logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Hans Blossey / luftbild-blossey.de

„Klosterformat“: Wie Hindernis-Läufer zu Glaubens-Botschaftern werden können

Der Arnsberger Künstler Andreas Otto stellt noch bis zum 12. Oktober im Kloster Oelinghausen aus, mischt Altes mit Neuem. Und verrät, wie Bilder aus dem Schlamm-Lauf „Mud Masters“ helfen können, Glaubensbotschaften zu vermitteln.

„Klosterformat“ ist die Ausstellung im Kloster Oelinghausen überschrieben und sie läuft noch genau bis zu jenem Tag, an dem Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz genau dort seine Abschlussmesse im Rahmen des Amtssitzwechsels feiert. Andreas Otto freut sich, dass seine Ausstellung dadurch noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Auch, weil er es liebt, wo sie präsentiert wird. Oelinghausen ist für ihn ein „magischer Ort“ und vieles mehr, wie er im Interview schildert.

Redaktion

Herr Otto, würden Sie sich als gläubig bezeichnen und spiegelt sich das in Ihrer Kunst wider?

Andreas Otto

Da stellt sich zuallererst die Frage, was denn gläubig bedeutet. Ich bin katholisch, ja, ich war Messdiener, jahrelang im Pfarrgemeinderat, aber ich bin ein kritischer Katholik. Als Künstler bin ich seit Jahren mit der Katholischen Akademie in Schwerte verbunden und habe selbst schon ein paar Ausstellungen dort gemacht. Zur Verwurzelung hier in der Heimat gehört für mich auch mein Glaube. Selbst, wenn ich mal zu dem Entschluss kommen würde, aus der Institution Kirche auszutreten, wäre der Glaube immer noch da, davon bin ich überzeugt. Aber ich würde mich jetzt nicht als religiösen Künstler einordnen.

Redaktion

Was zeichnet Ihre Arbeiten zum Klosterformat aus?

Otto

Ich möchte nicht nur die Realität der Kirche abbilden, sondern das, was ich hier sehe und erlebe, in die moderne Zeit transformieren. Mir ging es von Anfang an um Ort, Kultur, Natur und Architektur. Durchgängig zieht sich durch die Ausstellung, dass alle Bilder die Koordinaten von Oelinghausen enthalten. Mit einem Stempel sind sie irgendwo auf jedem Werk zu finden, mal versteckter, mal offensichtlicher. Für mich war und ist Oelinghausen ein magischer Ort. Die Mönche, die entschieden haben, das Kloster hier zu bauen, haben dies bewusst getan. Die Ausrichtung im Schutz eines Bergrückens, das alles ist nicht zufällig geschehen, davon bin ich überzeugt. Es gibt hier eine besondere Aura, die wollten sie unbedingt aufgreifen. Auch die Formen, die man hier findet. Sie in Kunstwerke zu erheben und so Menschen womöglich Dinge aufzuzeigen, an denen sie so oft vorbeilaufen und die sie vielleicht gar nicht mehr wahrnehmen, das treibt mich an.

Redaktion

Welche Besonderheiten gibt es noch zu entdecken?

Otto

Es ist zum Beispiel eine ganz besondere Farbigkeit in den Fresken unter der Decke der frisch restaurierten Klosterkirche, so ein mattes Grau-Grün und alle Farben sind etwas gebrochen. Und dann die Motive! Es sind Pflanzen und Kräuter! Da hat ein Künstler im 12. oder 13. Jahrhundert aus guten Gründen etwas unter die Decke gebracht und die Auftraggeber müssen es gut gefunden haben. Vielleicht, weil es vom Ort selbst stammt, aus dem Klostergarten. Mag sein, dass der Künstler den so wichtig fand, dass er in der Kirche einen Bogen zum Draußen gespannt hat. Ich habe in meinen Bildern versucht, diese ganz eigentümliche Farbigkeit zu übernehmen und ich finde, sie steht in einem krassen Kontrast zur Social-Media-Filter-Welt von heute.  Da sind wir in der Moderne angekommen, in der heutigen Zeit, zu der ich unbedingt einen Bezug herstellen will. Auch, um die Menschen im Jetzt zu erreichen.

Andreas Otto

Andreas Otto, Jahrgang 1966, arbeitet in seinen Werken in Mischtechnik. In die Bilder sind Fotos und teils altes Papier eingearbeitet. Die Oberflächen werden oft wieder abgeschliffen und neu verklebt.  Die Farben sind aus Öl oder Acryl. Prägnant sind die Linoldrucke, die er immer wieder gebraucht.

Hier fließt auch ein, dass er seinen Lebensunterhalt hauptberuflich im Bereich Druck, Grafik, Fotografie verdient. Was ihm wiederum finanziell den Rücken freihält, um „ganz frei“ der Malerei nachzugehen. „Ich muss mich keinen Marktanforderungen beugen“, sagt der 59-jährige Arnsberger.

