dom

Der Karfreitag steht im Zeichen des Kreuzes. Christinnen und Christen gedenken an diesem Tag in besonderer Weise der Passion und des Sterbens Jesu. Die eindrucksvolle Liturgie im Paderborner Dom umfasste daher gemäß der Tradition die feierliche Verkündigung der Johannespassion, die sogenannten Großen Fürbitten, in denen für die Kirche, die Welt und alle Menschen gebetet wird und die Kreuzverehrung. Außerdem versammelten sich im Gedenken an den Leidensweg Jesu zahlreiche Menschen zu sogenannten Kreuztrachten – so auch in Menden im Sauerland.

Jahrhundertealte Kreuztracht prägt den Karfreitag im Sauerland

In Menden begannen bereits am Gründonnerstagabend die ersten von insgesamt 32 Kreuztrachten, die noch bis zum Morgen des Karsamstags stündlich stattfinden sollen. Seit dem 17. Jahrhundert ist die besondere Form der Prozession bezeugt. Höhepunkt war am Karfreitagmorgen die Hauptprozession, an der auch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz teilnahm.

In der Hauptprozession trug ein anonym bleibender Christusdarsteller das Kreuz von der St.-Vincenz-Kirche entlang des traditionellen Fußfallweges zum Kapellenberg und zurück. Begleitet wurde er von einem Simon von Cyrene-Darsteller sowie von zahlreichen Gläubigen.

Eine der Stationen war das St. Vincenz-Altenzentrum, wo Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz den Bewohnerinnen und Bewohnern den Segen spendete.

Die Karfreitagsliturgie: das Leiden Jesu

So wie das Abendmahlsamt am Gründonnerstag ohne Segen und mit einem stillen Auszug endete, begann auch die Liturgie am Nachmittag des Karfreitags in aller Stille – ein Ausdruck der dreitägigen Liturgie, die die Abendmahlsfeier an Gründonnerstag, die Feier vom Leiden und Sterben Christi an Karfreitag und die Osternacht an Ostersamstag miteinander verbindet. Gemeinsam mit den liturgischen Begleitern zog Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in Stille vor den Altar, wo er sich „zu Boden warf“ – ein Zeichen der Demut angesichts des Leiden Jesu.

Einer der eindrucksvollen Höhepunkte der Karfreitagsliturgie war auch in diesem Jahr wieder die Darbietung der Johannespassion. Gesungen in verschiedenen Rollen, erzählt sie zunächst von der Gefangennahme Jesu, vom Verrat Judas und der Verleugnung durch Petrus. Mit dem Bericht über die Überstellung zum römischen Statthalter Pontius Pilatus, den Spott der Menge und die Verurteilung zur Kreuzigung bewegte sich die Johannespassion dann auf ihren erschütternden Höhepunkt zu. Jesus trägt sein Kreuz zur Schädelstätte (Golgotha). Dort wird er zwischen zwei anderen gekreuzigt. Über ihm hängt die Tafel: „Jesus von Nazaret, König der Juden“. Während der Kreuzigung steht Maria, seine Mutter, unter dem Kreuz. Jesus vertraut sie dem „Lieblingsjünger“ an – ein Symbol für die entstehende Kirche. Danach spricht er die Worte: „Mich dürstet.“ und schließlich: „Es ist vollbracht.“

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
In der Karfreitagsliturgie wurde auch die Johannespassion in verteilten Rollen vorgetragen – mit einem Evangelisten, der die Erzählung las, einer Person, die die Worte Jesu sprach, und weiteren Personen für die übrigen Rollen.

Die Kreuzanbetung

Der Passionsgeschichte schlossen sich die Großen Fürbitten, in denen für die Kirche, die Welt und alle Menschen gebetet wird, und die Kreuzverehrung an. Das zunächst verhüllte Kreuz wurde schließlich enthüllt – ein Zeichen dafür, dass Jesus nun am Kreuz gestorben und sein Tod vollzogen ist. Zur Anbetung des Kreuzes erhoben sich die Gläubigen im Paderborner Dom und zogen der Reihe nach aus ihren Bänken hin zum Kreuz.
Wie auch der Einzug in dem Paderborner Dom erfolge der Auszug in Stille. Lediglich das Klappern der Ratschen als Ersatz für die verstummten Kirchenglocken war zu vernehmen.

© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Zur Kreuzverehrung verlassen die zahlreichen Gläubigen im Paderborner Dom ihre Plätze und schreiten gemeinsam nach vorne.

