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Erzbistum Paderborn
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Rafal Kubiak / Shutterstock.com

Die Ostergeschichte

Erzählt nach den vier Evangelien Markus, Matthäus, Lukas und Johannes

Drei Jahre ist Jesus von Nazareth inzwischen in Galiläa und Judäa unterwegs. Drei Jahre lang hat er Jünger um sich geschart, Kranke geheilt, Wunder gewirkt, Sündern vergeben und den Menschen von seinem Gott erzählt. Letztlich ist es dieser Gott, der alles möglich macht, was Jesus tut und sagt. „Vater“ nennt er ihn. Noch nie hat jemand so von Gott gesprochen – als ob er ein naher Verwandter wäre.

Jesus macht sich mit seinem Wirken aber nicht nur Freunde. Als er damit beginnt, sich als „Gottes Sohn“ zu bezeichnen, zieht er endgültig den Zorn der Mächtigen, Hohepriester und Älteste, auf sich. Sie empfinden es als Gotteslästerung, dass Jesus so spricht. Auch vieles was Jesus tut, passt ihnen nicht, etwa sein freundschaftliches Verhältnis zu jenen Menschen, die in der Gesellschaft als Sünder gelten. Deshalb beschließen sie, ihn zu töten und suchen nach einem geeigneten Weg.

Jesus weiß, dass er bald sterben muss und dass ein schwerer Weg vor ihm liegt. Davor zu fliehen kommt nicht in Frage. Es ist mehr als ein Gefühl, dass Gott für ihn „Vater“ ist. Er ist davon überzeugt und hat es erfahren, dass Gott alle Menschen so sehr liebt wie Eltern ihre Kinder lieben. Und dass es die Welt zu einem besseren Ort machen würde, wenn alle dies erfahren und wirklich daran glauben. „Reich Gottes“ nennt er diesen Ort, zu dem die Welt dann würde. Er ist bereit, dafür zu sterben. Mit seinem Tod, so sein fester Glaube, wird sich die Liebe Gottes zu den Menschen auf unvorstellbare Weise offenbaren.

Ein besonderes Abschiedsessen

Doch zunächst heißt es Abschied zu nehmen. Als das Paschafest anbricht, lädt Jesus den engsten Kreis seiner Jünger zu einem letzten gemeinsamen Essen ein. Diese ahnen noch nichts von dem, was bald mit Jesus geschehen wird. Sie wissen auch nicht, dass in ihren Reihen mittlerweile ein Verräter sitzt. Denn Judas Iskariot, einer der Zwölf, hat mit den Hohepriestern die Vereinbarung getroffen, dass er ihnen Jesus für 30 Silberlinge ausliefern wird. Jesu Feinde wissen also jetzt, wie sie seiner habhaft werden können.

Die Jünger sind erstaunt über das, was sie an diesem Abend alles erfahren. Zunächst teilt Jesus mit ihnen Brot und Wein und verknüpft dies mit seinem bevorstehenden Leiden. „Das ist mein Leib“, sagt er, als er das Brot bricht, „Das ist mein Blut“, als er den Kelch mit Wein herumreicht. Eine Überraschung ist auch die Fußwaschung, die Jesus an ihnen vornimmt. Petrus, einer der Jünger, reagiert unwillig darauf: Der Mann, der Wunder wirkt und den er verehrt, soll sich nicht so verhalten wie ein niederer Diener. Doch Jesus macht ihm klar, dass genau das die Aufgabe derer ist, die sich als seine Anhänger bezeichnen: Sie stehen nicht über den Menschen, sie dienen ihnen.

Wenig später steht Petrus noch ein weiteres Mal im Mittelpunkt: „In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“, sagt er ihm. Petrus weist dies weit von sich: „Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen!“ Ein weiteres Wort gilt Judas: Jesus konfrontiert ihn direkt damit, dass er ein Verräter ist, woraufhin dieser den Kreis der Jünger verlässt.

"Meine Seele ist zu Tode betrübt"

Trotz aller Gottesnähe bleibt Jesus doch ein Mensch, und Menschen fürchten sich vor dem Tod. Als er sich nach dem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemani begibt, trifft ihn diese Angst mit voller Wucht. „Meine Seele ist zu Tode betrübt“, klagt er. Inständig fleht er Gott an, diesen Kelch doch an ihm vorübergehen zu lassen. Vielleicht gibt es doch einen anderen Weg als der grausame Tod, der vor ihm liegt? Am Ende jedoch ist er sich seiner selbst wieder gewiss: Um der Menschen willen muss es so geschehen. Was er der Welt zu geben hat, kommt nur zur Vollendung, wenn er diesen schweren Weg geht.

