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5
März
2020
5.März.2020

Wo echte Begegnung noch möglich ist

Themenspecial „Frühlingserwachen“: die Katholische öffentliche Bücherei in Nordborchen

Wenn in der Katholischen öffentlichen Bücherei in Nordborchen ein Bilderbuchkino stattfindet, kann es schon mal ganz schön wuselig zugehen. Viele kleine Schuhpaare stehen auf dem Flur, Kinder spielen miteinander und lauschen einer Geschichte, deren Bilder per Beamer an die Wand projiziert werden. Danach wird gebastelt, etwas getrunken und Kekse gegessen.

„Die Kinder ziehen die Bücherei dann einmal auf links“, erzählt Petra Bartoldus, Leiterin der Bücherei. Auch sie nahm mit ihren drei Enkelkindern am Bilderbuchkino teil, insgesamt kamen 30 Leute zum Event. „Da freut man sich natürlich total, dass so eine Veranstaltung so gut angenommen wird und Familien mit ihren Kindern hierherkommen und alle einfach Spaß haben. Für die Kinder ist das ein Stück Zuhause, glaube ich.“

Wenn Petra Bartoldus von Momenten wie diesen berichtet, strahlt sie. „Bücherei aus Leidenschaft“, so laute das Motto hier. Und das passe gut zu ihr, sagt sie. Die 61-Jährige arbeitet schon seit 33 Jahren ehrenamtlich in der gemütlichen Bücherei in Nordborchen. Auf gut 100 Quadratmetern gibt es ein Schiff, auf dem Kinder spielen können, eine Sitzecke zum Reden und, na klar, ganz viele Bücher, CDs, DVDs, Zeitschriften, Hörbücher und Konsolenspiele. Insgesamt knapp 8.000 Medien enthält die Pantoffel-Bücherei, wie sie hier genannt wird. „Den Begriff sagen wir manchmal, weil die Leute, die ringsum wohnen, quasi mit ihren Pantoffeln hierher kommen können. Das zeigt die Nähe zum Dorf“, erklärt Petra Bartoldus.

Petra Bartoldus. Foto: Till Kupitz
Petra Bartoldus. Foto: Till Kupitz

Wo das kulturelle Leben aufblüht

Weil die Arbeit nicht an ein Alter gebunden sei, gebe es sogar Bücherei-Teams, bei denen Zwölf- mit 90-Jährigen arbeiten. Für Petra Bartoldus ist eine Bücherei deshalb die einzige Einrichtung, bei der Jugendliche, Erwachsene und Senioren zusammen arbeiten können. „Es gibt eine tolle Möglichkeit, über die Literatur mit Leuten ins Gespräch zu kommen und ein Zentrum zu sein, an dem sich alles aus dem Dorf versammeln kann“, sagt die gebürtige Oberhausenerin. Und das ist gerade in heutigen Zeiten womöglich wichtiger denn je: Kindergärten und Grundschulen werden zusammengelegt, auch Bäckereien, Dorfkneipen oder Sportvereine verschwinden immer mehr aus kleineren Dörfern. Dort biete die Bücherei dann oftmals die einzige Möglichkeit, sich treffen zu können. Oder sie sind der letzte Ort, an dem kulturelles Leben noch so richtig aufblüht.

92 Veranstaltungen im Jahr

Dafür tun die 19 Ehrenamtlichen der Katholischen öffentlichen Bücherei in Nordborchen so einiges. Dreimal pro Woche hat die Bücherei für zwei Stunden geöffnet. Dazu organisierte das Team allein im letzten Jahr 92 Veranstaltungen: vom Lesespaß für Bücherzwerge für Zwei- bis Vierjährige über Kinderkino und Spieleabende für Erwachsene bis hin zum Erzählcafe für Senioren – fast alles außerhalb der Öffnungszeiten. Eine Menge ehrenamtliche Arbeit, die aber Spaß macht.