Verbleibende Öffnungszeiten der Ausstellung „Klosterformat“

28.09.2025 14-17 Uhr

03.10.2025 14-17 Uhr

05.10.2025 14-17 Uhr

12.10.2025 11-17 Uhr

Redaktion

Beschreiben Sie uns doch mal ein Werk!

Otto

Da wäre zum Beispiel der Kreuzweg. Ich habe ihn fotografiert, alle Stationen neben und untereinander gestellt und im Bild nur die äußere Steinform übernommen. Aber innen ist etwas anderes. Ich habe blaue Outline-Figurationen auf die Steinkreuze projiziert, die auch über deren Umrisse hinweg liegen oder stehen. Es sind Vorzeichnungen zu Linolschnitten, die Umrisse von Mönchskutten zeigen. Mal fällt, mal liegt die Figur, je nach der Position von Jesus in den Kreuzweg-Stationen. Alle 15 Stationen hängen einzeln gerahmt auf bald zehn Metern Wand. Das wirkt entsprechend!

Redaktion

Warum der Kreuzweg?

Otto

Der Kreuzweg ist, seit es ihn gibt, immer ein Ansatz von Kunst gewesen, meist auch real interpretiert. Ich habe ihn abstrakter dargestellt und vereinfacht. Aber man sieht genau, worum es geht. Der Kreuzweg hat mich persönlich schon als Kind fasziniert. Wenn die Leidensgeschichte ein Märchen wäre, dürfte man es kleinen Kindern gar nicht vorlesen, das wäre ja viel zu brutal. Aber gerade Kinder beeindrucken ja schöne Dinge und wenn etwas Außergewöhnliches passiert, wie anschließend die Auferstehung. Für mich an Ostern war immer der Karfreitag am beeindruckendsten. Ich war schon immer fasziniert, dass da einer, Jesus, etwas auf sich nimmt, um die Menschheit zu erlösen. Wenn man diese Botschaft nimmt, wenn Glaube heißt, dass sich Menschen füreinander einsetzen, das hält doch heute mehr denn je, in dieser verrückten Welt! Wo alles aus den Fugen zu geraten scheint, ist solches Verhalten – aufs Kleine überragen – gerade wichtig, finde ich.

Redaktion

Auch der Hindernislauf „Mud Masters“, der regelmäßig am Jagdschloss Herdringen stattfindet, fließt in Ihre Arbeiten ein, wie genau?

Otto

Ja, in der jetzigen Ausstellung habe ich das Thema Helfen als zutiefst menschliche Eigenschaft mitaufgenommen. Denn das ist ja zutiefst menschlich. Auf einem Werk, das Veronika (come on) heißt und wo ich symbolisch ein Tuch als Schweißtuch, das sie dem Heiland reicht, eingearbeitet habe, will ich zeigen, dass sie das Leiden Christi zwar nicht abmildern, aber dennoch Hilfe zeigen konnte. Es ist immer gut, diese Hilfe zu geben, und Menschen, die gerade in Schwierigkeiten sind, zu unterstützen. Dies symbolisiert die Figuration auf dem Werk, die ich aus einem Foto des MUD MASTER-Laufes transformiert habe. Sie ist entstanden aus einem Bild, auf dem ein Läufer einem Mitstreiter zum Überwinden eines Hindernisses die Hand reicht.

Vor zehn Jahren kam mir erstmals die Idee zu dieser Kombination im Rahmen einer anderen Ausstellung. Damals habe ich einen Kreuzweg erstellt, indem ich Figurationen von Fotos des MUD MASTER-Events den jeweiligen Stationen als Linoldrucke zugeordnet habe. Der Hindernislauf als neuzeitliches Event, das bei jungen Leuten total beliebt ist, in einem Kreuzweg: Damit packt man die, die sonst – mit Verlaub – eher sagen: ,Glaubensgeschichte, so ein langweiliger Schrott.‘ Das hat funktioniert!

Redaktion

Wie haben die ersten Besuchenden in Oelinghausen reagiert? Und was hat es mit dem Kelch und der Walnuss auf sich?

Otto

Es gibt viele Kelche im Kloster Oelinghausen und es geht ja hier insbesondere um das Blut Christi, das symbolisch aus ihnen getrunken wird. „Geisteslust“ heißt das besagte Werk mit der Walnuss. Neben der Klosterkirche steht ein alter Walnussbaum. Er hat jeden Menschen gesehen, der hier war. Die Walnussfrucht wiederum hat doch auch etwas vom menschlichen Gehirn. Ich habe sie in meinem Bild auf den Kelch gesetzt. Es ist typisch für meine Kunst, dass ich Dinge zusammenbringe, die eigentlich nicht zusammengehören. Das löst eine Diskussion aus beim Betrachten. Bei der Ausstellungseröffnung fanden viele Besucher gerade diesen Kontrast sehr spannend.

Redaktion

Bringt eine solche Konfrontation in Ihren Augen die Menschen wieder näher zum Glauben?

