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© Wirestock Creators / Shutterstock.com
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„Auf Gott kann ich mich verlassen“

Darum hat sich Franziska Kalin mit 33 Jahren taufen lassen

Die Taufe ist der Aufbruch im Leben von Christinnen und Christen. Zumindest theologisch: Der alte Mensch stirbt. Der neue Mensch steht mit Jesus wieder auf und beginnt ein neues Leben. Gereinigt von Sünden, mit Christus verbunden, als Teil der Gemeinschaft der Kirche.

Von diesem Aufbruch bekommen die meisten aber nichts mit. 98 Prozent der katholischen Taufen im Jahr 2024 waren mit Kleinkindern. Wie ist es, als Erwachsener diesen Schritt zu gehen? Ist es ein Aufbruch in ein neues Leben?

Darüber sprechen wir mit Franziska Kalin aus Hagen-Haspe. Die 33-Jährige, die in einem Pflegeheim arbeitet, hat sich im September vergangenen Jahres taufen lassen – zusammen mit ihrer Tochter Emilia.

Schon als Kind zu Gott gebetet

Franziska Kalin sollte selbst entscheiden, welchen Weg im Glauben sie mal geht. Deswegen haben ihre Eltern sie nicht taufen lassen. Doch obwohl bei ihr zu Hause niemand religiös war, hatte Kalin schon als Kind einen Draht nach oben. Sie kann nicht erklären, warum das so ist, aber sie erzählt, dass sie immer schon zu Gott gebetet hat. Zum Beispiel dafür, dass ihre Oma wieder gesund wird.

„Wenn es der Oma dann besser ging“, sagt Kalin, „war für mich als Kind klar, dass Gott meiner Oma geholfen hat.“ Es war wie ein Erfolgserlebnis, dass ihr Gebet etwas bewirkt hat. Sie sagt: „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich auf Gott verlassen kann.“

Neben Erfolgserlebnissen kommen schwierige Phasen. In der Pubertät, in der Partnerschaft, in der Familie. Kalin macht die Erfahrung, dass es nicht immer so leicht ist, wie sie es als Kind glaubte: Ich bete für etwas und Gott erhört das Gebet.

Das ist zum Beispiel so, als ihre Großeltern starben: vor fünf Jahren ihr Opa, vor zwei Jahren ihre Oma. Beide waren für sie wichtige Bezugspersonen, die in der Kindheit nebenan gewohnt haben.

Franziska Kalin sagt: „Da war mein Wunsch, dass Oma überlebt. Aber ihr Wunsch war, dass sie zu Opa geht. Da wurde ihr Wunsch erhört – und das ist auch in Ordnung so.“

In dieser Phase betet Kalin immer wieder: „Gott, gib mir die Kraft, das durchzustehen.“

Die Entscheidung für die Taufe

33 Jahre lang lebt Franziska Kalin mit Gott verbunden, aber nicht getauft. Den Weg zur Taufe findet sie vor allem über ihre Tochter. Als Emilia vor sieben Jahren geboren wird, ist Kalin klar: Ihre Tochter soll irgendwann getauft werden. Dieser Wunsch ist mal stärker, mal schwächer. Als Franziska Kalin dann vor Jahren ihren neuen Partner findet, der auch an Gott glaubt, wird das Thema Taufe immer präsenter.

Den finalen Anstoß dafür gibt dann Tochter Emilia selbst. Sie möchte unbedingt in diesem Jahr mit ihren Freundinnen und Freunden zur Erstkommunion gehen. Dafür muss sie getauft sein.

Also kontaktiert Franziska Kalin das Pfarrbüro. Mutter und Tochter gehen gemeinsam zu Gesprächen mit Vikar Mike Hottmann. Mehr und mehr entsteht durch die Begleitung der Gedanke, dass sich Franziska Kalin ebenfalls taufen lassen könnte, um ihren Glauben zu festigen, neu aufzubrechen und für Emilia ein Vorbild zu sein.

