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Die Wärmekirche von Lippstadt

Licht und Wärme teilen: Wie Engagierte in der Pfarrkirche St. Elisabeth vielfältige Hilfe für Bedürftige leisten
Aktionswoche Wärme und Licht teilen in Lippstadt. St. Elisabeth wird zur Wärmekirche.© Till Kupitz / Erzbistum Paderborn
Unser Glaube
25. Januar 2023
Lippstadt

Die Wärmekirche von Lippstadt

Licht und Wärme teilen: Wie Engagierte in der Pfarrkirche St. Elisabeth vielfältige Hilfe für Bedürftige leisten

Recht einsam ragt der Turm der Elisabeth-Kirche hier in den grauen Nachmittagshimmel. Die Bäume kahl, der Wind scharf und kalt – Menschen sind auf den Straßen nur vereinzelt unterwegs nahe der Lippe, wo die Kirche steht. Wer etwas Farbe sucht an diesem grauen Tag, muss schon näher an die Kirchentür herantreten: „Licht und Wärme teilen“ steht dort in orangen Buchstaben auf einem Plakat. Ein Aufruf, aber auch ein Versprechen: Kommen Sie zu uns – wir helfen.

In diesem besonderen Winter ist die Kirche St. Elisabeth als einzige katholische Kirche in Lippstadt durchgängig beheizt. So kann Wärme teilen an diesen kalten Tagen aussehen: einen Platz haben, um dem Wind zu entfliehen, wenigstens für einige Minuten. Doch zur Wärmekirche wird das Gebäude in der Woche vom 23. bis 29. Januar aus viel mehr Gründen. „Bei all den Belastungen für die Menschen, mit den hohen Strom- und Heizkosten, wollen wir Hilfe leisten. Und zwar an Ort und Stelle“, beschreibt Georg Karbowski, Caritas-Koordinator im Dekanat Lippstadt-Rüthen. Er zählt zu den  Initiatoren der Aktionswoche „Licht und Wärme teilen“. Jeden Nachmittag erleben Menschen hier, wie unterschiedlich man Wärme teilen kann: da liegen selbst gestrickte Decken auf einer Kirchenbank – Stichwort: körperliche Wärme. Es gibt Kaffee und Kuchen, warme Suppen oder Eintöpfe – Warmes gegen den Hunger und fürs Wohlbefinden. Und es gibt Angebote wie Stromsparchecks oder finanzielle Hilfen durch den Energiefonds des Erzbistums Paderborn – unbürokratisch und unmittelbar bereitgestellt.

In der Wärmekirche ist jeder willkommen

„Wo hat es in einer Kirche so etwas schon einmal gegeben?“, sagt Johanna Stark in einem ungläubigen Tonfall, obwohl sie selbst an der Aktion mitwirkt. Mit zwei weiteren Frauen vom Sozialdienst katholischen Frauen in Lippstadt bietet sie in einer Ecke der Kirche „Stricken gegen kalte Füße an“. Auf einem Tisch vor ihnen liegen viele bunte Wollknäuel, auf einer Bank daneben bereits fertig gestrickte Kleidungsstücke. Ihr Ziel: Wissen weitergeben, aber auch Gestricktes selbst, falls jemand etwas benötigt.

„Jeder ist willkommen“, sagen die Frauen, während sie Socken stricken. Fast noch wichtiger aber: Gespräche anbieten, sich austauschen. Wärme geben, Wärme zurückbekommen. „Mir macht das unheimlich Spaß, anderen Menschen zu helfen“, sagt Edeltraud Vogt. Wie alle hier tun die Frauen des SkF das aus einer christlichen Perspektive heraus, aus Nächstenliebe. Das müssten aber längst nicht alle so empfinden, die hierher kommen, sagt Johanna Stark: „Hierher kommen, etwas essen, sich vielleicht beraten lassen, gemeinsam lachen und reden – darum geht es.“

Entstanden ist die Idee beim Erarbeiten der Pastoralvereinbarung für den Pastoralen Raum. Ein Themenfeld heißt: diakonisches Handeln, das ausgehend vom Zielbild 2030+ des Erzbistums von zentraler Bedeutung sein soll. Wie kann Kirche wirken, was kann Kirche für die Menschen tun? Haupt- und Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden, Caritas oder SkF setzten sich zusammen – anfangs zunächst mit ganz viel Theorie, sagt Renate Rosenkranz vom Pfarrgemeinderat und der Caritaskonferenz St. Elisabeth. Doch oft im Leben ist es ja so, dass Worte eben nur das sind: Worte. Auf Papier geschrieben, in Protokollen festgehalten, gesagt, aber nicht in die Tat umgesetzt. Nicht so hier in Lippstadt. „Angesichts der Energiekrise haben wir uns verpflichtet gefühlt, ganz konkret und direkt Hilfe für Bedürftige anzubieten“, sagt Rosenkranz.

