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© Erzbistum Paderborn
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Grund Nr. 54: ICH BIN GEKOMMEN, UM EUCH ZU RETTEN

Initiative 1000 gute Gründe: 12 gute Gründe für das Jahr 2026 – April

Ostern mit Josef von Arimathäa

Der Mann im Hintergrund, der anonym an Jesus glaubende Josef von Arimathäa, steht nicht im Rampenlicht der Osterereignisse vom Karfreitag bis zur Auferstehung Jesu am Ostermorgen. Doch er gibt den Ort der Bestattung Jesu frei: Er verschenkt das Grab weiter, das für ihn selbst vorgesehen war – an den, der den Tod in neues Leben wandelt. An den, der alle Gräber öffnet. So stellt Josef von Arimathäa für Jesus den Raum der Auferstehung bereit.

Ostern im eigenen Leben verorten

In den Evangelien werden das Begräbnis und auch das Grab Jesu nicht nur beiläufig erwähnt. Das Grab wird zum zentralen Ort der Begegnungen, mehr noch: der Verkündigung am Ostermorgen. Wir Menschen denken: Solange wir auf Erden leben, sind Raum und Zeit gebunden und verbunden. Für viele Menschen ist es schwer, wenn es keinen richtigen Ort gibt, wo wir hingehören und geborgen sind. Das gilt auch für die Konfrontation mit dem Tod eines geliebten Menschen: einen Ort zu haben, zu den man gehen kann, wenn die Trauer zu groß wird. Josef von Arimathäa läuft nach der Kreuzigung des Herrn nicht weg. Er bereitet unbewusst, aber mit Mitgefühl und Trauer, den Schauplatz für die Auferstehung.

Bei all den Veränderungen der heutigen Bestattungskultur wird Ostern zur Anfrage an mich, wie ich Ostern in meinem Leben schon jetzt verorte, wie und wo ich Bilder für die Auferstehung Jesu mit meinem Glauben in Beziehung setzen kann. Für die einen gehört das Grab als Begegnungsstätte, auch als Gebets- und Erinnerungsstätte, wesentlich zum zwischenmenschlichen Beziehungsgefüge als Ausdruck für Glaube, Hoffnung und Liebe. Ebenso sind für Christen die Kirche oder der Gottesdienst Räume, um dem Glauben sowie der Beziehung zu Gott und den Menschen Ausdruck zu verleihen.

Begegnung mit dem Auferstandenen

Maria von Magdala kommt in der Frühe des Ostermorgens zum Grab. Sie begegnet dem Auferstandenen und denkt zunächst, es sei der Gärtner. Ein Friedhof als Hinweis auf den Paradiesgarten? Wozu bräuchte es sonst die Erwähnung eines Gärtners? So werden Sterben und Tod hineingenommen in die Buntheit und Vielfalt der Schöpfung, die sich in Gott paradiesisch vollendet. Bilder einer lebendigen, erlebten Kultur gehören zu unserem Leben unbedingt dazu. Und was am Ostermorgen geschah, kann nur prozesshaft verarbeitet werden. Es braucht Bilder, Kommunikation, Begegnung mit dem Auferstandenen selbst, aber auch mit anderen Menschen an eben diesen Orten.

Allein kann ich die Auferstehung nicht wirklich verinnerlichen, geschweige denn daran glauben. Zum Osterglauben gehört immer die Verortung – hier räumlich, zeitlich verbunden mit dem Austausch, der Begegnung, dem Erleben in Gemeinschaft. Mit Ostern steht das Grab nicht mehr da als allerletzter Ort ohne Perspektive, vielmehr als Hoffnungsort, der auf den bleibenden Platz im Himmel hinweist. Jesus sagt: „Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. […] Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (vgl. Joh 14 3-4,6)

Somit dürfen wir uns durch Josef von Arimathäa von der Kreuzabnahme über die Bestattung Jesu bis hin zu den Ereignissen am leeren Grab durch die Frauen, die Jünger und Jüngerinnen daran erinnern lassen, wie lebendig und schön der Glaube an die Auferstehung zusammenhängt mit einer Verortung, Begegnung und Verkündigung. Ostern heißt: Der Herr ist wahrhaft auferstanden! Diese Botschaft zieht Kreise – Jesus lebt, wir sind gerettet, der Tod und das Grab haben nicht das letzte Wort, wir haben einen Platz, eine Verortung, im Himmel. Halleluja!

Pfarrer Karl-Heinrich Graute

 

 

Über den Autor

Pfarrer Karl-Heinrich Graute

Pfarrer Karl-Heinrich Graute leitet den Pastoralverbund Lübbecker Land, der  im Norden des Erzbistums Paderborn liegt. Das Glaubens-Leben der zum Pastoralverbund gehörenden Gemeinden ist von einer  Diaspora-Situation geprägt.

Karl-Heinrich Graute empfing 1995 in Paderborn das Sakrament der Priesterweihe. Nach Einsätzen als Vikar – unter anderem in Winterberg, Anröchte und Gütersloh – übernahm er 2004 als Pfarrer die Pfarrei St. Goar in Hesborn.

2005 wurde er Pfarrer von St. Heribertus Hallenberg und zugleich Leiter des Pastoralen Raumes Hallenberg.

2014 wechselte Pfarrer Graute als Leiter in den Pastoralverbund Lübbecker Land und übernahm dort als Pfarrer die Pfarrei St. Marien Espelkamp.

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