Welterbe Corvey
Das karolingische Westwerk und der im Boden erhaltene mittelalterliche Klosterbezirk, die Civitas, sind seit 2014 Welterbe. Damit gehört die 822 gegründete ehemalige Benediktinerabtei Corvey am Weserbogen bei Höxter zu den Erinnerungsstätten dieser Erde. Die katholische Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus Corvey ist Eigentümerin des karolingischen Westwerks sowie der barocken Kirche. Durch pastorale Angebote und multimediale Werkzeuge erschließt die Kirchengemeinde den Besucherinnen und Besuchern die Erinnerungsstätte. Ihre Verantwortung ist es zudem, die mehr als 1.000 Jahre alte Bausubstanz konservatorisch zu sichern.
Klostergeschichte erleben
Die Kirchengemeinde St. Stephanus und Vitus hat das Welterbe Westwerk Corvey museumsdidaktisch ins digitale Zeitalter geführt. Gäste erleben multimedial die Klostergeschichte dieses bedeutenden Glaubens- und Erinnerungsortes im Erzbistum Paderborn. In der Erdgeschosshalle des Bauwerks erwartet die Besucherinnen und Besucher eine filmische Zeitreise ins Jahrtausend der Mönche. Auf einer 40 Quadratmeter großen Glaswand zwischen Westwerk und barocker Abteikirche erleben geführte Gruppen die monastische Geschichte Corveys, tauchen ein in das Leben der Benediktiner, sind dabei, wenn mit dem Bau des Westwerks begonnen wird (873), werden Teil der künstlerischen Produktivität im mittelalterlichen Skriptorium des Klosters und begegnen dem heiligen Mönch Ansgar, dem Apostel des Nordens, bei seinen Missionsreisen im neunten Jahrhundert.
Im Johanneschor – der Herzkammer der Welterbestätte – findet die Zeitreise der Besucherinnen und Besucher ins Corvey der Karolingerzeit ihre Fortsetzung. Die bedeutende Emporenkirche im Obergeschoss des Westwerks erscheint neu in ihrer ursprünglichen Ausgestaltung auf dem Bildschirm eines Tablets, das die Teilnehmenden erhalten. An authentischer Stelle wird durch „Augmented Reality“ (erweiterte Realität) das sichtbar, was die Führerinnen und Führer den Gästen mit Worten beschreiben: wie Architektur und Malerei im Johanneschor früher ausgesehen haben. Digital rekonstruiert bekommen erhaltene Akanthusranken in den Arkadenbögen ihre Leuchtkraft zurück, geometrische Formen erscheinen auf dem Bildschirm. Vor der berühmten Odysseus-Szene unter der Westempore können Gäste mit einem Fingerstreich auf dem Touchscreen verblasste Konturen der figürlichen Darstellungen „nachzeichnen“ und sich eigens hinterlegte Bildvorlagen aus der Entstehungszeit anschauen. Und wo das menschliche Auge vor der Rückwand der Orgel im Kirchenraum Halt macht, eröffnet sich auf dem Tablet ein atemberaubender Blick in den rekonstruierten ersten Kirchbau von 844 – so wie ihn die Könige und Kaiser erlebt haben, die in der Blütezeit des Klosters vom 9. bis ins 12. Jahrhundert nachweislich in Corvey Hof hielten.
Heute liegt hinter dem 1150 Jahre alten Westwerk die barocke Abteikirche, die nach dem 30-jährigen Krieg – mit der gesamten Anlage dort – neu errichtet wurde. Sie ist den Heiligen Stephanus und Vitus geweiht, die reiche barocke Innenausstattung lässt einen barocken „Festsaal des Evangeliums“ entstehen, dessen Ausstattung seinen Höhepunkt im Altarraum findet: Der Hochaltar und die Seitenaltäre bilden den Rahmen für den Chorbereich, in dem sich früher Mönche zum Chorgebet versammelt haben. Heiligenfiguren und Engel-Darstellungen ergänzen die Ausstattung, schmücken auch die Springladenorgel an der Rückwand der Kirche. Die ehemalige Abteikirche ist heute Pfarrkirche für die Corveyer Kirchengemeinde.