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Unser Glaube
28. Februar 2020

Nachhaltigkeit vorleben

Themenspecial Klimawandel: „Die Hegge“ erhält Zertifizierung "Bildung für nachhaltige Entwicklung"

Das „Christliche Bildungswerk DIE HEGGE“ gehört zu den ersten beiden Einrichtungen in NRW, die sich über die BNE-Zertifizierung durch die Zertifizierungsstelle Gütesiegelverbund Weiterbildung freuen können. Die Auszeichnung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) bewertet die Bildungsarbeit und Haushaltung der „Hegge“, die sich nach der Agenda 2030 der Vereinten Nationen die Förderung einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung zur zentralen Aufgabe gemacht hat.

 

Die Landstraße von Willebadessen Richtung Niesen schlängelt sich gemütlich durch das Nethe-Tal. Kein Anlass also, Tempo zu machen. Rechts und links schweift der Blick über riesige Wiesen, Felder und Wälder bis hin zu kleinen Auenlandschaften. Ein kleiner Vorgeschmack auf Entschleunigung und Wahrnehmung der Natur, so wie es das Leitbild des Bildungshauses beschreibt. Von der Ortschaft Niesen Richtung Frohnhausen weist ein Schild „Christliches Bildungshaus“ den richtigen Weg. Nach weiteren knapp drei Kilometern ist das Ziel erreicht. Wenn nicht ein weiteres Hinweisschild hier am Straßenrand stände, wäre die verstecke Oase trotz winterkahler Bäume kaum zu sehen.

Schöpfungsverantwortung mit Hilfe der Benediktsregel

Ein 8,5 Hektar großer Park umschließt das Tageshaus „Die Hegge“. Wald, Wiesen,  Obstbäume, Blumenbeete sowie ein Rundweg „Wort – Weg“ fallen sofort ins Auge. Alles gepflegt und einladend. „Eine ökologische Nische, die auch ein Rückzugsort für seltene und zum Teil vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten geworden ist“, sagt die Diplom-Agraringenieurin Dagmar Feldmann, BNE-Beauftragte der Hegge und pädagogische Mitarbeiterin.

„Für uns ist die Regel des Heiligen Benedikt Richtschnur im Alltag, und es finden sich viele Parallelen zu den Ideen von BNE“, ergänzt Dorothee Mann, Oberin der Hegge-Gemeinschaft und Leiterin des Christlichen Bildungswerkes. „Das betrifft alle Bereiche wie Personalführung, Bildungsarbeit, Hauswirtschaft und Organisation“.

Auf die Schöpfungsverantwortung haben die Gründerinnen von Beginn an verwiesen. Die „Hegge“ verfolgt mit dem Qualitätsmanagement in Kombination mit der Benedikt-Regel ein Konzept, in dem Gott und der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht der Profit. Es geht stets um ein faires Wirtschaften. Ressourcen schonen, Energie sparen, Müll vermeiden – diese drei Grundsätze spiegeln sich darin, dass Reparatur vor Entsorgung und Renovierung vor Neuanschaffung stehen.

Der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen

„Wir sind ein hochmotiviertes Team, das mit eigenen Ideen vorprescht und ganz und gar hinter dem Konzept steht. So leben wir es auch unseren Gästen im Tagungshaus vor“, erklärt Dagmar Feldmann. Mit fair gehandeltem Kaffee und Kakao begann 2008 ein erster Schritt, so dass „Die Hegge“ 2013 als erstes Bildungshaus im Erzbistum Paderborn als Faires Bildungshaus ausgezeichnet wurde. Frühzeitig achteten die Hegge-Frauen beim Einkauf darauf, möglichst wenig Verpackungsmüll zu produzieren, und regionale Erzeuger und Verarbeiter zu finden, um weite Transportstrecken zu vermeiden und frische Qualität zu haben.

Dafür zeichnet das Hauswirtschaftsteam unter der Leitung von Andrea Flore verantwortlich. Die Mahlzeiten seien frisch und gut, aber nicht üppig, um möglichst wenig Nahrungsmittel wegwerfen zu müssen. Auch habe sich das Büffet bewährt, bei dem Reste besser verwertet werden können. „Diese gehen dann an die Hausgemeinschaft der Heggefrauen. Ganz freiwillig und aus Überzeugung, um der Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen“, so Dagmar Feldmann.

Aus dem eigenen Obstgarten warten unterschiedliche Produkte  aus Äpfeln und Birnen auf die Gäste. Selbst der Blumenschmuck, der Foyer, Tagungsräume, Speiseraum oder Zimmer schmückt, kommt aus den Vorgärten.  Bei der  BNE-Zertifizierung gab es auch Pluspunkte dafür, dass die Hegge Regenwasser sammelt, um es in Toilettenspülung, zum Putzen oder zum Gießen im Garten zu verwenden. Fenster und Fußböden werden mit einem natürlichen Putzmittel aus Essig und Zitrone gereinigt.