Caritativer Energiefonds des Erzbistums Paderborn

Wer aufgrund der steigenden Energie- und Mobilitätskosten in den kommenden Monaten in eine finanzielle Notlage gerät, erhält Unterstützung durch das Erzbistum Paderborn. Betroffene in Ost- und Südwestfalen, Lippe, Waldeck sowie im östlichen Ruhrgebiet können einen einmaligen Zuschuss erhalten: pro Einzelperson maximal 200 Euro; Familien und Bedarfsgemeinschaften erhalten bis zu 150 Euro pro Haushaltsmitglied. Die Verteilung der Mittel erfolgt durch Kirchengemeinden, örtliche Caritasverbände und caritative Fachverbände. Die Unterstützungsleistung der Katholischen Kirche wird finanziert durch einen „caritativen Energiefonds“, den das Erzbistum Paderborn eingerichtet hat, um Menschen in Notlagen unbürokratisch zu helfen.

Geld aus Energiefonds des Erzbistums wird ausgezahlt

Dass das der richtige Weg ist, zeigt sich in diesen Tagen. Immer wieder kommen Menschen in die Kirche, die von der Aktion gehört oder gelesen haben. Manche melden sich bei einem Stand der Caritas Arnsberg für Stromsparchecks im eigenen Haus an. Andere essen und trinken etwas, kommen mit den Haupt- und Ehrenamtlichen ins Gespräch. Und einige gehen sogar mit mehr Geld nach Hause: In erster Linie die Menschen, die mit ihrem Einkommen nur geringfügig über dem Bezugsrecht für Bürgergeld oder Grundsicherung liegen, bekommen mit entsprechendem Nachweis direkt finanzielle Hilfe aus dem „caritativen Energiefonds“. Mit diesem Fonds gibt das Erzbistum Paderborn seine Mehreinnahmen aus der Besteuerung des staatlichen Energiegeldes weiter. Auch Privatpersonen haben ihr Energiegeld gespendet. „Wir merken gerade, wie die Menschen hier bei uns zusammenrücken und sich engagieren. Es gibt ein unwahrscheinlich hohes Spendenaufkommen“, sagt Georg Karbowski.

In all dem Trubel, der sich zwischenzeitlich im hinteren Bereich von St. Elisabeth breit macht, verliert man schnell den Überblick: Wer ist eigentlich ehren- oder hauptamtlich hier und hilft? Wer ist da, um Hilfe zu erhalten? An diesem Ort, an dem sonst die für Christinnen und Christen so wichtige Liturgie gefeiert wird, wird deutlich, dass gelebte Nächstenliebe ebenso wichtig ist. „Christsein wird glaubwürdig im Tätigen“, beschreibt Religionspädagogin Irmgard Salmen. Menschen sollen erleben, dass sie nicht alleine seien, dass Kirche ihnen hilft. Dafür sei Kirche schließlich auch da. „Wir wollen den Nächsten mit einem liebenden Blick angucken. Alle, die kommen, als Gast begrüßen. Alle willkommen heißen.“

Wenn die Aktionswoche in der Lippstädter Kirche eines verdeutlicht, dann dass Wärme viele Facetten und Gesichter haben kann. Menschen wärmen, ihnen ein Licht auch in dunklen Zeiten zu schenken, erfahrbar machen, dass Kirche das ganz konkrete Leben der Menschen sieht und sie da unterstützt, wo es gerade benötigt wird – das zeigen die Engagierten, die sich im Pastoralen Raum Lippstadt zusammengefunden haben, um diakonisches Handeln in die Tat umzusetzen.

Ein Beitrag von:
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Redakteur

Till Kupitz

 
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