Der Mann im Hintergrund, der anonym an Jesus glaubende Josef von Arimathäa, steht nicht im Rampenlicht der Osterereignisse vom Karfreitag bis zur Auferstehung Jesu am Ostermorgen. Doch er gibt den Ort der Bestattung Jesu frei: Er verschenkt das Grab weiter, das für ihn selbst vorgesehen war – an den, der den Tod in neues Leben wandelt. An den, der alle Gräber öffnet. So stellt Josef von Arimathäa für Jesus den Raum der Auferstehung bereit.
Ostern im eigenen Leben verorten
In den Evangelien werden das Begräbnis und auch das Grab Jesu nicht nur beiläufig erwähnt. Das Grab wird zum zentralen Ort der Begegnungen, mehr noch: der Verkündigung am Ostermorgen. Wir Menschen denken: Solange wir auf Erden leben, sind Raum und Zeit gebunden und verbunden. Für viele Menschen ist es schwer, wenn es keinen richtigen Ort gibt, wo wir hingehören und geborgen sind. Das gilt auch für die Konfrontation mit dem Tod eines geliebten Menschen: einen Ort zu haben, zu den man gehen kann, wenn die Trauer zu groß wird. Josef von Arimathäa läuft nach der Kreuzigung des Herrn nicht weg. Er bereitet unbewusst, aber mit Mitgefühl und Trauer, den Schauplatz für die Auferstehung.
Bei all den Veränderungen der heutigen Bestattungskultur wird Ostern zur Anfrage an mich, wie ich Ostern in meinem Leben schon jetzt verorte, wie und wo ich Bilder für die Auferstehung Jesu mit meinem Glauben in Beziehung setzen kann. Für die einen gehört das Grab als Begegnungsstätte, auch als Gebets- und Erinnerungsstätte, wesentlich zum zwischenmenschlichen Beziehungsgefüge als Ausdruck für Glaube, Hoffnung und Liebe. Ebenso sind für Christen die Kirche oder der Gottesdienst Räume, um dem Glauben sowie der Beziehung zu Gott und den Menschen Ausdruck zu verleihen.
Begegnung mit dem Auferstandenen
Maria von Magdala kommt in der Frühe des Ostermorgens zum Grab. Sie begegnet dem Auferstandenen und denkt zunächst, es sei der Gärtner. Ein Friedhof als Hinweis auf den Paradiesgarten? Wozu bräuchte es sonst die Erwähnung eines Gärtners? So werden Sterben und Tod hineingenommen in die Buntheit und Vielfalt der Schöpfung, die sich in Gott paradiesisch vollendet. Bilder einer lebendigen, erlebten Kultur gehören zu unserem Leben unbedingt dazu. Und was am Ostermorgen geschah, kann nur prozesshaft verarbeitet werden. Es braucht Bilder, Kommunikation, Begegnung mit dem Auferstandenen selbst, aber auch mit anderen Menschen an eben diesen Orten.