Wenig später ist es soweit: Angeführt von Judas kommen Männer in den Garten, die von den Hohepriestern und Ältesten ausgeschickt wurden. Judas hat sich eine List überlegt, um auf Jesus aufmerksam zu machen: Er küsst ihn auf die Wange. Daraufhin verhaften die Männer Jesus. Plötzlich ist Jesus allein: Seine Jünger fliehen in alle Himmelrichtungen, nur Petrus folgt ihm in gebührendem Abstand bis zum Haus des Hohepriesters Kajaphas, wo sich auch die anderen Hohepriester und Ältesten eingefunden haben.

Im Haus des Kajaphas fragen sie Jesus, ob er tatsächlich glaubt, Christus, der Sohn Gottes zu sein. Als er dies bejaht, ist für sie die Sache klar: Jesus lästert Gott, was für sie Grund genug ist, ihn hinrichten zu lassen. Doch da es ihnen nach dem Gesetz nicht gestattet ist, jemanden hinzurichten, schicken sie ihn zu Pilatus, dem römischen Statthalter. Sie hoffen, ihn von Jesu Schuld überzeugen zu können, damit er ihn kreuzigen lässt.

Jesus vor dem Hohen Rat und Pilatus

Unterdessen muss Petrus erleben, dass es gar nicht so leicht ist, sich todesmutig zu Jesus zu bekennen, wie er das vor wenigen Stunden noch gedacht hat. Dreimal wird er von den Dienern und Mägden, die sich beim Haus des Kajaphas aufhalten, nach Jesus gefragt. Dreimal behauptet er, ihn nicht zu kennen – kurz danach kräht ein Hahn. Als ihm bewusst wird, dass er Jesus tatsächlich noch vor dem ersten Hahnenschrei dreimal verleugnet hat, ist er am Boden zerstört und weint bitterlich.

Kurz danach wird Jesus zu Pilatus geführt. Dieser weiß nicht recht, was er mit diesem Menschen, der ihm da gegenübersteht, anfangen soll. Er scheint kein gewöhnlicher Gefangener zu sein. Er spürt, dass die Hohepriester Jesus unbedingt töten wollen und zögert, einfach ein Todesurteil zu sprechen. Auch als Jesus auf seine Frage hin bestätigt, der König der Juden zu sein, eine Behauptung, die in römischen Ohren gefährlich und aufrührerisch klingen muss, ist er nicht von Jesu Schuld überzeugt.

Stattdessen erinnert er sich an den Brauch, dass er vor dem Paschafest einen Gefangenen begnadigen darf. Also fragt er die versammelte Menge, wen er freilassen soll, Jesus oder den Schwerverbrecher Barabbas. Die von den Hohepriestern und Ältesten aufgestachelten Menschen verlangen die Freilassung von Barabbas. Pilatus sieht jetzt keinen Ausweg mehr und verurteilt Jesus zum Tod. Doch er tut dies mit unguten Gefühlen. Vor aller Augen wäscht er sich die Hände. „Ich bin unschuldig am Blute dieses Menschen!“ sagt er.

Der Kreuzweg

Nun wird deutlich, wie schwer der Weg ist, den Jesus zu gehen hat. Pilatus lässt Jesus geißeln und liefert ihn zur Kreuzigung aus. Die Soldaten, denen er übergeben wird, verspotten ihn: Sie ziehen ihm die Kleider aus, legen ihm einen purpurroten Mantel um und setzen ihm eine Dornenkrone auf. Dann legen sie ihm das Kreuz auf den Rücken, das er bis zum Hügel Golgotha tragen soll, dem Ort der Kreuzigung. Auf dem Weg dahin zwingen sie dann aber einen Mann namens Simon von Cyrene, Jesu Kreuz zu tragen.

Auf Golgotha angekommen schlagen die Soldaten Jesus ans Kreuz. Oben am Kreuz bringen sie eine Tafel an, das Jesus Schuld anzeigen soll: „Das ist Jesus, der König der Juden“. Viele Leute kommen vorbei, darunter auch Hohepriester und Älteste. Sie verhöhnen Jesus: Wo ist jetzt seine ganze Macht, mit dem er Wunder vollbracht hat? Sieht man jetzt nicht, dass er nur ein ganz gewöhnlicher Mensch ist? Wäre er Gottes Sohn, dann müsste er jetzt doch vom Kreuz herabsteigen können…

Aber was für Jesus vermutlich viel schlimmer ist als ihr Hohn: Er empfindet die Nähe Gottes nicht mehr, derer er doch in der Zeit seines Wirkens so gewiss war. Die Nähe, die ihm die Kraft gab, den Weg bis ans Kreuz zu gehen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ schreit er jetzt. Um dann doch mit seinen letzten Atemzügen festzustellen: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Nach diesen Worten stirbt Jesus.

Nur ein Mensch?

Wenig später sind sich die umherstehenden Leute, die das ganze Schauspiel verfolgt haben, nicht mehr so sicher, dass da ein ganz gewöhnlicher Mensch gestorben ist. Denn es legt sich eine Finsternis über das Land, die Erde bebt und die Felsen spalten sich. Der römische Hauptmann, der die Kreuzigung überwacht hat, fühlt sich sogar zu der Feststellung veranlasst: „Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser!“

Im Hohen Rat gibt es ein Mitglied, das mit dem Vorgehen der anderen Hohepriester gegen Jesus nicht einverstanden war: Josef von Arimathäa. Als er sieht, dass Jesus tot ist, bittet er Pilatus um Erlaubnis, den Leichnam bestatten zu dürfen, was dieser ihm auch gewährt. Josef lässt Jesus in dem Felsengrab bestatten, das eigentlich für ihn selbst gedacht war. Vor die Öffnung wird ein schwerer Stein gewälzt.

Damit ist die Geschichte des Jesus von Nazareth zu Ende, so scheint es zumindest. Trotz aller Wunder, die er gewirkt hat, trotz aller Geschichten, die er von Gott und seinem Reich erzählt hat – man wird sich schon bald nicht mehr an ihn erinnern. Seine Jünger sind geflohen und vermutlich froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Vermutlich trauern sie der schönen Zeit mit Jesus nach und dem Traum von einem anderen, besseren Leben – es war am Ende doch nur ein Traum.

"Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?"

Der Tag des Sabbats vergeht, ohne dass etwas geschieht. Dann, am frühen Morgen des ersten Wochentages, kommt Maria von Magdala, die Jesus auf seinem irdischen Weg begleitet hat, zusammen mit einer Begleiterin zum Grab. Was die Frauen dort sehen, trifft sie wie ein Schlag: Der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer, Jesu Leichnam ist nicht dort. Zunächst denken sie an einen Diebstahl. Doch dann begegnet ihnen zwei geheimnisvolle Männer in leuchtenden Gewändern, die etwas Unglaubliches verkünden: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ fragen sie die Frauen. „Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“

Kann das sein? Jesus lebt? Die beiden Frauen können es kaum glauben, sind trotzdem voller neuer Hoffnung und eilen zu den elf Jüngern, um ihnen davon erzählen. Diese können und wollen es auch nicht glauben. Doch dann häufen sich Berichte von Menschen, die Jesus gesehen haben. Besonders ergreifend berichten zwei Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus waren, von einer Begegnung. Jesus habe sich auf dem Weg zu ihnen gesellt, erzählen sie, doch sie hätten ihn zunächst nicht erkannt. Erst als er mit ihnen das Brot gebrochen und geteilt habe – wie beim letzten Abendmahl – sei ihnen bewusst geworden, dass es sich um Jesus handele.

Jesus hat den Tod besiegt

Und dann tritt Jesus tatsächlich in die Mitte der elf Jünger und trägt ihnen auf, seine Botschaft von Gott, dem Vater, und seinem kommenden Reich weiterzutragen. Nun besteht kein Zweifel mehr: Jesus ist wirklich auferstanden, nichts von dem, was er begonnen hat, ist verloren. Er, der es vermochte, mit göttlicher Kraft Wunder zu wirken und den Menschen mit seinem Traum vom Reich Gottes neue Hoffnung zu geben, ist nicht im Grab geblieben.

Und so hat Jesus den Tod besiegt – für alle Menschen auf der Erde. Niemand muss auf seine Gegenwart verzichten, wie Jesus selbst es gesagt hat:

„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

 
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