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© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn
© Foto: Michael Bodin / Erzbistum Paderborn

Gespräch über Fachkräftemangel, Demografie und Zuwanderung

19. „Tag für Unternehmerinnen und Unternehmer – erfolgreich nachhaltig“ in Dortmund

Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft kamen am Dienstagabend zum 19. „Tag für Unternehmerinnen und Unternehmer – erfolgreich nachhaltig“ der Kommende Dortmund im Westfälischen Industrieklub in Dortmund zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen angesichts von demografischem Wandel, Zuwanderung und Künstlicher Intelligenz dem Fachkräftemangel begegnen können.

Fachkräftesicherung

Den inhaltlichen Schwerpunkt bildete ein intensives Gespräch zwischen Cihan Sügür, Manager bei der Porsche Company und laut „Capital“ unter den „Top 40 unter 40“-Managern in Deutschland, Mitglied der Atlantik-Brücke und Sohn türkischer Gastarbeiter aus dem Dortmunder Norden, sowie Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Professor für Migrations- und Bildungssoziologie an der TU Dortmund und wissenschaftlicher Berater im Vorstand der Kommende-Stiftung beneVolens.

Raum für Dialog

Der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz verzichtete kurzfristig auf einen eigenen Impuls, um dem Austausch auf dem Podium und mit dem Publikum bewusst mehr Raum zu geben. Damit rückte der dialogische Charakter der Veranstaltung noch stärker in den Mittelpunkt.

Im Zentrum stand die Frage, wie sich Arbeitskräfte- und Fachkräftebedarf vor dem Hintergrund tiefgreifender demografischer Veränderungen sichern lassen. El-Mafaalani zeichnete ein eindrückliches Bild der Entwicklung: In Deutschland lebten derzeit etwa doppelt so viele 60-Jährige wie 6-Jährige. Die geburtenstarken Jahrgänge würden in den kommenden Jahren in den Ruhestand eintreten und in 20 bis 25 Jahren hochaltrig sein. Damit verschiebe sich nicht nur die Altersstruktur, sondern auch das gesellschaftliche Gefüge mit bislang kaum erprobten Folgen für Demokratie, Arbeitsmarkt und Innovationsfähigkeit. „In zehn Jahren ist die größte Wählergruppe im Rentenalter“, gab er zu bedenken und stellte die Frage, wie eine innovationsfähige Wirtschaft unter diesen Bedingungen gestaltet werden könne.

Vor diesem Hintergrund plädierte El-Mafaalani für eine stärkere politische und gesellschaftliche Fokussierung auf Kinder und Jugendliche als künftig besonders relevante Minderheit. Zugleich warb er für Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbstätigkeit von Müttern und verwies auf strukturelle Ungleichheiten. Im europäischen Vergleich sei die Erwerbstätigkeit von Müttern in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz unterdurchschnittlich.

Zuwanderung und Qualifizierung

Ein weiterer zentraler Punkt war die qualifizierte Zuwanderung. Deutschland sei für internationale Fachkräfte bislang nur eingeschränkt attraktiv und schaffe es häufig nicht, gut ausgebildete Studierende nach ihrem Abschluss im Land zu halten. Bürokratische Hürden und sprachliche Anforderungen wirkten dabei oft abschreckend. Gleichzeitig brauche es stärker systematisierte Wege, Zugewanderte im Inland zu qualifizieren.

Cihan Sügür unterstrich die wirtschaftliche Perspektive und betonte: „Wir brauchen wirtschaftlichen Aufschwung als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Entscheidend seien klare Ziele, passende Anreizsysteme und eine konsequente Förderung von Qualifikation. Aus eigener Erfahrung hob er die Bedeutung von Bildungschancen hervor und verwies unter anderem auf die prägende Unterstützung durch engagierte Lehrkräfte während seines Aufwachsens in der Dortmunder Nordstadt.

Einigkeit bestand darin, dass Investitionen in Bildung früh ansetzen müssen. El-Mafaalani verwies auf deutliche Effekte bei der Förderung benachteiligter Kinder und sprach sich für den Ausbau von Mentoringprogrammen aus, auch als mögliches Engagementfeld für ältere Generationen.

Auch aus dem Publikum wurde betont, dass Bildungsförderung früher beginnen müsse und Unternehmen bereits heute Verantwortung übernehmen könnten, etwa durch Ausbildungsangebote auch für junge Menschen ohne Schulabschluss.

Preis „Erfolgreich nachhaltig“

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Verleihung des Unternehmerpreises „Erfolgreich nachhaltig“, der von der Kommende Dortmund gemeinsam mit der Pax-Bank für Kirche und Caritas vergeben wird. Mit der Auszeichnung werden Unternehmen gewürdigt, die wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischer und sozialer Verantwortung verbinden.

Die diesjährigen Preisträger, die Möbelwerkstatt Breckerfeld/Kukatsch Systeme um Alina und Malte Frenzel sowie Firmengründer Eckhard Kukatsch, stehen beispielhaft für innovatives, nachhaltiges Wirtschaften. Ihr modulares Hausbausystem verbindet ökologische Bauweise mit sozialer Verantwortung und zeigt, wie unternehmerische Praxis zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen kann. Die Laudatio hielt Olesja Mouelhi-Ort, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Dortmund. Überreicht wurde der Preis durch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz.

Im Anschluss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch in Tischgesprächen. Der „Tag für Unternehmerinnen und Unternehmer“ der Kommende Dortmund versteht sich seit Jahren als Plattform für Dialog und Vernetzung und setzt Impulse für eine Wirtschaft, die sich an den Prinzipien der katholischen Soziallehre orientiert.

Ein Beitrag von:
Redakteur Team Presse

Michael Bodin

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