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Warum der heilige Kilian ein Patron des Paderborner Domes ist

Wer ist Patron des Paderborner Domes? Liborius, klar. Aber auch: Kilian. Wie der Frankenapostel nach Ostwestfalen kam und was er den Menschen heute bedeuten kann, verrät der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom
Im Zentrum des Paradiesportals sieht man die drei Patrone des Paderborner Domes: Die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, rechts von ihr der heilige Liborius mit einem Buch in der Hand, links von ihr der heilige Kilian© Sabrina Voss / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
07. Juli 2022
Würzburg / Paderborn

Warum der heilige Kilian ein Patron des Paderborner Domes ist

Wer ist Patron des Paderborner Domes? Liborius, klar. Aber auch: Kilian. Wie der Frankenapostel nach Ostwestfalen kam und was er den Menschen heute bedeuten kann, verrät der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom

Wer den Paderborner Dom von Süden her betreten möchte, kommt nicht an ihnen vorbei – denn man muss unter ihnen hindurch: Eine steinerne Maria mit Jesuskind und zwei schlanke Holzfiguren zu beiden Seiten bilden das Zentrum des Paradiesportals. Wer sind die Begleiter der Gottesmutter? Messgewand und Mitra deuten darauf hin, dass es sich um zwei Bischöfe handelt. Der eine hält ein Buch – wie es der heilige Liborius auf vielen Darstellungen tut. Und tatsächlich, er ist es. Seinen hölzernen Kollegen erwartet man hier nicht unbedingt: Es ist der heilige Kilian. Was macht der vor allem in Franken verehrte Heilige hier an so prominenter Stelle, mitten in Ostwestfalen?

Kiliani: Das Libori Würzburgs

Die Spur führt nach Würzburg. Denn während in Paderborn die Vorbereitungen für das Fest des Bistums- und Stadtpatrons Liborius auf Hochtouren laufen, feiert man in der Stadt am Main bereits: Am 8. Juli ist Gedenktag des heiligen Kilian. Und wie die Menschen in Ostwestfalen in gut zwei Wochen Libori feiern, feiert man in Franken jetzt schon Kiliani.

Kilian: Warum man in Würzburg einen Iren verehrt

Kilian soll um 640 in Irland geboren worden sein. Zusammen mit mehreren Begleitern – die Legenden nennen zwölf oder zwei – bricht er als irischer Wandermönch nach Germanien auf und gelangt nach Würzburg. Hier verkündet er die Frohe Botschaft. Auch Herzog Gosbert, der über die Region herrscht, lässt sich taufen. Doch es gibt ein Problem: Nach dem Tod seines Bruders hatte er dessen Ehefrau Gailana geheiratet. Das war nach damaligem Kirchenrecht verboten.

Die Heiligenlegenden sehen in Kilians Kritik an Gosberts Ehe eine Parallele zu Johannes dem Täufer, der die ähnlich problematische Heirat von Herodes Antipas verurteilt hatte. Und genau wie Johannes stirbt auch Kilian zusammen mit seinen Begleitern Kolonat und Totnan eines gewaltsamen Todes. Die Legenden sind unterschiedlicher Meinung, ob nun Gosbert oder Gailana den Auftrag gibt. Das Ergebnis ist in beiden Fällen das gleiche: Kilian und seine Begleiter werden mit dem Schwert ermordet.

Seit 751 dürfen die drei als Märtyrer verehrt werden. Ein Jahr später werden ihre Gebeine aufgefunden und von Bischof Burkhard (amt. 742 bis 754) in die Würzburger Marienkirche auf dem Burgberg überführt. Heute werden die Schädel der „Frankenapostel“ Kilian, Kolonat und Totnan in einem Schrein aus Bergkristall im Hochaltar des Kiliansdomes aufbewahrt. Zur Kiliani-Woche um den 8. Juli werden sie öffentlich gezeigt.

„Dieses Jahr können wir den heiligen Kilian und seine beiden Begleiter Kolonat und Totnan endlich wieder feiern“, sagt Ulrich Boom, Weihbischof in Würzburg und Dompropst des St.-Kilians-Doms zu Würzburg. Nach zwei Jahren Pandemiebeschränkungen können die kirchlichen Feierlichkeiten wieder größer ausfallen. Höhepunkt ist die große Prozession zum Auftakt der Kilianswoche. Von der Kirche St. Burkhard auf der anderen Mainseite geht es mit dem kostbaren Schrein über die Alte Mainbrücke mit ihren barocken Heiligenfiguren zum Dom, wo der Schrein neun Tage lang ausgestellt wird.

