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Damit Trauer einen Ort hat

Themenspecial "Große Pläne": Heilig Kreuz-Kirche in Siegen-Weidenau wird Kolumbariumskirche.

Themenspecial “Große Pläne”: Heilig Kreuz-Kirche in Siegen-Weidenau wird Kolumbariumskirche

Wer zukünftig die Katholische Kirche Heilig Kreuz in Siegen-Weidenau betritt, geht zuerst über den Friedhof, um dann den Abendmahlssaal zu erreichen. Ein Weg, der die Frohe Botschaft des Glaubens symbolisiert: vom Tod zum Leben. Der Umbau zur Kolumbariumskirche soll im Frühjahr 2021 abgeschlossen sein. Gleichzeitig entstehen im Eingangsbereich der Kirche Räume für die Trauerpastoral. Der bisherige Altarraum wird zum Gottesdienstraum umgestaltet.

„Beim Prozess der Änderung ist die Gemeinde intensiv mitgenommen worden. Die Menschen hier vor Ort durften mitentscheiden und somit wird das Projekt von – fast – allen getragen. Manche sind sogar schon ein wenig ungeduldig“, erklärt Gemeindereferentin Irmtrud von Plettenberg, die mit großer Erwartung und Vorfreude auf ihren neuen Arbeitsplatz blickt. Sie leitet zum einen die Trauerpastoral „Heilig Kreuz“. Ihre zweite Aufgabe liegt im neu entstehenden Geistlichen Zentrum St. Franziskus an der Eremitage Wilnsdorf.

60-jährige Tradition

Seit 60 Jahren ist die Heilig Kreuz-Kirche ein Glaubensmittelpunkt in Weidenau. Eine starke Überalterung der Gemeinde und rückgehende Kirchenbesucherzahlen in der Diaspora Siegerland erforderten, über die Veränderung des Kirchengebäudes nachzudenken. Natürlich falle es dem einen oder anderen Gläubigen auch schwer, denn sie wüssten, dass es nach dem Umbau nicht mehr ihre alte Kirche sei. Gleichermaßen gebe es ein großes Interesse auch aus den Nachbargemeinden am Kolumbarium und der Trauerpastoral, berichtet Irmtrud von Plettenberg.

„Ökumene ist hier im Siegerland selbstverständlich“, freut sich die Gemeindereferentin über das gute Miteinander. Während der Umbauphase wird die katholische Gemeinde die Heiligen Messen am Sonntag in der evangelischen Kirche Weidenau feiern. Die Gottesdienste an den Werktagen finden im eigenen Pfarrheim statt.

Irmtrud von Plettenberg vor den Modell der Urnengräber, die in der blauen Farbe auf die hinteren Kirchenfenster abgestimmt sind. (Foto: Ronald Pfaff)

1250 Urnenplätze in Planung

„Jeder, der mit einem christlichen Ritus beerdigt werden möchte, findet im Kolumbarium einen Platz. Bei Trauergesprächen spielt die Konfession jetzt schon keine Rolle“, so Irmtrud von Plettenberg. Der Blick auf die Pläne lässt die künftige Struktur erkennen, aufgestellte Musterkammern des Kolumbariums verdeutlichen bereits das Vorhaben. Die blauen Töne der Kirchenfenster an der Orgelbühne haben den Gestalter inspiriert.

Beim Betreten der Kirche wird jedoch der Blick auf die „Kathedralwand“ im bisherigen Chorraum prägend sein. Gleich im Eingangsbereich befinden sich die Räume der Trauerpastoral, es folgt das Kolumbarium. Man kann zwischen Einzel-, Doppel- oder Dreier-Urnengräbern wählen. 1250 Urnenplätze sind geplant. Die Ruhezeit beträgt 15 Jahre.

Der Name der Verstorbenen sowie seine Lebensdaten können an den Kammern vermerkt werden. Wer mag, kann auch ein Symbol anbringen lassen. „Das ist wichtig für den Trauerprozess“, bestätigt Irmtrud von Plettenberg. Blumen und „Stehrümchen“ sind hier jedoch nicht erwünscht. Am Eingang wird ein Touchscreen angebracht, über den die Besucher die Urnengräber ausfindig machen können.