Das Angebot für ältere Leute ist so beliebt, dass Menschen auch von außerhalb Borchens dafür herkommen. „Es ist eine Möglichkeit, um diesem „Ich bin Zuhause alleine und weiß nichts mit mir und meiner Zeit anzufangen“-Gefühl zu entkommen“, erklärt Petra Bartoldus. Dann stehen nicht viele kleine Kinderschuhe, sondern eine ganze Reihe Rollatoren im Flur, lacht sie und sagt: „Die fragen schon immer: Wann geht es denn endlich weiter?“ Weil seit Dezember Winterpause war und das Programm nun pünktlich zum Frühling wieder startet, hat die Sehnsucht bald ein Ende – das Erzählcafe blüht wieder auf. Das Event zeigt exemplarisch, dass die Bücherei nicht nur eine reine Ausleihstelle ist, sondern ein pastoraler Ort, an dem Begegnung stattfindet und das Leben spielt.

Mit anderen Einrichtungen in Nordborchen ist man bestens vernetzt: Kindergartenkinder machen in der Bücherei ihren Büchereiführerschein, die 200 Schüler der örtlichen Grundschule kommen ebenfalls jedes halbe Jahr vorbei. „Wir wollen ja, dass alle bleiben. Zumindest bis zum Ende der Grundschule. Danach ist es immer etwas schwierig“, sagt Petra Bartoldus. Denn Jugendliche sehe man in der Bücherei eher weniger. „Die kommen aber wieder“, ist sich die Büchereileiterin sicher. „Wenn die eine eigene Familie haben und hier im Ort bleiben, kommen sie mit ihren Kindern wieder vorbei.“

Die Katholische öffentliche Bücherei in Nordborchen befindet sich unterhalb der Kirche St. Laurentius. Foto: Till Kupitz

Die Katholische öffentliche Bücherei in Nordborchen befindet sich unterhalb der Kirche St. Laurentius. Foto: Till Kupitz

Mehr als nur ein Buch ausleihen

Das wird deutlich, als an diesem Nachmittag gleich nach Öffnung der Bücherei, die in katholischer Trägerschaft ist, schon die ersten fünf Nordbochener durch die Regale stöbern. Auch Eduard Brodd ist mit seiner Tochter hergekommen. „Wir haben drei Kinder, da sind wir natürlich regelmäßig Gäste hier“, sagt er, während seine Tochter nach einem Buch sucht. „Während meiner Schulzeit war es gang und gäbe, in die Bücherei zu gehen, mittlerweile spielt sich ja vieles nur noch online ab. Da vergisst man schnell das tatsächliche Buch.“ Hier können sich seine Kinder jedoch gut austauschen, immer sehe man bekannte Gesichter. Das findet auch Daniela Sielaff, die den Heimat-Faktor hervorhebt: „Es ist zentral im Ort, wir müssen nicht extra erst nach Paderborn fahren“, sagt sie. „Hier gehen die Kinder zu den Veranstaltungen und treffen ihre Freunde.“

Wer in die Bücherei kommt, sucht oft erstmal „nur“ ein Buch, findet dann aber mehr als das. Denn das Buch sei oft nur Vermittler zwischen dem Leser und den Büchereimitarbeitern, sagt Petra Bartoldus: „Es kann sein, dass eine Frau rein kommt und sagt: ‚Die Oma ist gestorben. Ich brauche ein Buch, ich möchte das meinen Kindern erklären.’ Dann kommen wir ins Gespräch, reden darüber, wie das alles mit der Oma war und ob eher ein Ratgeber oder ein Bilderbuch benötigt wird.“

Menschen treffen, Kontakte knüpfen, Geschichten erleben: Eine kleine Bücherei wie diese in Nordborchen gibt vieles von dem, was im Alltag manchmal abhandenkommen mag. Wer herkommt, nimmt eben nicht nur bloß ein Buch mit nach Hause.

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