"Ich habe mich frei gefühlt"

Am 21. September 2025 ist es so weit. Franziska und Emilia Kalin werden getauft. Zu Hause ziehen sie ihr „Taufgewand“ an. Mama trägt einen weißen Jumpsuit, Emilia ein weißes Kleid mit Stöckelschuhen.

Dann geht’s zur Kirche. Es ist ein Sonntagsgottesdienst, die Kirche ist voll, Franziska Kalin furchtbar nervös. Nervosität, die zeigt, dass etwas Besonderes ansteht.

Vom Moment des Taufritus erzählt Kalin gar nicht viel. Dafür umso mehr von der Bedeutung und dem Effekt. Sie sagt: „Ich finde es cool, dass wir das als gemeinsames Erlebnis gemacht haben.“ Und: „Nach der Taufe habe ich mich vollgeladen positiv gefühlt. Ich war richtig positiv gestimmt, habe mich frei gefühlt – bereinigt von vergangenen Sünden.“

Doch wie es mit Aufbrüchen so ist: Die Emotion verfliegt, der Alltag und damit die eigentliche Challenge folgen. Das weiß auch Vikar Mike Hottmann, der Kalin auf die Taufe vorbereitet hat. Er sagt: „Schauen wir uns nur das Volk Israel an – sie sind euphorisch, weil sie von Gott auserwählt wurden, dann brechen sie auf und fangen schon am Berg Horeb an zu murren.“

Seine Message: „Aufbruch ist mehr als ein einmaliges Geschehen mit großen Emotionen. Aufbruch heißt, täglich immer wieder neu aufzubrechen, umzukehren, sich neu auf Gott zu fokussieren. Im Christentum geht’s nicht um Perfektion, sondern um Treue – weil Treue Ausdruck von Liebe ist. Und Treue heißt auch, den nächsten Aufbruch wieder zu machen.“

"Alles passiert aus einem Grund"

Sich neu auf Gott fokussieren – für Franziska Kalin bedeutet das vor allem zwei Dinge. Erstens, sich in schwierigen Momenten Gott im Gebet anzuvertrauen. Zweitens, ihm zu danken. Sie sagt: „Das bringe ich auch meiner Tochter bei, dass wir dankbar sein müssen für das, was wir haben.“

Dann blickt sie zu ihrem Partner und sagt: „Gestern Abend habe ich noch zu dir gesagt: Wir sollten dankbar sein für das, was wir haben. Wir fühlen uns gerade müde und kaputt, haben finanzielle Ängste, schimpfen über das Wetter, würden am liebsten in den Urlaub fliegen – aber wir sollten nicht so negativ sein. Wir können dankbar dafür sein, dass wir uns haben, dass wir gesund sind, dass wir satt werden, dass wir die Heizung aufdrehen können.“

Neben dieser Dankbarkeit trägt Franziska Kalin auch Gottvertrauen und Optimismus im Herzen. Sie sagt: „Ich habe das Gefühl, dass ich mich auf Gott verlassen kann. Er hat mir geholfen, aus schwierigen Situationen rauszukommen. Entweder, weil er die Situation gelöst hat, oder weil er mich stärker gemacht hat, damit ich den Weg gehen kann.“

Durch ihre Erfahrungen hat sie das Gefühl, dass sie innerlich weiß, dass alles besser wird. Wenn sie einen schlechten Tag hat, wenn sie sich kraftlos und überreizt fühlt, sagt sie am Ende des Tages immer wieder zu sich und ihrem Partner: „Das ist jetzt so schwierig, aber alles passiert aus einem Grund und irgendwann wird alles besser.“

Eine innere Gewissheit, die von Gott kommt? „Bestimmt“, antwortet Kalin und lächelt. Sie wirkt bereit, immer wieder aufzubrechen.

Ein Beitrag von:
Portraitbild
Redakteur

Tobias Schulte

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© Markus Nowak / Bonifatiuswerk

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