Unbedachte ein Anliegen

„Wichtig war uns, dass wir auch den Unbedachten einen Raum geben. Einen Ort, an dem auch diese Verstorbenen willkommen sind. Es ist mir ein Anliegen, eine warme Atmosphäre für diese Menschen zu schaffen.“

Nach dem Kolumbarium gelangt man schließlich durch eine große Tür in den Gottesdienstraum. Der Zugang ist barrierefrei, 150 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Stühle und auch das Ambo sind je nach Anforderung beweglich. Eine kleine, elektronische Orgel ersetzt die große „Königin der Instrumente“. Das kleinere Auferstehungskreuz aus dem bisherigen Seitenaltar wird das neue Altarkreuz.

Trauerbegleiter eine Art Schleusenwärter

Die Trauerpastoral für die „Heilig Kreuz“ ebenfalls ein Ort sein wird. Sie ist Begleitung, aber auch Einladung zum Gespräch in schweren Lebenssituationen. Kennenlernen, begleiten und ermutigen sind für Irmtrud von Plettenberg die drei Schlagworte in der Trauerbegleitung: „Achtsam sein für all die Zeichen auf dem Weg der Trauer.“ Trauerpastoral habe viel mit Begegnung zu tun und erfordere besonders ehrliche Gespräche. Trauerbegleitung und Beerdigungen seien heute etwas ganz Wichtiges, da viele Rituale fehlen würden. Es sei eine Form von Schleuse, wo der Trauerbegleiter ein Schleusenwärter sei, findet Irmtrud von Plettenberg eine passende Metapher aus dem Buch „Trauer erschließen – eine Tafel der Gezeiten“ von Rutmarijke Smeding.

Die Gemeindereferentin bietet die Trauerpastoral bisher in der Eremitage Wilnsdorf. Sechs bis zehn Gespräche können es dann am Tag schon mal werden. „Wichtig ist es, den Menschen wert zu schätzen: Ihm einen Raum geben und sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu drängen. Man muss auch erkennen, dass Trauer wehtun kann. Oft ist es wie Ebbe und Flut – mal weniger, mal heftiger“, sagt Irmtrud von Plettenberg, die Frauen und Männer schult, solche Gespräche auch führen zu können.

Schulung für Interessierte

Wer kann ehrenamtliche Trauerarbeit leisten? Menschen, die offen sind und sich für die Geschichte der anderen Menschen interessieren. Man müsse den Verstorbenen einen Platz geben und ermutigen, dass man auch trauern dürfe. Ein Kreis von acht Leuten hat sich gebildet, die von Plettenberg unterstützt schon jetzt auch auf Friedhöfen präsent sind.

„Ich habe mich sehr bewusst dafür entschieden, eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen“, so Irmtrud von Plettenberg. Denn in ihrem Leben habe sie die Erfahrung gemacht, dass man ihr eigene Trauer absprechen wollte. Sie könne die Gespräche gut verkraften und nehme sich die Emmaus-Jünger als Beispiel: „Ich begleite die Trauernden, aber ich bin nicht die, die leidet. Nach jedem Gespräch habe ich das Ritual, eine Kerze anzuzünden und damit das  PROBLEM an Gott abzugeben.“

Hintergrund:

Nach einem dreijährigen Beratungsprozess wurden aus den bisherigen Gemeinden und Pastoralverbünden in Siegen drei Pfarreien gebildet. Die Pfarrei Christkönig besteht aus den Gemeinden St. Peter und Paul, St. Marien Eiserfeld und St. Liborius Niederschelden sowie den Filialgemeinden Heilig Geist in Seelbach und St. Lukas auf dem Fischbacherberg. Die bisherigen Gemeinden St. Michael, St. Marien Siegen-Oberstadt und St. Bonifatius Kaan-Marienborn bilden nun die Pfarrei St. Johannes der Täufer. Zur Pfarrei „Heilige Familie“  gehören: St. Joseph und Heilig Kreuz in Weidenau, St. Marien Geisweid-Wenscht und auch St. Marien Freudenberg. Zusammen bilden die drei Pfarreien den Pastoralen Raum unter der Leitung von Dechant Karl-Hans Köhle mit rund 25 000. Katholiken.

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