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Bricht die Jugend weg, ist auch die Kirche weg

Auf eine Kaffeelänge mit Esther Göcke

Auf eine Kaffeelänge mit Esther Göcke

Innerhalb unserer Reihe „Auf eine Kaffeelänge mit …“ treffen wir uns regelmäßig mit einer Person aus dem Erzbistum Paderborn. Einzige Vorgabe der Zusammenkunft: Das Treffen endet, sobald die Kaffeetasse geleert ist. Diesmal haben wir uns mit Esther Göcke getroffen, seit 20 Jahren Dekanatsreferentin für Jugend und Familie im Dekanat Südsauerland.

Es sei schon irgendwie kurios, dass sich in den vergangenen Wochen und Monaten öfters die Frage ergeben habe, wie lange sie in ihrem Beruf tätig sei. „Tatsächlich ist das ein Thema für mich“, sagt Esther Göcke. Denn in den letzten Jahren habe sich viel verändert. Durch die größeren pastoralen Räume, die aktuellen Themen in der Kirche und die Jugend selbst und deren Lebenswirklichkeit. All das habe eben auch ihre Arbeit verändert. „Neulich ist ein Mädchen auf mich zugekommen, das mit Zukunftsfragen rang, nicht wusste, wo der Weg hingehen soll. Die Frage hat mich früher auch beschäftigt, da kann ich andocken. Aber da gibt es noch die andere Seite. Jugendliche ticken heute anders, haben andere Werte, Bilder, Vorstellungen.“

Ein Grund mehr als zehn Euro von der Oma

Esther Göcke hat Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Paderborn studiert. Wollte in ihrem Beruf mit Menschen arbeiten. Dadurch, dass sie schon immer in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv war und vielleicht auch, weil es der Zufall ein bisschen so wollte, wurde sie Dekanatsreferentin für Jugend und Familie. Zunächst im Dekanat Elspe. Dann im Dekanat Südsauerland, das 2006 aus den Dekanaten Elspe, Attendorn und Olpe entstand und deckungsgleich ist mit dem Kreis Olpe. Hier sind 62 Pfarrgemeinden in sieben Pastoralverbünden zusammengeschlossen.

In Zeiten, in denen pastorales Personal genauso weniger werde wie diejenigen, die Interesse an kirchlicher Jugendarbeit hätten, seien Stellen wie ihre als „Anlaufstellen mit Fokus“ unverzichtbar, sagt Esther Göcke. „Jugend muss in der Kirche eine Stimme haben. Wenn sie wegbricht, ist die Zukunft der Kirche weg“, sorgt sie sich darum, Jugend heute wirklich zu erreichen. „Ich sehe uns als Anwälte und Lobbyisten, die sagen: Hey, es darf nicht nur geschaut werden, ob die Pfarrgemeinderäte und andere Gremien besetzt werden, wir müssen sehen, wie wir einen Zugang zur Jugend bekommen.“

Gerade in ländlichen Räumen wie dem Kreis Olpe gelte es, die Chancen zu nutzen. Hier sei die Kirchenbindung  ungleich größer als beispielsweise in säkularisierten Städten. Die meisten Jugendlichen beispielsweise gingen noch zur Firmung, sei es wegen der zehn Euro von der Oma oder einfach nur, weil man dazu gehören wolle. „Trotz aller Strömungen bin ich sicher, dass es die Sehnsucht nach Orientierung und Eingebundensein gibt. Und punktuell gelingt es uns auch, junge Menschen für Glauben und Kirche zu gewinnen. Die Frage, die wir uns immer wieder stellen müssen, ist: Wie können wir gestalten, dass es für Mitarbeiter wie für die Jugend leistbar ist und so anspricht, dass der Funke überspringt.“

Die Versöhnung

Esther Göcke ist gespannt. Gespannt darauf, wie es trotz, mit und auch nach Corona weitergeht. Weil so viel brach lag und noch liegt, ungeachtet aller kreativen Dinge, die man sich hat einfallen lassen. „Wir wünschen uns so sehr, dass die Kinder und Jugendlichen wiederkommen. Dass die Leiter einen Motivationsschub erleben.“ Einen Anknüpfungspunkt sieht sie in der „Nacht der Versöhnung“, die vor mehr als dreißig Jahren als Angebot für Jugendliche begann, längst aber alle Generationen anzieht. In diesem Jahr vor Weihnachten kann sie nicht an ihrem traditionellen Ort, im Mutterhaus der Olper Franziskanerinnen, stattfinden. Dort wird im großen Stil renoviert. „Wir überlegen nach Altenhundem in den Jugendhof Pallotti zu gehen. Wer weiß, was sich daraus entwickelt. Vielleicht werden wir auch immer wieder an andere Orte gehen. Jetzt haben wir die Chance durch äußere Umstände. Vielleicht gibt es einen Neustart, neue Impulse, neue Energien.“ Esther Göcke hofft, dass es gelingt. Denn die „Nacht der Versöhnung“ als Leuchtturmprojekt in der Region begleitet sie zuverlässig schon ihr ganzes Berufsleben. Mit Strahlkraft. Als Positionsbestimmung.

Birgit Engel, freie Journalistin

„Die Nacht der Versöhnung“

Wann immer sie stattfindet, und das ist jeweils vor Ostern und Weihnachten, zieht die „Nacht der Versöhnung“ einige hundert Menschen aus der ganzen Region in die Kirche des Mutterhauses der Olper Franziskanerinnen. Nach dem Bußgottesdienst gibt es Tee und Plätzchen bei den Schwestern und Zeit zum Austausch. Ihren Ursprung hat sie 1986, als unter dem Motto „Mach dich auf und werde Licht“ der Pallottinerpater Rüdiger Kiefer SAC erstmals Jugendliche zur „Nacht der Versöhnung“ in die Pallottiner-Kirche im Osterseifen in Olpe einlud. Längst erzählt sie eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte, hat sich zu einem herausragenden Event für alle Generationen entwickelt. Es sind nicht wenige, die sagen: „Damit wird das kommende Fest für mich erst zum richtigen Fest.“ Das Eingangslied aus der Feder von Silvia Greiten von der stets mitwirkenden Gruppe „Horizont“ aus Welschen-Ennest ist in seiner Eingängigkeit sozusagen zu einem Versöhnungs-Schlager avanciert: „Dies ist die Nacht der Versöhnung, dies ist der Ort der Begegnung, mit mir, mit dir, mit Gott und allen hier.“

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