Stiller Umgang

Am Abend des Karfreitags kamen die Gläubigen im Paderborner Dom zum Stillen Umgang zusammen. Erzbischof Dr. Bentz erklärte in seinen einleitenden Worten:  „Jetzt versammeln wir uns noch einmal, um zu hören und darüber nachzudenken, was dieser Tag für uns heißt. Es ist gut, dass wir gemeinsam ‚unterwegs‘ sind. Dass wir den Weg Jesu mitgehen und darin erkennen: Er geht den Weg mit uns.“

Der Sündenbock

In seiner Predigt warf der Erzbischof einen Blick auf  eine „ganz eigene Dynamik“ innerhalb der Geschichte der Passion: „In diesen Erzählungen, egal ob nach Matthäus oder Johannes – da ist etwas erkennbar: Da rotten sich welche zusammen: In der Auseinandersetzung um die Schuld Jesu wurden aus Herodes und Pilates Freunde, das waren sie nie.“ Ein Satz in der Johannespassion habe ihn besonders aufmerksam zurückgelassen: „Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt.“ Einer habe den Kopf hinhalten müssen, folgert der Erzbischof: „Das war schon immer so. Einer wird zum Sündenbock, damit alle anderen sich einig sein können.“ Dieser psychologische Mechanismus habe etwas Archaisches an sich. Dass das auch heute funktioniert zeige, wie dünn unsere Kulturdecke sei, knüpft der Erzbischof an die Predigt des Vortags an. „Wir fallen immer wieder in die gleichen Verhaltensmuster“, mahnt der Erzbischof. Plakativ könne man sagen. „Nichts eint mehr als der gemeinsame Feind.“ Doch sei dies nur ein Mechanismus, die eigene Schuld von sich zu weisen: „Man zeigt mit dem Finger auf einen Menschen und übersieht, dass in diesem Moment drei Finger auf einen selbst zeigen“, erklärt der Erzbischof. Ein Phänomen, das unsere Gesellschaft in allen Belangen betreffe. Im Vergleich zu Jesus, den man zum Sündenbock machte, und der alle Schuld auf sich nahm, gebe es einen Unterschied: Während man im Selbstverständnis Jesu die eigene Schuld bekannt hat, verdrängt man heute die eigene Schuld.

Ein mitleidender Gott

Doch was habe Jesus zum Sündenbock gemacht, fragt der Erzbischof. Er habe gestört, indem er Barmherzigkeit zeigte und gerecht war. Er war Hoffnungsträger der einen und Dorn im Auge der anderen. Er habe die gewohnte Ordnung „durcheinandergebracht“, löst Erzbischof Dr. Bentz auf. Mit der Auferstehung habe er einmal mehr die Maßstäbe „gesprengt“. Für den jedoch, der die Hoffnung auf Jesus gesetzt habe, würde sich mit der Auferstehung eine neue Dimension der Hoffnung öffnen. Und während Gott selbst nicht leiden könne, so könne er „mitleiden“. Erzbischof Dr. Bentz fasst zusammen: „Im Tod nimmt Jesus all das mit als ‚Sündenbock‘. Dann kommen diese neue Hoffnung und der Trost eines mitleidenden Gottes. Dieser Trost reicht über den Tod hinaus und sprengt all unsere Vorstellungen, die wir von Gott bisher hatten.“ Das sei das Entscheidende: „Dass uns von Außen eine Hoffnung gegeben wird, die wir uns selbst nicht geben können – die größte Hoffnung, die der Mensch hat. Eine Hoffnung trotz allem.“

Kreuztracht:

Die Kreuztracht ist eine besondere Form der christlichen Prozession, bei der Gläubige das Kreuz als Symbol für das Leiden und Sterben Jesu Christi mittragen oder begleiten. Sie findet vor allem am Karfreitag statt – dem Gedenktag der Kreuzigung Jesu – und ist Ausdruck tiefer Frömmigkeit und Nachfolge. Häufig wird die Prozession durch Darsteller biblischer Figuren wie Christus, Simon von Cyrene oder römischen Soldaten begleitet.

Wer war Simon von Cyrene?

Simon von Cyrene wird in den Evangelien als der Mann beschrieben, der Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung das Kreuz ein Stück weit tragen musste. So heißt es im Markusevangelium: „Und sie zwangen einen, der vorüberging, Simon von Cyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage.“ Obwohl ihn die römischen Soldaten zwangen, wurde Simon von Cyrene zu einem Symbol für Mittragen, Mitgefühl und Nachfolge.

Stiller Umgang:

Der sogenannte „Stille Umgang“ am Abend des Karfreitags schließt sich an die Liturgie vom Leiden und Sterben Christi und schlägt die Brücke zwischen Tod und Auferstehung – sie führt vom Karfreitag in das stille Warten des Karsamstags, dem Tag der Grabesruhe Christi.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Isabella Maria Struck
Text

Isabella Maria Struck

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