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© szupereb / Shutterstock.com
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Ankommen, sich aufs Kind freuen und in ein neues Kirchenjahr starten

Am 1. Advent stehen die Zeichen auf Ankommen, aber auch auf Beginn: Das neue Kirchenjahr startet. Welche Rolle spielt es im Leben der Gläubigen? Und wie ist Firmung im Advent? Wir fragen Weihbischof Matthias König.
Redaktion

Herr Weihbischof, wie bewusst erleben Sie den Start in ein neues Kirchenjahr?

Weihbischof Matthias König

Ich erlebe das immer sehr bewusst. Ich schaue zurück und versuche mir klar zu werden, was ich vielleicht im Bereich meiner Aufgaben im nächsten Jahr anders machen kann. Und es ist ein Tag, dankbar auf das Geleistete, vor allem die gottesdienstliche Arbeit, zurückzuschauen.

Redaktion

Sie firmen zurzeit viele Gläubige im Erzbistum, auch Erwachsene: Wie gehen Advent und Firmung zusammen?

Weihbischof König

Wir firmen über das ganze Jahr, außer in den Ferien, rund um die Feiertage und in der Karwoche, und zwar regional unterschiedlich hier mehr im Herbst-Winter, dort im Frühjahr-Sommer.

Ich finde, dass sowohl der Advent als Vorbereitungszeit als auch die Fastenzeit als Zeit für Umkehr, Veränderung gut zur Firmung passen. Wenn ich zurückblicke, sind die schönsten Erlebnisse, wenn ich die Menschen nach der Firmung kurz sprechen kann und ich spüre, dass sich etwas bei den Neugefirmten verändert hat.

Bei Erwachsenenfirmungen ist es oft sehr berührend, wenn Menschen mir erzählen, dass sie sehr bewusst zum Glauben gefunden haben und sich deshalb firmen lassen.

Ein Mann hat mir zum Beispiel in diesem Sommer erzählt, dass er über die Kirchenmusik, die ihn sehr anspricht, für sich erfahren hat, er möchte mehr. Er hatte das starke Gefühl, Gott mehr in sein Leben lassen zu wollen und wollte das durch die Firmung stützen. Ein weiterer Erwachsener berichtete mir, dass er als Jugendlicher sich nicht hat firmen lassen, aber nun als Erwachsener gespürt hat, mir fehlt etwas. Er wollte die Firmung nachholen.

Das war beides im Sommer. Für beide war dann in der Mitte des Jahres schon eine Art „Advent“, ein Ankommen im Glauben.

Redaktion

Zum Kirchenjahr, welche Rolle spielt es im Gemeindeleben?

Weihbischof König

Eine ganz zentrale Rolle! Daran orientiert sich das ganze gottesdienstliche Leben einer Gemeinde, das ist unser Grundgerüst. Die Leseordnung für die Gottesdienste ist der rote Faden für die Verkündigung durch die Priester, aber auch Wortgottesfeierleiterinnen und -leiter. Ich glaube: Wer in die Kirche geht, wird wissen, wo er im Kirchenjahr steht. Allein schon die Ausstattung der Kirche verrät dies schließlich, wenn es in der Fastenzeit keinen Blumenschmuck gibt oder zu Ostern und Weihnachten entsprechend festlich geschmückt ist. Und dass Violett getragen wird als Farbe für Buße, Einkehr und Besinnung, in der Fasten- wie in der Adventszeit, springt jedem Gottesdienstteilnehmenden sofort ins Auge.

Zum Kirchenjahr

Das christliche Kirchenjahr beginnt mit dem Advent und endet mit dem Christkönigssonntag.

Es durchläuft einen Zyklus von Erwartung (Advent), Geburt (Weihnachten), Umkehr (Fastenzeit), Leiden und Auferstehung (Ostern) sowie dem Wirken des Geistes (Pfingsten) und dem Alltag des Glaubens (Jahreskreis).

Die liturgischen Farben (violett, weiß, rot, grün) strukturieren zusätzlich den Charakter der jeweiligen Zeit.

Kirchenjahr und Themenspecials

Redaktion

Ist der Advent präsenter als die Fastenzeit? Und wie präsent ist er überhaupt?

Weihbischof König

Sehr präsent! Ja, das erlebe ich schon so, allein dadurch, dass auch außerhalb der Kirche in dieser „vorweihnachtlichen Zeit“ und über die Werbung in den Medien, das Thema „Vorweihnachtszeit“ besonders ins Bewusstsein gebracht wird.

Dabei ist die eigentliche Botschaft des Advents die Wachsamkeit, die Aufmerksamkeit für Gottes Gegenwart im eigenen Leben und in der Welt und die Vorfreude auf das Geburtsfest des Erlösers.

