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© Fabian Junge / Shutterstock.com
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Besonderes Triduum im Welterbe eine Nachlese

Zeitgemäße Liturgie bringt traditionsreichen Glaubensort zum Leuchten

„Jesus ist da. Hier in Corvey. Er geht diesen Weg für uns und mit uns.“ Was Gemeindereferent Carsten Sperling bei der Kreuzwegandacht am Karfreitag in der ehemaligen Abteikirche sagte, entsprach dem Geist, der die Welterbestätte Corvey während des Triduums 2025 erfüllte und der viele Menschen – junge wie ältere – als Gemeinschaft in Christus einte. Ihre impulsgebende, lebendige Glaubenskraft brachte diesen traditionsreichen geweihten Ort in der Osternacht im Licht des Auferstandenen wie einen hellen Stern zum Strahlen.

Die Erkenntnis ist nicht neu: Ein Projekt, eine Initiative, eine Idee braucht Begeisterte, wenn der Funke überspringen soll. Das gilt für Orte gleichermaßen. Sie leuchten nur dann, wenn Enthusiasten andere Menschen mit ihnen in Beziehung bringen und Begeisterung wecken. Ganz im Sinne von Augustinus, der im Gotteslob mit dem Aphorismus zitiert wird: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“

Mit Überzeugungstätern, die genau das schaffen, ist die Welterbestätte Corvey bei Höxter zum Glück reich gesegnet. Haupt- und Ehrenamtliche bringen Tatkraft und Leidenschaft ein, um Einheimischen und Gästen dieses Denkmal von Weltgeltung in seiner Bedeutung und Erhaltenswürdigkeit zu erschließen.

Corvey neu entdecken

Aus der Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus und dem Pastoralverbund Corvey heraus setzen auch neue Glaubensimpulse im einzigen Welterbe Westfalens Akzente. In der Heiligen Woche haben Pastor Thomas Nal, Gemeindereferent Carsten Sperling, Lektorin Maria Multhaup und die Musikerinnen und Musiker des Triduums, Yvonne Sperling, Franziska Dumke (Gesang) und Dominik Balduin (E-Piano, Orgel) viele Herzen bewegt, weil sie eine zeitgemäße musikalisch-liturgische Dramaturgie mit der mehr als tausend Jahre währenden Glaubenstradition stimmig in Einklang gebracht haben. Sodass dieser Leuchtturm am Strand der Weser mitten im (heutigen) Leben steht und seine Würde als Erbe der Menschheit trotzdem – und umso eingängiger – erlebbar wird.

Insofern bot dieses Triduum Gelegenheit, die Landmarke vor der eigenen Haustür in ihrer bekannten Ausstrahlung neu zu entdecken. Das begann schon am Gründonnerstag, als sich der Johanneschor des karolingischen Westwerks in einen Abendmahlssaal verwandelte. Was die stimmungsvolle Beleuchtung ausdrückte, fasste Carsten Sperling in Worte: Der Johanneschor sei ein Ort mit langer Geschichte. „Hier haben über viele Jahrhunderte hinweg Menschen das Leben Jesu betrachtet, seine Worte gehört und über seine Liebe nachgedacht. Heute ist dieser Ort oft still – wie ein Museum, das bewahrt, was war. Aber jetzt ist er lebendig. Jetzt feiern wir hier das letzte Abendmahl Jesu.“

Junge und ältere Menschen hatten um den Tisch des Passahmahles Platz genommen, in dessen Tradition Jesus die Jünger vor seiner Gefangennahme zum letzten Abendmahl versammelte. Auch die Ölbergstunde, in der er von Angst ergriffen zum Vater betete, wurde an diesem besonderen Ort gegenwärtig. Und am Karfreitag dann begleiteten die Gäste den Gottessohn in der ehemaligen Abteikirche auf seinem Leidensweg. Wieder gestalteten Carsten Sperling und Thomas Nal diese Stunde mit viel Symbolkraft und starken Bildern aus. Die Musik unterstrich die Tiefe dieser heiligen Zeit.

Vom Dunkel zum Licht

Zu Jesu Todesstunde schimmerte dann aber Ostern durch. Aus dem Kreuz – einem Zeichen des Todes – wurde ein Zeichen der Zuversicht und ein Zeichen des Lebens. Um dieser großen Hoffnung Ausdruck zu verleihen, verteilten Pastor Nal und Maria Multhaup Blumen an die Gäste. Damit diese sie bei der Kreuzverehrung niederlegen konnten. So entfaltete sich in der Kirche und in den Herzen der Menschen die Verheißung, dass Jesu Liebe hört nicht auf – auch nicht am Kreuz. Dass Gott stärker ist als der Tod.

Zur Vergewisserung dessen geriet die Feier der Osternacht, in der das neue Hochaltarbild mit der Osterszene erstmals ihrem Anlass, dem Hochfest, an seinem exponierten Platz von der Auferstehung Jesu kündete. Vom Tod zum Leben, vom Dunkel zum Licht – „dieser Bewegung gehen wir heute nach“, kündigte Pastor Nal zu Beginn der Osternacht an. Das Grab war leer. Der Stein, der es verschlossen hatte, weggewälzt. „Wir alle sind eingeladen, uns vom Osterlicht erhellen zu lassen und dieses Licht weiterzureichen“, lud Carsten Sperling zur Lichtfeier ein, die am Osterfeuer vor dem Westwerk begann.

„Lassen wir uns vom Auferstandenen überraschen.“

„Jesus ist auferstanden, weil Gott für uns Menschen da sein will. Weil auch unser Leben hell werden soll. Weil Gott uns liebt. Jesus ist auferstanden, und wir können zusammen mit den Jüngern neuen Mut fassen.“ Dieses gemeinschaftliche Glaubensbekenntnis mit Erneuerung des Taufversprechens vollendete die bewegende Feier des Triduums. Pastor Thomas Nal ermutigte die Menschen dazu, sich auf Überraschungen einzulassen. Diese halte Ostern – angefangen vom leeren Grab – in Hülle und Fülle bereit. Überraschungen forderten uns heraus und ließen uns keine andere Wahl als Pläne umzuwerfen. Es sei gut, so der Geistliche, erschüttert zu werden. „Sonst kleben wir am Alten und kommen nicht weiter.“

„Lassen wir uns vom Auferstandenen überraschen.“ Dazu ermutigt das Triduum in Corvey. Es hat die Menschen an den Kern des Glaubens geführt und ihnen mit dieser Rückbesinnung für alles Herausfordernde, das kommt, Kraft verliehen.

Als die Gäste sich beim Verlassen der Kirche ein frohes Osterfest wünschten, ahnten sie noch nicht, dass Papst Franziskus am nächsten Morgen mit letzter Kraft den österlichen Segen spenden und keine 24 Stunden später versterben würden. Am Ostermontag verkündete der Vatikan, dass der Pontifex ins Haus des Vaters zurückgekehrt ist. Begleitet wird er auch aus Corvey im Gebet und mit der österlichen Hoffnung, die an diesem höchsten Fest der Christenheit im Mittelpunkt steht und die der Papst uns Menschen immer, auch jetzt im Heiligen Jahr, so liebevoll ans Herz gelegt hat.

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