Die Augustsonne scheint hoch von einem erstaunlich blauen Himmel. Das Gras zwischen den Zypressen ist verbrannt, Zikaden machen einen Höllenlärm, um plötzlich zu verstummen. Im verdorrten Gras raschelt eine Eidechse. Hat sie eine Zikade erwischt? Drei Räder kämpfen sich den Anstieg von der Poebene auf den Apennin hoch. Oder sind es vier? Das ist von weitem und in der vor Hitze flirrenden Luft nicht gut zu erkennen. Erst beim Näherkommen zeigt sich: Es sind drei Räder, aber vier Personen. Eines der Räder ist ein Tandem.
„Ich bin sehbehindert und das Tandem ist meine Möglichkeit, an einer Fahrradwallfahrt teilzunehmen“, sagt Edgar Terhorst. Gemeinsam mit seiner Frau Mechthild und Ingrid und Michael Löblein, einem befreundeten Ehepaar, das ebenfalls aus Unna stammt, sind sie zu viert unterwegs. Und das schon seit über einer Woche. Begonnen hat die Pilgerreise im Aostatal, am Fuße des Großen St. Bernhard. Heute stehen gut tausend Höhenmeter auf dem Programm, trotz der elektrischen Unterstützung ist das keine leichte Aufgabe. „Immerhin sind meine Frau und ich schon Mitte 60“, erklärt Edgar Terhorst und nimmt einen großen Schluck aus seiner Trinkflasche. Sofort perlt ihm der Schweiß von der Stirn. Der Fahrtwind fehlt.