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Erzbistum Paderborn
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© FP Media

Die Hegge Wege zu Bildung und zu Gott

Im Kreis Höxter liegt inmitten eines großen Gartens ein christlicher Begegnungsort der besonderen Art: Die Hegge

Unverwechselbarer Klosterort inmitten der Natur

Der Weg führt durch Serpentinen hinauf in eine andere Welt. Auf einer Anhöhe zwischen weiten Feldern, unzähligen Obstbäumen und sattgrünen Wiesen eröffnet sich ein grandioser Blick auf das Weserbergland und die Warburger Börde. Fast ein wenig versteckt und sanft eingebettet in eine weitläufige Parklandschaft liegt rechter Hand das moderne Gebäudeensemble der Hegge-Gemeinschaft. Nur ein kleines Stück von der Straße entfernt, sind lediglich das muntere Zwitschern der Vögel und das sanfte Rauschen der Blätter zu hören. Sonst einfach Ruhe. Ein Ort, an dem man gleich runterkommt, sich sofort entspannt.

Dort oben, mitten in der Natur, haben sich zurzeit sechs Frauen im Alter von 50 bis 90 Jahren ganz der benediktinischen Tradition von „ora et labora“ verschrieben. Doch diese kleine katholische Frauenkommunität der Hegge ist kein abgeschlossener, der Welt entrückter Zirkel. Im Gegenteil. Die Hegge-Frauen und ihre Mitarbeitenden sind Teil eines christlichen Bildungswerkes mit inzwischen überregionaler Strahlkraft. Unter dem Motto „Bildung macht mündig“ bietet die Gemeinschaft in enger Kooperation mit vielen Partnern das ganze Jahr über ein breitgefächertes Schulungs- und Tagungsprogramm an, das Menschen weiterbringen soll – auf ihrer Suche nach Sinn und Orientierung im Leben, in der Begegnung mit anderen und vielleicht auch auf ihrem Weg zu Gott.

Auf der Suche nach Orientierung

Vielfalt spielt dabei die größte Rolle: Denn die Besucherinnen und Besucher kommen aus dem pädagogischen und medizinischen Bereich, um sich weiterzubilden, sie haben politisches Interesse, nehmen an Tagungen und Seminaren teil oder sie mögen Kultur, begeistern sich für Gartentage, Kirchen und Klöster, Märchen, Tanz- oder Musikveranstaltungen sowie für bildende Kunst. Weitere Themen, die auf der Hegge – das Wort bedeutet übrigens die „Umhegte“ oder die „Höhe“ – von Relevanz sind: Nachhaltigkeit, Gott und die Welt, Bibelschule und Trauerbegleitung. „Jeder hat seinen Ort, der ihn ausfüllt oder findet ihn auf seinem Lebensweg, für den er sich berufen fühlt“, so bewertet Dorothee Mann, die Oberin und Verwaltungsleiterin der Hegge-Gemeinschaft, das facettenreiche Bildungsprogramm, welches auch das Leitbild der Hegge-Frauen seit vielen Jahrzehnten prägt.

Nach den grausamen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und des nationalsozialistischen Terrorregimes wurde der benediktinisch geprägte Frauenkonvent im Herbst 1945 von Theoderich Kampmann und dem Gründerkreis der Hegge-Gemeinschaft ins Leben gerufen. „Diese Gründung geschah aus dem Ansinnen heraus, neben dem materiellen Aufbau Deutschlands auch für den geistigen zu sorgen, die Demokratie zunehmend durch ein geistiges, christlich geprägtes Fundament zu stärken“, beschreibt Dorothee Mann die damalige Zielsetzung.

Unverwechselbarer Klosterort

Diese Intention hat sich nicht geändert: Oberhalb der Ortschaft Niesen in stiller Umgebung geht es darum, Menschen vorurteilsfrei und offen zu begegnen, den Dialog zu suchen, auch mit Andersdenkenden zu diskutieren und sich weiterzuentwickeln. „Mit unserer Bildungsarbeit wollen wir zur Übernahme von Verantwortung in Beruf und Öffentlichkeit ermutigen, den Einzelnen auf seinem Weg stärken und ermächtigen und nicht zuletzt die Nachhaltigkeit thematisieren“, so fasst es die Oberin zusammen. Und genau das mache die Hegge-Gemeinschaft in Deutschlands Klosterlandschaft so unverwechselbar. Das christliche Bildungswerk sei Klosterort, Lernort, spiritueller und ganzheitlicher Erholungsort. „Die Menschen bekommen bei uns Abstand vom Alltag, können in Ruhe und Abgeschiedenheit nachdenken, in den Dialog mit der Natur treten, durch Gesang, Tanz und viele Gespräche Erholung für die Seele erhalten“, ist Dorothee Mann überzeugt. Das Konzept kommt an, jedes Jahr besuchen bis zu 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die einzelnen Kurse und Seminare des christlichen Bildungswerkes und verbringen ein paar Tage auf der Hegge.

Glauben direkt erleben

Nicht nur Bildung und Erholung stehen im Fokus des täglichen Miteinanders. Auch den Glauben der Hegge-Frauen können Besucherinnen und Besucher direkt erfahren: Sie sind stets eingeladen zum Mit-Leben und Mit-Feiern der Liturgie sowie zum gemeinsamen Gebet. „Es ist ganz einfach“, so Dorothee Mann. „Wir tragen unsere Anliegen und das Anliegen unserer Gäste und der Welt vor Gott und vertrauen darauf, dass wir nicht allein sind in der Bewältigung der Aufgaben und Probleme, sondern dass da eine Macht existiert, die hilft, stärkt und ordnet und die uns immer wieder zusammenführt: Wir nennen diese Macht den guten Geist.“ Aber auch kritische Gespräche über Glauben, Kirche, Theologie und Sinnfragen, all das habe auf der Hegge Raum, dürfe ganz selbstverständlich vorkommen.

Und es gibt stets Alternativen: Wer gerade einmal nicht Gespräche sucht und Sinnfragen rund um Leben und Kirche diskutieren möchte, kann einen Rundgang durch den spannenden Hegge-Park unternehmen. Unter dem Titel „Weg-Worte – Wort-Weg“ lassen sich sieben Stationen in der 8,5 Hektar großen Anlage erleben. Kunstvolle Inszenierungen in Stein, Holz, Glas und Metall regen im „Garten der Zitate“ zum Innehalten, zum Loslassen, zum Dialog mit der Kunst und mit der Schöpfung an. In und um Hegge wird dann deutlich: Es gibt wahrlich anstrengendere Wege, Gott zu begegnen.

Gemeinde auf Zeit

Zusammen dem österlichen Geheimnis auf der Spur sein, den christlichen Glauben für das eigene Leben entdecken und durchleuchten, die Kar- und Ostertage in Gemeinschaft erleben und feiern: Dazu lädt die HEGGE – Christliches Bildungswerk vom 5. bis 9. April 2023 ein.

© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi
Ein Beitrag von:
© privat
freie Autorin

Martina Schäfer

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