Anlässlich des Tags der Archive besuchten zahlreiche Besucherinnen und Besucher, darunter auch eine Schulklasse des Paderborner Gymnasiums St. Michael, das Erzbistumsarchiv. In insgesamt drei Vorträgen informierten die Mitarbeitenden über die Aufgaben und Bestände des Erzbistumsarchivs. Im Lesesaal boten die ausgestellten Archivalien einen Überblick über die verschiedenen Veränderungen von Heimat im Laufe der Zeit.
Das Datum des Aktionstags, der 27. März, war historisch und passte zum Thema: am gleichen Tag im Jahr 1945 wurde die Stadt Paderborn durch den größten Luftangriff während des zweiten Weltkriegs zu großen Teilen zerstört. Das entsprechende Plakat zum Tag der Archive erinnerte mit einem Foto aus dem Nachlass Brockmann (Dompropst von 1947-1971) bildlich an die Zerstörung der Stadt und des Doms.
Geschichte zum Anfassen im Erzbistumsarchiv Paderborn
In seinem Vortrag für die Schulklasse des Gymnasiums St. Michael erklärte Erzbistumsarchivar Domvikar Hans Jürgen Rade die heutigen Auswirkungen des Luftangriffs: Jedes Jahr läutet zu den Uhrzeiten der drei großen Luftangriffe im Jahr 1945 die Totenglocke des Paderborner Doms: am 17. Januar um 12:29 Uhr, am 22. März um 20:45 Uhr und am 27. März um 17:27 Uhr.
In der Archivalienausstellung wurden vielfältigen Veränderungen von Heimat beleuchtet: einerseits die räumlichen Veränderungen der Bistumsgrenzen, andererseits die Veränderungen durch Migration und Flucht. Zeitlich konnten die Besucherinnen und Besucher so eine kleine Zeitreise unternehmen von der Neuumschreibung der Bistumsgrenzen im Jahr 1821 mit der Bulle „De salute animarum“ bis zur Gründung des Bistums Magdeburg im Jahr 1994.
Ebenso wurde deutlich, wie wichtig die Seelsorge für neue Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum Paderborn ist: angefangen bei der Seelsorge für die neuen polnischen Katholiken im Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert über die Seelsorge für die Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die aktuelle Bedeutung des Themas „Heimat“ zeigt sich in den Begriffen, die auf die Flipchart im Lesesaal geschrieben wurden: sie umfassen sprachliche Assoziationen wie „Muttersprache“ und „sprachliche Insider“, äußere Bedingungen wie „Demokratie“ und „Sicherheit“ sowie Emotionen wie „Liebe“ und „Herz“.