logocontainer-upper
logocontainer-lower
© Shutterstock AI / Shutterstock.com
© Shutterstock AI / Shutterstock.com

3. Fastensonntag: „Jesus wartet nicht auf perfekte Menschen“

Der Theologe und Kirchenmusiker Bernd Michael Pawellek findet - ausgehend vom Evangelium des 3. Fastensonntags - eine Antwort auf brandaktuelle Fragen.

Seit neun Jahren leitet Bernd Michael Pawellek das Kolping-Sozialseminar in Detmold, eine Fachschule für Sozialpädagogik. Darüber hinaus gehört er u.a. als Kirchenmusiker zum Team des Pastoralen Raums Lippe-West. Immer sonntags veröffentlicht der Theologe sein „Ein Wort an Dich“ auf der Seite des Pastoralen Raumes Lippe-West. Es ist als Impuls für die Woche gedacht. Diesen teilt er zum dritten Fastensonntag hier mit uns.

 

Redaktion

Herr Pawellek, wie kam es zum regelmäßigen Impuls „Ein Wort für dich“ an jedem Sonntag?

Bernd Michael Pawellek

Der liturgische Dienst ist über all die Jahre ein fester Bestandteil meines Glaubens- und Lebensweges geblieben. In der Coronazeit stellte sich – in Absprache mit Pfarrer Michael Karsten – sehr konkret die Frage: Wie kann Kirche Menschen erreichen, wenn Nähe plötzlich nicht mehr möglich ist? So entstand die Idee, in Zeiten der Distanz einen geistlichen Impuls dorthin zu bringen, wo die Menschen sind – nach Hause, auf das Smartphone, in den Alltag. Das gesamte Pastoralteam war eingeladen, sich daran zu beteiligen und jeweils einen eigenen Impuls zu gestalten.

Nach der Pandemie blieb bei mir der Gedanke: Diese Form der Verkündigung soll nicht einfach enden. So reifte die Idee, das Projekt fortzuführen – mit Impulsen zum jeweiligen Fest- oder Sonntagsevangelium. Daraus wurde „Ein Wort für dich“: ein verlässlicher, bleibender Ort auf unserer Homepage, der Menschen auch über besondere Zeiten hinaus begleiten und stärken will – Woche für Woche, mitten im Leben.

Zum dritten Fastensonntag behandelt der Impuls die Begegnung von Jesus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen.

Eine fotorealistische Darstellung der biblischen Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen.. © Shutterstock AI / Shutterstock.com
Eine fotorealistische Darstellung der biblischen Begegnung zwischen Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen.

Evangelium des 3. Fastensonntags

»Jesus kam zu einer Stadt in Samarien. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.  Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin,
um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!«

Joh 4, 5-42

Redaktion

Nun aber in medias res: Was möchten das Evangelium des 3. Fastensonntags den Menschen sagen?

Bernd Michael Pawellek

Eine Frau kommt zum Brunnen, als niemand da ist. Mittags. Gluthitze. Wer da bewusst kommt, will oft niemandem begegnen. Keine Fragen. Keine Blicke. Kein Gerede. Und genau da sitzt Jesus schon. Am Brunnen. Im Staub. Mitten im echten Leben. Das ist die erste Botschaft dieses Evangeliums: Jesus wartet nicht auf perfekte Menschen. Er trifft Menschen da, wo Müdigkeit wohnt. Wo Wunden offen sind. Wo kein Glanz mehr reicht. Wo nur noch Funktionieren übrig ist. Genau so fühlt sich gerade vieles in der Welt an. Die Welt wirkt müde. Kriege reißen nicht ab. Kinder wachsen mit Angst im Bauch auf. Familien stehen unter Druck. Und die Erde selbst schreit – mit Bränden, Fluten, Dürren. Vieles ist laut. Vieles ist aggressiv. Vieles ist kalt. Durchhalten. Und innen: trocken. Genau da hinein sagt Jesus: „Gib mir zu trinken.“

Redaktion

Was steckt hinter diesem Satz?

Bernd Michael Pawellek

Beziehung. Jesus sagt im Grunde: Ich will nicht zuerst über dich reden. Ich will mit dir reden. Und aus diesem Satz wächst alles. Denn Jesus bleibt nicht an der Oberfläche. Er geht tiefer. Er spricht den Durst an. Der Durst dieser Frau ist nicht Wasser. Es ist der Durst nach Angesehen werden. Nach Liebe. Nach Würde. Nach einem Leben, das nicht nur aus Scherben besteht. Und damit ist dieses Evangelium brandaktuell.

Redaktion

Wonach dürsten die Menschen aktuell?

Bernd Michael Pawellek

Sie dürsten nach Frieden, nach Wahrheit – und bekommen Propaganda. Sie wollen Halt und bekommen Überforderung. Sie sehnen sich nach Hoffnung – und scrollen sich durch die nächste Katastrophe. Und Jesus sagt: Ich habe mehr. Mehr als kurzfristige Beruhigung. Mehr als religiöse Kosmetik. Mehr als ein nettes „Kopf hoch“. Ich habe lebendiges Wasser. Das heißt: Hoffnung, die nicht morgen verdunstet. Liebe, die nicht beim ersten Gegenwind abhaut. Wahrheit, die nicht zerstört, sondern heilt. Geist, der ausgetrocknete Herzen wieder lebendig macht.