Was Ostwestfalen mit Franken verbindet

Während dieser Zeit gibt es jeden Tag eine Bischofsmesse, die sich an verschiedene Zielgruppen richtet. Zum einen an Pilger aus den verschiedenen Regionen des Bistums, die an dem jeweiligen Tag in den Dom kommen, um einen Segen mit den Kiliansreliquien zu erhalten. Es gibt auch eine Messe für die Schausteller der Kiliani-Kirmes und eine für Jugendliche. „Das ist so ähnlich wie in Paderborn“, sagt Boom. Das könnte an Würzburgs vorletztem Bischof liegen: Paul Werner Scheele (1928-2019) war gebürtiger Olper und dem Patron des Erzbistums Paderborn zeitlebens sehr verbunden. „Da ist vielleicht ein bisschen von der Gestaltung der Libori-Woche mit Bischof Paul Werner nach Würzburg gekommen und prägt nun hier Kiliani.“

So kam also etwas Libori nach Würzburg – doch wie kam Kilian nach Paderborn? Die Antwort hat mit der Zeit zu tun, bevor die Gebeine  des heiligen Liborius 836 von Le Mans nach Paderborn gebracht werden. Karl der Große und Papst Leo III. vereinbaren 799 die Gründung des Missionsbistums Paderborn. Bis es mit einem eigenen Bischof selbstständig wird, untersteht es zunächst dem Bistum Würzburg. In dieser Zeit kommen Missionare vom Main an die Pader, um in der Tradition des heiligen Kilian die hier lebenden Sachsen zu missionieren. Mit Hathumar besteigt dann 806 ein Sachse den Paderborner Bischofsstuhl, der in Würzburg ausgebildet wurde. Die Frühzeit des ostwestfälischen Bistums ist also durch eine starke Verbindung nach Franken geprägt – was der Grund dafür ist, dass Kilian neben der Gottesmutter Maria zum Patron des Paderborner Domes wird.

Was der heilige Kilian Menschen heute bedeuten kann

Das erklärt die große Holzfigur am Portal des Domes. Und auch die weiteren ihm geweihten Kirchen zwischen Bad Salzuflen und Letmathe. Ein „Klein-Kiliani“ wird im Erzbistum Paderborn nicht gefeiert, den Menschen hier hat der heilige Kilian trotzdem etwas zu sagen. Weihbischof Boom erläutert: Die Häupter der drei Frankenapostel in ihrem Schrein aus Bergkristall „zeigen uns, dass wir manchmal den Kopf für das Evangelium hinzuhalten haben.“ Dabei gehe es nicht darum, Moralvorstellungen zu verteidigen. Sondern, „dass wir uns für die Armen, die Schwachen und Ohnmächtigen einzusetzen haben. Dass wir ihre Anwältinnen und Vorkämpfer sind.“

In heutiger Sprache: „Wir sollen den Kopf hinhalten für die, die diskriminiert werden. Das kann ja auf ganz unterschiedliche Weise geschehen“, so Weihbischof Boom weiter. Kilian und seine Begleiter haben ihre Köpfe für ihre christlichen Überzeugungen hingehalten – und sie verloren. „Natürlich bedeutet den Kopf hinzuhalten heute nicht mehr, dass gleich Blut spritzen muss. Aber wenn man für andere Menschen eintritt, kann es sein, dass man Widerstand zu spüren bekommt.“

Im Zentrum des Paradiesportals sieht man die drei Patrone des Paderborner Domes: Die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, rechts von ihr der heilige Liborius mit einem Buch in der Hand, links von ihr der heilige Kilian © Sabrina Voss / Erzbistum Paderborn
Im Zentrum des Paradiesportals sieht man die drei Patrone des Paderborner Domes: Die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, rechts von ihr der heilige Liborius mit einem Buch in der Hand, links von ihr der heilige Kilian

