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24
Oktober
2020
24.Oktober.2020

Was Gebet ist – und was nicht

Serie “Gebet”: Spiritual Christian Städter über seinen persönliche Zugang zu Gott

Es klingt nach einer banalen Erkenntnis. „Gott steht ja nicht direkt neben mir“, sagt Christian Städter, Spiritual im Erzbischöflichen Priesterseminar. „Doch wenn ich an Gott glaube, dann stellt sich die Frage, wie ich einen Zugang zu ihm bekomme.“ Für die Antwort reichen schon fünf Buchstaben aus: Gebet.

Was ist Gebet überhaupt? Wie kann ich beten? Warum lohnt es sich, zu beten? Diese Fragen sollen in der neuen Reihe zum Thema Gebet diskutiert werden. Wer Antworten auf diese Fragen sucht, der ist zunächst bei Christian Städter gut aufgehoben. Denn als Spiritual bringt er vielen jungen Menschen, die sich auf den Weg zum Priestertum machen, das Gebet näher.

Städter lädt zum Cappuccino und Gespräch in sein Besprechungszimmer im Priesterseminar ein. Wie er Gebet definiert, wie er erzählt, dass ihn das Gebet stärkt, ließe sich auf viele Weisen beschreiben. Am eindrücklichsten ist es vielleicht, in diesem Text immer wieder einen Satz zu vervollständigen: „Gebet ist …“.

Gebet ist der wichtigste Zugang in der Beziehung zu Gott

„Gebet ist für mich die Art und Weise, wie ich Gott in meinem Leben suche und wie ich mit Gott in Beziehung stehe“, sagt Städter. Beten geht nach dieser Definition also nicht nur, indem man vorformulierte Texte liest oder seine Gedanken vor Gott trägt. „Wenn ich einen Bibeltext lese und nachdenke, was Gott mir damit sagen möchte, dann ist das auch Gebet“, sagt Städter. „Oder wenn ich Situationen in meinem Alltag beobachte und hinterfrage, ob Gott da gegenwärtig war.“ Oder, oder, oder.

Gebet ist herausfordernd

Wer betet, dem stellt sich früher oder später die Frage: Wie reagiert Gott auf mein Gebet? Wenn Christian Städter darauf antwortet, dann möchte er zunächst klarstellen, dass er daran glaubt, dass Gott allmächtig ist und so handeln kann, wie er will. Doch er warnt davor, ein „magisches Verständnis“ des Betens zu entwickeln, nach dem Motto: Wir müssen nur genug Rosenkränze beten, damit Gott das erfüllt, wofür wir beten. „Da kommt man schnell an einen Punkt, an dem man sich enttäuscht fühlt und denkt, dass Beten doch nichts bringt.“

Vielmehr sei die Frage, ob unser Wille auch Gottes Wille sei. „Beten will uns dabei helfen, in der Beziehung zu Gott zu wachsen und zu fragen, was sein Wille ist, damit ich meinen Anteil an seinem Plan leisten kann“, sagt der Spiritual.

Klingt ganz schön herausfordernd – ist es auch. Denn Städter sagt: „Beten bedeutet nicht, dass ich die Verantwortung auf Gott abschiede und ihm sage, dass er mal machen soll. Beten soll mir dabei helfen, zu verstehen, was ich jetzt machen kann.“

Gebet ist keine Flucht vor dem Alltag

„Gebet ist keine Flucht vor dem Alltag“, sagt Christian Städter. Denn im Gebet wird es konkret. Wer Gott um etwas bittet, der bittet ihn um etwas aus seinem Leben. Genauso beziehen sich der Dank und das Lob auf Situationen, die man erlebt hat.

Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass man im Gebet mit all dem, was einen im Alltag ausmacht, vor Gott kommt. Städter zitiert den Heiligen Augustinus, der Beten als „das eigene Herz zu Gott erheben“ definierte. Städter sagt: „Wenn ich mir bewusst bin, dass ich im Gebet mein Herz zu Gott erhebe, dann muss ich wissen, dass ich nur ein Herz habe. Nicht ein Herz für Gott und ein Herz für die Mitmenschen, die mir begegnen.“ Leben und Beten ließen sich nicht aufteilen, im Sinne von: Hier die schöne, helle Seite, mit der ich mich an Gott wende und dort die neidvolle, aggressive Seite, mit der ich meinen Mitmenschen begegne.

Gebet ist zeitintensiv

Gebet ist Beziehungspflege mit Gott – und Beziehungen kosten Zeit. Christian Städter versucht, sich jeden Tag genug Zeit zu nehmen, in der er „nur mit Gott im Gespräch ist“, wie er sagt. Er feiert die Heilige Messe, betet das Stundengebet, reflektiert eine Bibelstelle, fragt sich am Abend, wo Gott ihm begegnet ist – und schaut ansonsten, „was noch so kommt.“

Was so selbstverständlich daherkommt, bedeutet auch viel Disziplin, erzählt Städter. „Es ist ja nicht so, dass ich morgens wachwerde und denke: ‚Cool, jetzt kann ich anfangen zu beten‘. Ich muss morgens so früh aufstehen, dass ich mir vor meinem ersten Termin erst eine halbe Stunde fürs Gebet nehmen kann.“ Dann spricht er das Stundengebet, liest anschließend das Tagesevangelium und meditiert darüber – mit einer Methode, die auf den Hl. Ignatius zurückgeht.

Städter erklärt: „Am Anfang ist es wichtig, dass ich mir vorstelle, wie es denn gewesen ist, als zum Beispiel Jesus am See Genezareth stand und den Menschen vom Reich Gottes erzählt.“ Das Stichwort lautet: den Schauplatz bereiten. Dann bringe er sein Innerstes, seine Sehnsucht vor Gott, erzählt Städter, zum Beispiel, indem er betet: „Gott, ich versuche, deine Schrift zu meditieren. Meine Sehnsucht in diesem Moment ist es, mehr zu verstehen, was der Wille Jesu ist.“

Dann springe er wieder in die Textstelle zurück und frage sich: Was berührt mich? „Dadurch“, sagt Städter, „entsteht ein Gespräch mit Jesus selbst.“ Ein Gespräch? Antwortet Jesus ihm also? „Manchmal mache ich schon die Erfahrung, dass ich emotional mitgenommen werde“, sagt Städter. „Dass ich mich sehr geborgen oder unwohl fühle. Dann versuche ich, zu verstehen, was der Herr mir damit sagen möchte.“

Gebet ist ein ständiges Suchen und Finden

Wem die bisherigen Aussagen zu klar, zu überzeugt waren, für den sei gesagt: Auch Spiritual Städter weiß, dass Gebet ein Wechselspiel zwischen Suchen und Finden ist. „Ziel des Gebets ist es, Gott zu finden, ihm zu begegnen. Aber ich kann nie sagen, dass ich Gott endgültig gefunden habe – und es gibt Momente, in denen ich mich frage, wo Gott überhaupt ist.“

Der Schlüssel zum Erfolg, wenn man so will, lautet: regelmäßig beten. Gott immer neu suchen, ihn finden und sich wieder auf die Suche machen. Städter selbst sagt, dass er es „sportlich nehme“, wenn ihm Gott gerade fern scheine. „Dann muss ich mich wieder auf die Suche machen“, sagt er. Und: „Wie viele biblische Erzählungen berichten genau davon, dass sich Menschen auf den Weg machen müssen, um Gott zu finden. Propheten müssen das machen, wo wir doch sagen würden, dass es deren Aufgabe ist, Gott zu verkünden.“ Selbst Jesus habe sich immer wieder auf den Berg zurückgezogen, um zu beten und nah an seinem Vater zu sein.

Ein Beitrag von:

Tobias Schulte
Redakteur
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