Zur Person: Bernd Michael Pawellek

  • Bernd Michael Pawellek ist 57 Jahre alt, katholischer Theologe und hat in Paderborn und Würzburg studiert, u.a. auch Psychologie und Germanistik
  • Über 14 Jahre war er als Lehrer für Deutsch und Katholische Religion am Lüttfeld-Berufskolleg in Lemgo tätig, bevor er 2017 die Leitung des Kolping Sozialseminar in Detmold übernahm
  • Seit mehr als 40 Jahren ist er in unterschiedlichen Gemeinden nebenamtlich als Kirchenmusiker engagiert sowie Mitglied im Pfarrgemeinderat und im Kirchenvorstand seiner Heimatgemeinde St. Peter und Paul in Lage
Redaktion

Wie kann diese bereichernde Botschaft heute möglichst viele Menschen erreichen?

Bernd Michael Pawellek

Da richtet sich der Blick auf die Kirche. Auch sie steht gerade am Brunnen. Seelsorgeeinheiten werden größer. Personal wird weniger. Gebäude stehen zur Disposition. Vertrautes verschwindet. Sicherheiten bröckeln. Und manche fragen bitter: Was bleibt? Das Evangelium antwortet: Vielleicht weniger als früher, aber vielleicht echter. Denn weniger Personal heißt nicht weniger Glaube. Weniger Gebäude heißt nicht weniger Evangelium. Weniger Struktur heißt nicht weniger Kirche. Kirche war nie zuerst ein Immobilienbestand. Kirche war nie zuerst Verwaltung. Kirche lebt von Menschen, die Christus begegnen. Am Brunnen. Im Alltag. Mitten im Durst. Kirche braucht jetzt mehr denn je Wahrheit. Mehr Verantwortung. Mehr Umkehr. Und vielleicht ist genau das die Fastenzeit: Nicht nur weniger Süßes. Sondern weniger Ausreden. Weniger Floskeln. Weniger Selbstberuhigung. Mehr Klarheit. Darum ist es gut, dass in dieser Woche die Veröffentlichung der Studie zum Missbrauch im Erzbistum Paderborn ansteht. Auch sie bringt Wahrheit, die gesehen und anerkannt werden muss.

Redaktion

Wie können wir hier auf Jesus schauen?

Bernd Michael Pawellek

Jesus sieht die Frau am Brunnen und ihr Leben. Er kennt ihre Geschichte. Und trotzdem bleibt er. Das ist der Wendepunkt. Er bleibt, spricht, ruft und weckt. Und plötzlich wird aus einer, die ausweicht, eine Botin. Aus einer Versteckten eine, die andere ruft. Aus Scham wird Zeugnis. Aus Bruchstücken wird Sendung. So handelt Gott. Er macht Zukunft aus kaputten Geschichten. Darum ist dieses Evangelium eine Ostergeschichte auf dem Weg nach Ostern.

Denn Ostern heißt nicht: Alles halb so schlimm. Ostern heißt: Das Schlimme bekommt nicht das letzte Wort. Nicht Krieg. Nicht Schuld. Nicht Scham. Nicht kirchliches Versagen. Nicht Enttäuschung. Nicht innere Leere. Jesus ist auch heute da. Und die Frage dieses Sonntags ist schlicht: Woraus lebt das Herz? Woraus lebt diese Kirche? Aus Gewohnheit? Aus Fassade? Aus Pflicht? Oder aus der Quelle?

 

Weitere Einträge

© Archiv / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Im Geist der Heiligen Hedwig: Einsatz für Vertriebene und ihre Anliegen

Hedwigswerke, die sich nach dem 2. Weltkrieg gründeten, halfen Vertriebenen, anzukommen. Das Erzbistumsarchiv erinnert an Vertriebenenseelsorger Pfarrer Wilhelm Trennert und lädt zum Publikumstag am 27. März 2026.
© 2024 World Day of Prayer International Committee, Inc.

Unser Glaube „Kommt, bringt Eure Last“: Im Dialog mit Gott zum Weltgebetstag und im Alltag

Am heutigen Freitag, 6. März, ist Weltgebetstag - er startet mit einem Gottesdienst in Nigeria. Beten kann befreien - und verbinden. Mehr zum Thema Gebet, Weltgebetstag und dem weltweiten Gebetsnetzwerkes des Papstes.
© Tobias Schulte / Erzbistum Paderborn

Unser Glaube Stress, Krise Was hilft? Wo ist Gott?

Im Interview sagt Abt Mauritius Wilde, was guten von schlechtem Stress unterscheidet – und warum er keine Angst mehr vor Krisen hat.
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0