Peregrinatio, oder: Warum Iren nach Germanien kamen

Die Abkehr von der Welt ist ein Grundgedanke des Mönchtums. Ein missionierendes Umherziehen war damit aber lange Zeit nicht gemeint. Irische Mönche des späten 6. Jahrhunderts übernahmen die Strafe der Verbannung aus dem altirischen Recht als freiwilliges Bußwerk für Christus. Mit ihrer Peregrinatio, also einem „Leben in der Fremde“ verzichteten sie auf die Geborgenheit eines Klosters oder die Sicherheit einer Sippe oder Dorfgemeinschaft. Sie gingen um Christi Willen in die Fremde, missionierten und begründeten Klöster – erst auf den britischen Inseln, später auch auf dem Kontinent. Der Schwerpunkt der Mission von Gestalten wie Kilian, Columban von Luxeuil oder Kolumban dem Älteren lag in der Verkündigung. Die nach der iroschottischen Mission einsetzende angelsächsische Mission, zu der auch der heilige Bonifatius zu rechnen ist, legte einen stärkeren Fokus auf die Organisation und Anbindung an Rom.

Kilian macht es vor: Kopf hinhalten und in Gemeinschaft glauben

Den iroschottischen Mönchen wie Kilian ging es bei ihrer Mission vornehmlich um die Verkündigung, nicht um kirchliche Strukturen oder die Anbindung an Rom. Kilian war kein Organisator wie der heilige Bonifatius. Aber er reiste auch nicht allein, sondern mit entweder zwölf oder zwei Gefährten. Und darin erkennt Weihbischof Boom eine weitere Botschaft für Gläubige heute: „Es geht um Gemeinschaft.“

In diesen Tagen treten viele Menschen aus der Kirche aus. Weihbischof Boom glaubt: „Nicht weil sie ihren Glauben verloren hätten, sondern weil sie das Gefühl haben, für ihren Glauben keine Gemeinschaft mehr zu brauchen.“ In seinen Augen hat die Kirche derzeit das große Problem, „dass wir nicht vermittelt bekommen, wofür es diese Gemeinschaft, die Kirche, braucht.“

Wie beantwortet der Weihbischof selbst diese Frage? „Ich brauche eine Gemeinschaft, weil ich allein schwach bin im Glauben. Ich brauche Menschen, die mich mittragen. Und von diesen Menschen sind oft die die größten Träger, die selbst schwach sind. Nicht die, die alles zu wissen und zu können glauben“, so Weihbischof Boom. Kilian, der nicht allein in die Fremde aufgebrochen ist, kann da Vorbild sein.

Das, was für Kilian Germanien war, ist für die Menschen heute die Zukunft: „Die Zukunft ist das Ungewohnte, das Fremde.“ Und diese Fremde erkundet man besser in Gemeinschaft. „Wie groß denkt sich Christus seine Kirche? Er spricht davon, dass wenn nur zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, dass er dann mitten unter ihnen ist. Das ist der Aspekt der communio, der für uns als Christen etwas ganz Entscheidendes ist. Dass wir in Gemeinschaft den dreifaltigen Gott in dieser Welt bezeugen.“

Wie Weihbischof Boom versucht, ein Kilian zu sein

Was bedeutet das für Ulrich Boom selbst? „Als Amtsträger müssen wir uns fragen: Sind wir die, die die Menschen sammeln?“ Er habe als Weihbischof viel Kontakt zu jungen Menschen: „Für mich ist jede Firmung ein Geschenk. Denn ich sehe, wie viele junge Menschen auf ihre ganz unterschiedlichen Arten und Weisen – manchmal auch nur temporär und manchmal bricht das auch für eine Zeit ab und kommt vielleicht später wieder – versuchen, das Evangelium zu leben.“ Für ihn gehe es dann nicht darum, „meine Botschaft möglichst laut herauszuschreien, sondern in Treue zu den Fragen der Menschen zu stehen – auch wenn ich nicht alle beantworten kann.“

Wer nun am 8. Juli oder zu Libori durch das Paradiesportal des Paderborner Domes tritt, darf sich beim Blick auf die lebensgroßen Holzfiguren an den heiligen Kilian erinnert fühlen. An einen, der Christinnen und Christen inspiriert, den Kopf für die hinzuhalten, die keine Stimme haben. An einen, der daran erinnert, dass Kirche vor allem Gemeinschaft von Menschen sein soll, die einander im Glauben tragen – und dann erst Struktur und Verwaltung ist. Und auch wenn der heilige Liborius in Paderborn heute eine größere Rolle spielt als sein Mit-Patron – der heilige Kilian ist der Kirche der Gegenwart durchaus ein Vorbild.

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