“Bildung macht mündig”

Das Konzept kommt bei den Gästen – altersmäßig gestreut von 25 Jahren bis ins hohe Alter mit einem Frauenanteil von etwa 70 Prozent – gut an. Das Tagungshaus, das zu Pfingsten 75-jähriges Jubiläum feiert, bietet 50 Veranstaltungen im Jahr  mit einem breiten Spektrum an. Ökumene und wertschätzender Umgang der Konfessionen werden seit jeher praktiziert, aber auch Weltregionen werden thematisiert. Politische und entwicklungspolitische Seminare sollen Bewusstsein und Engagement fördern. Gartentage und die Einbeziehung des Parks in Seminare sollen zur Schöpfungsachtung beitragen. Seit 2016 werden auch Seminare mit Geflüchteten durchgeführt.

„Bildung macht mündig“ ist ein Leitbild der „Hegge“. „Eine Ausrichtung, die wir hier schon gelebt haben, bevor wir eine BNE-Zertifizierung überhaupt kannten“, sagt Dagmar Feldmann, die aber auch betont, dass die BNE ein Prozess und eine Querschnittsaufgabe sei, die Hausbewirtschaftung, Programmgestaltung und auch den Umgang mit Gästen, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern betreffe: „Wir möchten Nachhaltigkeit vorleben, um sie aktiv an unsere Gäste weiterzugeben.“

Oft sei das Bildungshaus „Die Hegge“ gar nicht so bekannt – selbst im Umkreis. „Wer es jedoch einmal kennt, der lässt es nicht los“, ist das rührige Team der Hauswirtschaft aus eigenem Erleben überzeugt und glaubt auch für die zahlreichen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer sprechen zu können. „Wenn ich hier durch die Einfahrt fahre, lasse ich eine Welt hinter mir und kann abschalten“, findet Elisabeth Siebrecht Zustimmung bei ihren Kolleginnen. Eine hohe Verbundenheit, eine gute Atmosphäre und Gemeinschaft machten das Zusammenleben und Wirken aus. Freiwillig sei hier noch keiner wieder gegangen.

“Eine Oase der Ruhe”

Eine Oase der Ruhe finden die Menschen vor, die sich  zu Seminaren anmelden. Mit „heimelig“ beschreiben die Gäste oft ihr optisches Empfinden. Zur absoluten Ruhe gehört dann auch, dass alle Zimmer kein Telefon und kein Fernsehgerät haben. Und weit draußen in der Hegge klappe es auch nicht immer mit dem Handyempfang. „Aber für Ausnahmen, wenn jemand  erreichbar sein muss, schaffen wir auch Möglichkeiten“, so Wiebke Buchholz.

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, behauptete Reinhard Mey mal in einem seiner bekannten Lieder. In der Hegge werden Freiheit und Unabhängigkeit hoch gehalten. „Und dieses kritische Denken ist ein Pluspunkt. Das gemeinsame Gebet der Heggefrauen mit ihren Gästen drückt die Verbundenheit mit dem Schöpfer und der Schöpfung aus. Die Atmosphäre der Hegge lädt dazu ein, tiefer zu leben, zu denken und zu fühlen“, fasst Dagmar Feldmann zusammen, was hier „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ bedeutet.

Christliches Bildungswerk DIE HEGGE

Das “Christliche Bildungswerk DIE HEGGE“ – wurde im Herbst 1945 von Theoderich Kampmann und dem Gründerkreis der Hegge-Gemeinschaft, einer benediktinisch geprägten Frauenkommunität, ins Leben gerufen. Das Tagungshaus steht in privater Trägerschaft. „Hegge“ ist der Flurname nahe bei Willebadessen-Niesen, der ursprünglich ein steiniger Acker war. Auf verschiedenen Wegen einer christlichen Erwachsenenbildung versucht die Hegge, zur Mündigkeit in der Lebensgestaltung sowie zu gesellschaftlichem und kirchlichem Engagement zu ermutigen und zu befähigen. Verantwortlich für die Bildungsarbeit ist der Konvent der Hegge-Frauen zusammen mit dem pädagogischen Team. (https://die-hegge.de)

Dagmar Feldmann, Claudia Scherf, Wiebke Buchholz, Dorothee Mann, Andrea Flore, Elisabeth Siebrecht und Valentina Banko. (Foto: Ronald Pfaff)

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