Obwohl wir uns in der Fastenzeit ja auf das Größere, die Auferstehung, vorbereiten, wird der Advent aus den genannten Gründen mehr wahrgenommen. Ich weiß aber nicht, ob das, was im Advent präsent ist, bei allen wirklich der christliche Advent ist.

Früher habe ich mich aufgeregt, wenn schon lange vorher die erste Weihnachtsdekoration und Lichterketten in den Fenstern zu sehen waren. Heute bin ich über jedes Licht froh, weil dort Menschen leben, die mit dieser Zeit noch etwas anfangen können und wissen, dass Advent ist. Ich glaube schon, dass sich viele, die ihr Haus adventlich schmücken, mit der christlichen Tradition beschäftigt haben. Aber es gibt auch Gegenden in Deutschland, wo viele Menschen leben, für die der christliche Advent keine Rolle spielt. Ich habe kürzlich gehört, dass ein Vater, vor der Krippe auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt stehend, seinem Kind erklärt hat, das sei das Märchen vom Rumpelstilzchen.

Was mich freut, ist, dass das Füreinander da sein, das Miteinander und etwas für einen guten Zweck zu tun im Advent immer noch stattfindet.

Weihbischof Matthias König

Da ist das Katholisch-Christliche immer noch da, sprich:  Wenn Gott ein Kind wird, dann können uns Kinder und auch erwachsene Menschen in der Welt, die Not leiden, nicht gleichgültig sein. Das ist der Hintergrund vieler Spendenaktionen, die sich für Kinder oder für Bedürftige einsetzen.

Redaktion

Gerade auch für unsere Kinder fand ich es immer schön, wie die Feste im Kirchenjahr den Jahresrhythmus prägen, wie erleben Sie das?

Weihbischof König

Kinder können gut diesen Rhythmus übernehmen und sie verbinden besondere Heilige mit den Festen. An Sankt Martin waren mehr als 800 Menschen im Dom. Das macht mir Hoffnung. Die Kinder nehmen den Blick auf Arme mit und lernen, zu teilen. Dahinter steckt: Ich kann etwas tun, ganz real, ich kann die Welt ein kleines bisschen besser machen. Auch Kleinigkeiten können Gutes in die Welt bringen, wie es der Heilige Martin mit der Mantelteilung gezeigt hat. Und auch den Heiligen Nikolaus kenne noch viele.

Redaktion

Am 8. Dezember jährt sich das Ende des 2. Vatikanischen Konzils zum 60. Mal. Hier wurde festgelegt, dass der Sonntag nach dem 6. Januar, der Erscheinung des Herrn, das Ende des Weihnachtsfestkreises ist. Darf der Weihnachtsbaum also nicht mehr bis Mariä Lichtmess stehen?

Weihbischof König

Es gibt unterschiedliche Traditionen: Die einen werfen den Weihnachtsbaum schon direkt nach Weihnachten oder spätestens zu Silvester aus dem Fenster und die anderen sind sich der alten Tradition bewusst, ihn bis Mariä Lichtmäß stehen zu lassen. Das ging früher auch leichter, weil die gute Stube nur für die Festtage da war und sonst nicht geheizt wurde.

Auch die Krippe im Dom steht noch bis fast Mariä Lichtmess am 2. Februar. Dieser Tag ist nun ein weihnachtliches Fest außerhalb des Weihnachtsfestkreises.

Redaktion

Sie möchten noch eine andere „Tradition“ ansprechen, die es so vor allem in anderen Ländern nicht gibt.

Weihbischof König

Allerdings. Es hat sich innerhalb des Weihnachtsfestkreises bei uns in Deutschland eine Tradition des Feierns eingeschlichen, die viele Katholiken aus Nachbarländern verwirrt. Denen ist klar: Der Weihnachtsfeiertag ist der 25. Dezember, und nicht Heiligabend.

Ich habe es in meinen ersten Lebensjahren noch erlebt, dass wir erst am 25. die Geschenke bekamen. Heute ist nach Heiligabend für viele schon das meiste an weihnachtlichen Feierlichkeiten durch. Sie gehen an Heiligabend früh in einen Gottesdienst, dann gibt es die Geschenke.

Eigentlich aber ist der 24. ein Tag der Vorbereitung, allenfalls wird um Mitternacht die Christmette gefeiert und am 25. dann die Geburt Christi.

In vielen anderen Ländern ist es noch so.  Auch mit Blick auf all den Trubel an Heiligabend, täte es vielleicht gut, hier mal hinzuschauen.

Ein Beitrag von:
Sonja Funke
Redakteurin

Sonja Funke

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