Otto

Ich glaube schon, dass Glaube Zukunft hat und gerade solche besonderen Orte. Ich bin sicher, dass hier auch Nichtgläubige erkennen und spüren, dass da etwas passiert. Dass der Ort schon was auslöst, viel mehr als andere Orte. Selbst wenn man diesen Raum profanieren, also seiner sakralen Bestimmung entheben, würde, er verlöre es nicht. Dieses Etwas hat man auch bei der Ausstellungseröffnung in der Kirche des Klosters Oelinghausen gespürt. Es lag noch Weihrauch in der Luft, es war schön kühl im Raum, die Besucher haben sich sichtlich wohl und entspannt gefühlt. Ich glaube, dass selbst in Kirchen, die profaniert sind, noch diese besondere Aura spürbar ist. Da ist und bleibt etwas, das man nicht erklären kann, irgendwie nicht greifbar.

"Geisteslust"

Es gibt viele Kelche im Kloster Oelinghausen und es geht ja hier insbesondere um das Blut Christi, das symbolisch aus ihnen getrunken wird. „Geisteslust“ heißt das besagte Werk mit der Walnuss. Neben der Klosterkirche steht ein alter Walnussbaum. Er hat jeden Menschen gesehen, der hier war.

Andreas Otto

Redaktion

Kann Kirche ein Gegenentwurf zum Schrillen, Überzeichneten heute sein?

Otto

Nein, kein Gegenentwurf, eher eine Ergänzung. Man sollte und kann nicht das eine durch das andere ersetzen. Aber die Kirche könnte mit Sicherheit gerade in diesen Zeiten, wenn sie sich geschickt anstellt, Gebiete zurückerobern, nachdem sie so viel Platz in der Gesellschaft verloren hat. Vielleicht haben wir auch eine Chance, etwas hinzuzugewinnen. Ich fand es spannend, dass einige Mitglieder aus Pfarrgemeinderäten, die zur Ausstellung kamen, übrigens meist Ältere, dazu Folgendes meinten: Wir als Katholiken sollten vom hohen Ross runterkommen und Leute nicht mehr gewinnen wie vor 200 Jahren. Sie meinten, es braucht solche Veranstaltungen anderer Art, dass wir darüber die Menschen gewinnen. Quasi durch die Hintertür die Tür zum Glauben wieder aufmachen.

Redaktion

Wie und wann erleben Sie gläubige Momente und warum glauben Sie?

Otto

Wenn wir das, diesen Glauben jetzt nicht hätten, dann müsste man ja gerade in diesen Zeiten bald aufgeben. So empfinde ich das. Daran zu glauben, es gibt noch etwas, was man nicht erfassen kann. Diesen Kontakt aufzunehmen, wenn man aus dem alltäglichen Stress mal rauskommt, das ist mir ganz wichtig. Wenn ich als Rennradfahrer am Wochenende unterwegs bin, dann entstehen solche Verbindungen, die aus der realen Welt rausgehen. Dann denke ich, es ist doch alles gar nicht so schlimm. Das ist für mich dann so eine Art Gebet. Das Erleben der Natur und was da rings um mich so Besonderes ist.

Da sind wir auch wieder bei der Aura des Klosters Oelinghausen. Auf einem Bild in der Ausstellung ist eine Kuh zu sehen, die ich in eine gotische Nische im Altarraum projiziert habe. Das Bild heißt LIETH nach dem Bergrücken, in dessen Schatten das Kloster liegt, die Kalte Lieth. Schon immer hat man hier bei uns gesagt, dass die Kühe, die hier grasen, anders sind als anderswo im Sauerland. Kühe wirken ja per se schon sehr zufrieden, wenn sie weiden. Hier erscheinen sie irgendwie noch zufriedener. Das muss an diesem besonderen Ort liegen!

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

Weitere Einträge

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz spricht bei einer Pressekonferenz vom Erzbistum Paderborn nach Vorstellung einer Missbrauchsstudie am Freitag (13.03.2026) in Paderborn (Nordrhein-Westfalen). Foto: Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zur unabhängigen Studie zu Missbrauch im Erzbistum Paderborn

Am Donnerstag, 12. März 2026, hat die Universität Paderborn die Studie zum Missbrauch im Erzbistum Paderborn veröffentlicht. In einer Videobotschaft ordnet Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die Studie einen Tag nach der Veröffentlichung ein und blickt auf erste Eindrücke der Ergebnisse.
© Archiv / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Im Geist der Heiligen Hedwig: Einsatz für Vertriebene und ihre Anliegen

Hedwigswerke, die sich nach dem 2. Weltkrieg gründeten, halfen Vertriebenen, anzukommen. Das Erzbistumsarchiv erinnert an Vertriebenenseelsorger Pfarrer Wilhelm Trennert und lädt zum Publikumstag am 27. März 2026.
© Shutterstock AI / Shutterstock.com

Unser Glaube 3. Fastensonntag: „Jesus wartet nicht auf perfekte Menschen“

Der Theologe und Kirchenmusiker Bernd Michael Pawellek findet - ausgehend vom Evangelium des 3. Fastensonntags - eine Antwort auf brandaktuelle Fragen.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0