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14
Januar
2020

Noch kurz die Welt retten

Themenspecial „Große Pläne“: Zehn Tipps für nachhaltiges Leben

Nachhaltigkeit, so scheint es, ist das Wort dieser Zeit, dieses neuen Jahrzehnts. Manch einer hat wohl zu Neujahr den großen Plan gefasst, ab 2020 endlich nachhaltiger zu leben. In meiner täglichen Arbeit als Nachhaltigkeitsberaterin stelle ich oft fest, dass dieses Vorhaben für viele Menschen nicht greifbar ist. Nachhaltigkeit, was bedeutet das? Wie hängt sie zusammen mit ebenso großen Begriffen wie Treibhausgas, Klimawandel und globaler Ungerechtigkeit?

An dieser Stelle gibt es zwei gute Nachrichten:

  1. Der Nachhaltigkeitsbegriff ist einfach:
    Wir müssen heute so leben, dass auch zukünftige Generationen gut leben können, also nicht mehr Ressourcen verbrauchen und zerstören, als nachwachsen können.
  1. Nachhaltiges Leben ist einfach.
    Die ersten Schritte sind sofort umsetzbar und haben einen positiven Einfluss aufs Klima.
1.
Regional und saisonal speisen

Importierte Lebensmittel verursachen hohe Treibhausemissionen. Unverarbeitete, saisonale Produkte aus der Region sind gesünder und sparen Ressourcen für die industrielle Herstellung, Verpackung und Transport.

2.
Zurück zum Sonntagsbraten

Die Fleischhaltung zählt zu den umweltschädlichsten Branchen. Wer vegan lebt, spart laut einer Studie bis zu zwei Tonnen CO2 im Jahr ein. Darum gilt: je weniger tierische Produkte, desto besser. Auch, wer nur an einigen Tagen pro Woche auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichtet, tut der Umwelt bereits etwas Gutes.

3.
Leitungswasser trinken

Leitungswasser wird gründlicher kontrolliert als Flaschenwasser, kommt ohne Verpackung und Transport aus und kostet durchschnittlich nur 0,2 Cent pro Liter. Für 1 Euro bekommt man also etwa 500 Liter Leitungswasser anstatt nur zwei bis fünf Flaschen Mineralwasser. Das sollte Grund genug sein, häufiger den Hahn aufzudrehen.

4.
Mehrweg statt Einweg nutzen

Zero Waste“, also abfallarm, zu leben liegt im Trend und ist einfacher als gedacht. Die ersten Schritte: einen Thermobecher für den Coffee To Go mitnehmen, Snack in eigenen Boxen statt Folie transportieren und Plastiktüten im Supermarkt ablehnen. Mit dünnen Einkaufsnetzen lässt sich Obst und Gemüse plastikfrei transportieren. In Unverpacktläden im Erzbistum können Lebens- und Hygieneartikel ohne Verpackung in eigene Behälter abgefüllt und eingekauft werden.

5.
Mit Bedacht konsumieren

Die Japanerin Marie Kondo hat das Ausmisten und minimalistische Leben zum Trend gemacht. Minimalismus bedeutet, nur zu besitzen, was wir wirklich brauchen und was uns langfristig Freude bereitet. Die Produktion von billiger Mode und minderwertigen Plastikprodukten hat unterschiedliche negative Folgen für Menschen und Umwelt. Darum heißt es: Weniger shoppen und wenn, dann bitte in Second Hand oder hochwertige, langlebige und nachhaltig produzierte Ware investieren. Dinge, die nicht regelmäßig benutzt werden, können auch von Freunden, Nachbarn und Bekannten ausgeliehen anstatt gleich neu angeschafft werden.

6.
Am Boden bleiben

Paderborn statt Palma lautet die Devise. Ein Economyflug nach Mallorca und zurück verursacht 522kg CO2 pro Person. Das ist ein Viertel dessen, was jeder Mensch auf der Erde im Jahr maximal verursachen darf, um die Folgen des Klimawandels in verträglichen Grenzen zu halten. Größere Klimasünder als Flugzeuge sind nur diesel- und schwerölbetriebene Kreuzfahrtschiffe. Gut, dass es in Deutschland und Europa auch wunderschöne mit dem Zug erreichbare Urlaubsziele gibt. Auch im Alltag gilt es, das Auto häufiger stehen zu lassen und stattdessen ÖPNV, