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Pressemeldungen
2
Juni
2020
Paderborn

Gott in den Mittelpunkt stellen

Was macht eigentlich ein Weihbischof? Gespräch mit Weihbischof Hubert Berenbrinker zum 70sten

Vielen ist Hubert Berenbrinker als Priester, ehemaliger Dechant und Regionaldekan im Süden des Erzbistums sowie als ehemaliger Personal-Chef der Erzdiözese Paderborn bekannt. Zahlreiche Menschen kennen ihn auch aus vielfältigen Begegnungen als Weihbischof: Weihbischof Hubert Berenbrinker vollendet am 7. Juni 2020 sein 70stes Lebensjahr. Seit dem Jahr 2008 ist der 1950 in Verl geborene Geistliche im Erzbistum Paderborn als Weihbischof tätig, unter anderem auch als Bischofsvikar für die Begleitung der Ruhestandsgeistlichen. Was macht Hubert Berenbrinker in seinem Dienst als Weihbischof, was tut er in der besonderen Zeit der Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen? Mit Weihbischof Hubert Berenbrinker sprach Thomas Throenle über seine Tätigkeit als Weihbischof im Erzbistum Paderborn.

Weihbischof Hubert Berenbrinker vollendet am 7. Juni 2020 sein 70stes Lebensjahr. Wir sprachen mit ihm über seine Tätigkeit im Erzbistum Paderborn als Weihbischof. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Weihbischof Berenbrinker, dass ein Erzbischof ein Bistum leitet, das ist bekannt, aber was macht eigentlich ein Weihbischof von „früh bis spät“?

Weihbischof Berenbrinker

Die generelle Aufgabe eines Weihbischofs ist es, den Diözesanbischof bei der gesamten Leitung der Diözese zu unterstützen und ihn bei Abwesenheit oder Verhinderung zu vertreten. Das geschieht beispielsweise durch die Visitation, bei der der Weihbischof die Gemeinden besucht, katholische Einrichtungen wie Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser, Schulen und vieles mehr. Im Erzbistum Paderborn gehört auch dazu, das Sakrament der Firmung zu spenden. So hatte ich im Jahr 2018 fast 100 Firmgottesdienste. 3.721 Jugendlichen durfte ich das Firmsakrament spenden. Ein Weihbischof vertritt den Bischof bei Gemeindejubiläen, weiht in seinem Auftrag Kirchen und Altäre und er begleitet diözesane Wallfahrten und steht besonderen Gottesdiensten vor.

Diese Aufgaben bringen eine Vielzahl an Gesprächen und Begegnungen mit sich: mit Priestern, Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten, den Leitern und Mitarbeitern in den Einrichtungen, mit kirchlichen Gremien und Vertretern unserer katholischen Verbände auf Ort- und Dekanatsebene. Als Weihbischof bin ich also viel unterwegs und führe zahlreiche Gespräche.

Das klingt nach viel Arbeit. Gibt es für einen Weihbischof auch ungewöhnlichere Aufgaben, Aufgaben, die nicht alltäglich sind, die aus dem Rahmen fallen?

Weihbischof Berenbrinker

Ja, das ist oft viel Arbeit. Aber wenn die Arbeit Freude bereitet, ist das kein Problem. Ein besonderer Augenblick ist für mich die Beauftragung von Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten sowie die Spendung des Weihesakraments. Wahrzunehmen, dass junge Menschen zum Ruf Gottes an sie ja sagen und ihrer Berufung folgen, das fasziniert mich: Als Weihbischof darf ich diese Frau oder diesen Mann in den Dienst der Kirche aufnehmen und senden.

„Die generelle Aufgabe eines Weihbischofs ist es, den Diözesanbischof bei der gesamten Leitung der Diözese zu unterstützen“, erläutert Weihbischof Hubert Berenbrinker seine Aufgabe als Weihbischof. Hier steht er an der Seite von Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Prozession zur Rückführung der Reliquien des Bistumspatrons am Libori-Dienstag 2019. Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Wie wird man eigentlich Weihbischof? Und hat man die Wahl, Nein zu sagen?

Weihbischof Berenbrinker

Oh, das weiß ich noch ganz genau: Es war der 15. April 2008, als Erzbischof Hans-Josef Becker mir mitgeteilt hat, dass mich der Papst zum Weihbischof in Paderborn ernannt hat. Das war für mich völlig überraschend. Der Kandidat kann nur ablehnen, wenn etwas Wichtiges der Übernahme der neuen Aufgabe entgegensteht.

Wie kam es zu Ihrem Wahlspruch „Alles, was atmet, lobe den Herrn! Alleluja!“? Ist es „nur“ ein „Spruch“ oder finden Sie in ihm immer wieder Ermutigung?

Weihbischof Berenbrinker

In meiner Zeit als Pfarrer in Siegen habe ich einmal mit Jugendlichen, die Interesse am Priesterberuf hatten, Psalm 150 betrachtet. Er war zunächst ziemlich sperrig für uns. Aber je intensiver wir uns mit ihm beschäftigten, desto mehr erschloss er sich uns als eine großartige Vision: dass Himmel und Erde, Engel, Heilige und Menschen, ja, die ganze Schöpfung verbunden sind im Lob der Größe Gottes und seiner Taten. Der kurze Psalm endet in dem Vers: „Alles, was atmet, lobe den Herrn! Alleluja!“. Ich habe diesen Vers so lieb gewonnen, dass ich ihn zu meinem bischöflichen Wahlspruch gemacht habe. Er bringt auch meine Verbundenheit zur Natur zum Ausdruck.

Weihbischof Hubert Berenbrinker ist fasziniert, wenn junge Menschen zum Ruf Gottes an sie ja sagen und ihrer Berufung folgen. Hier im Gottesdienst zur Beauftragung von Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten zum Dienst im Erzbistum Paderborn im Jahr 2014. Archiv-Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Was ist Ihnen besonders wichtig in Ihrem Dienst als Weihbischof?

Weihbischof Berenbrinker

Zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Seelsorge und gerade zu Geistlichen sage ich immer: „Wir feiern nicht uns selbst, sondern den Herrn und seine Heiligen!“. So ist es mir auch als Weihbischof immer wichtig, Gott in den Mittelpunkt zu stellen, den Gott, der um unseres Heiles willen Mensch geworden ist.

Woran erinnern Sie sich gerne in Ihrem Dienst?

Weihbischof Berenbrinker

In besonders guter Erinnerung ist mir die Begleitung der Messdienerinnen und Messdiener aus unserer Erzdiözese bei den internationalen Ministranten-Wallfahrten nach Rom 2015 und 2018: So viel Glaubensfreunde bei jungen Menschen – das war ein Zeugnis, das auch mir viel Mut im Hinblick auf die Zukunft der Kirche geschenkt hat.

Mit Dankbarkeit darf ich bei meinen Besuchen in den Gemeinden und Dekanaten immer wieder feststellen, wie viele hochmotivierte und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wir vor Ort haben, besonders wie viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich denke an den Bereich Gottesdienst: Da haben wir Messdienerinnen und Messdiener, Kommunionhelfer, Leiter von Wortgottesfeiern, Lektoren, Musik- und Gesangsgruppen. Ich denke an den Bereich Glaubensweitergabe, in dem Katechetinnen und Katecheten in Tauf-, Kommunion- und Firmvorbereitung Verantwortung übernehmen. Ich denke an die Mission, die Eine-Welt-Arbeit und die Caritas mit den vielen Helfergruppen und Initiativen. Nicht zu vergessen sind die Gremien der Mitbestimmung wie Pfarrgemeinderäte, Pastoralverbundsräte und Kirchenvorstände. Viele engagieren sich auch in Jugend- und Erwachsenenverbänden. All das macht mich dankbar und lässt mich mit Zuversicht in der Zukunft schauen, gerade auch angesichts der großen Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Gibt es auch Dinge, bei denen Sie schon mal mit sich kämpfen müssen in Ihrem Dienst als Weihbischof?

Weihbischof Berenbrinker

Nun, ich bin kein großer Prediger. Spontan und frei zu predigen, das fällt mir schwer. Ich muss mich immer gut vorbereiten und habe immer einen ausgeschriebenen Text bei mir.

Weihbischof Berenbrinker, Sie sind im Erzbistum Paderborn Bischofsvikar für die Begleitung der Ruhestandsgeistlichen. Was ist Ihnen in diesem Dienst wichtig?

Weihbischof Berenbrinker

In unserem Erzbistum hat jeder Weihbischof neben seinen allgemeinen Aufgaben ein „Spezialgebiet“. Ich habe eine besondere Beauftragung zur Begleitung der Ruhestandsgeistlichen. Das ist eine Aufgabe, die ich sehr gerne wahrnehme, zusammen mit meiner Mitarbeiterin Schwester Gabriele Lüdenbach. Für Priester in der sogenannten dritten Lebensphase machen wir Exerzitienangebote und organisieren Begegnungen zum theologischen, geistlichen und freundschaftlichen Austausch.

Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem mit dem Älterwerden die Kräfte eines jeden merklich nachlassen und an dem er mehr und mehr auf Hilfe von anderen angewiesen ist. Dankbar stelle ich fest, dass viele Priester während ihres langjährigen Dienstes „Freunde“ gefunden haben, die ihnen dann zur Seite stehen. Doch das ist leider nicht immer der Fall. Gerade in dieser Situation wollen wir für unsere älteren Mitbrüder da sein. Dann geht es etwa darum, geeignete Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten zu finden. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl und Geduld. Insgesamt sind die Begegnungen und Gespräche mit den älteren Priestern, die gerade als Seelsorger eine reiche Lebenserfahrung haben, auch für mich persönlich sehr bereichernd.

Als Weihbischof ist Hubert Berenbrinker viel unterwegs und führt zahlreiche Gespräche im Erzbistum Paderborn. Im November 2018 kamen allerdings Vertreter der Dekanate der Erzdiözese in den Dom, um neue Lektionare abzuholen, die ihnen Weihbischof Hubert Berenbrinker gemeinsam mit Generalvikar Alfons Hardt überreichte. Archiv-Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Wenn Sie in Gemeinden sind, führen Sie zahllose Gespräche mit anderen Menschen. Was ist Ihnen im Hinblick auf diese Gespräche wichtig?

Weihbischof Berenbrinker

Ich habe bereits davon gesprochen, wie viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wir haben in unserem Erzbistum. Ihren wichtigen Dienst zu würdigen und entsprechend Dank zu sagen, das ist mir besonders wichtig.

Bei der Spendung des Sakraments der Firmung begegnen Sie vielen jungen Menschen. Was ist Ihnen im Hinblick auf diese Jugendlichen wichtig?

Weihbischof Berenbrinker

Ich erlebe Jugendliche, und das nicht nur im Zusammenhang mit der Firmung, als höflich, hilfsbereit und engagiert. Viele übernehmen Verantwortung als Leiterinnen und Leiter von Messdienergruppen, viele engagieren sich bei der Jugendfeuerwehr, beim Roten Kreuz oder in einem Musikverein oder sie setzen sich ein für die Bewahrung der Schöpfung. Das Engagement von Jugendlichen ist sehr vielfältig. Diese Jugendlichen zu ermutigen ist mir ein großes Anliegen. Sie in ihrem kirchlichen und gesellschaftlichen Engagement durch den Heiligen Geist zu stärken, der ihnen bei der Firmung geschenkt wird.

Wenn Sie Menschen begegnen, die auf dem Weg zu einem Beruf in der Kirche sind oder wenn Sie junge Männer zu Diakonen weihen, was sagen Sie denen und geben ihnen mit auf den Weg?

Weihbischof Berenbrinker

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung kann ich mit dem Propheten Nehemia sagen: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke!“. Wenn jemand berufen ist, macht ihm der Dienst Freude und er findet darin Erfüllung. Das zu bezeugen, das den Frauen und Männern mitzugeben, die einen kirchlichen Beruf wählen oder darüber nachdenken, ist mir wichtig.

Herr Weihbischof, die Corona-Pandemie hat das öffentliche und kirchliche Leben lahm gelegt. Wie hat die Pandemie Ihre Arbeit verändert?

Weihbischof Berenbrinker

In den vergangenen Wochen hätte ich die Familienwallfahrt der Malteser nach Lourdes in Frankreich begleiten dürfen und auch zahlreiche Gottesdienst mit der Spendung des Firmsakraments gehabt. Ich konnte auch keine Besuche bei älteren Priestern machen. Das alles habe ich sehr vermisst. Das fürbittende und stellvertretende Gebet hat für mich in dieser Zeit einen besonderen Stellenwert bekommen, auch bei der Heiligen Messe, die ich regelmäßig gefeiert habe. Und ich bin zum „Telefonseelsorger“ geworden: Mit vielen älteren Priestern, die ihre Wohnung ja nicht verlassen durften, habe ich telefoniert.

Weihbischof Hubert Berenbrinker ist im Erzbistum Paderborn Bischofsvikar für die Begleitung der Ruhestandsgeistlichen: Jährlich lädt er Weihejubilare zum Gottesdienst mit Erzbischof Becker ein. Archiv-Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Sie werden nun selbst 70 Jahre alt. Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die kommenden Jahre als Weihbischof und für Ihre persönliche Zukunft?

Weihbischof Berenbrinker

Ja, auch ich merke, dass ich älter werde. Die notwendigen Zeiten für die körperliche und seelische Erholung werden länger. Manchmal denke ich auch, dass es für die Erzdiözese gut wäre, an meiner Stelle einen Weihbischof zu haben, der einer jüngeren Generation angehört. Doch diese Entscheidung liegt nicht in meiner Hand.

Vielen Dank für das Gespräch.

Vita Weihbischof Hubert Berenbrinker

Hubert Berenbrinker wurde 1950 in Verl geboren. Nach seinem Abitur 1970 studierte er Theologie und Philosophie in Paderborn und Innsbruck. 1977 empfing er von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt das Sakrament der Priesterweihe.

Von 1977 bis 1981 wirkte er als Vikar zunächst in Hagen, danach bis 1983 in Löhne mit den Einsatzschwerpunkten in St. Marien, Kirchlengern, und in St. Michael, Bünde-Holsen. Er war zudem Dekanatsjugendseelsorger im Dekanat Herford. Von 1983 bis 1989 war er als Pfarrvikar in Bünde-Holsen tätig, ab 1988 auch in Kirchlengern.

1989 wurde Hubert Berenbrinker Pfarrer von St. Peter und Paul, Siegen – eine Tätigkeit, die er bis 2004 ausübte. Von 1994 bis 1998 war er zudem Dechant des Dekanats Siegen, im Anschluss an diese Aufgabe übte er bis 2004 das Amt des Regionaldekans der ehemaligen Seelsorgeregion Siegerland-Südsauerland aus. In seine Amtszeit als Pfarrer in Siegen fiel auch die Leitung des Pastoralverbundes Siegen-Süd von 2001 bis 2004.

2004 übernahm Berenbrinker die Leitung der damaligen Zentralabteilung und des heutigen Bereiches Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat. Im Jahr danach erhielt er den Titel eines Päpstlichen Ehrenkaplans (Monsignore).

Im April 2008 wurde Hubert Berenbrinker von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Paderborn und Titularbischof von Panatoria ernannt. Die Bischofsweihe folgte am 15. Juni 2008 durch Erzbischof Hans-Josef Becker. Das Leitwort von Weihbischof Hubert Berenbrinker lautet: „Omne quod spirat, laudet dominum, alleluja“ – „Alles, was atmet, lobe den Herrn! Alleluja!“

Weihbischof Berenbrinker ist Bischofsvikar für die Begleitung der Ruhestandsgeistlichen. Dem Paderborner Domkapitel gehörte Berenbrinker von 2001 bis 2004 als nichtresidierender Domkapitular an, seit Dezember 2004 ist er residierender Domkapitular.

Weihbischof Hubert Berenbrinker ist Mitglied der Ökumenekommission (II) sowie der Kommission für Erziehung und Schule (VII) der Deutschen Bischofskonferenz.

Zu den Aufgaben von Weihbischof Berenbrinker gehört auch die Begleitung von Wallfahrten – beispielsweise die Malteser-Familienwallfahrt nach Lourdes oder mit Ministranten nach Rom –, sowie die Feier von besonderen Gottesdiensten, so wie hier, als Reliquien der heiligen Bernadette Soubirous aus Lourdes im Erzbistum Paderborn zu Gast waren. Archiv-Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Ein Beitrag von:

Thomas Throenle
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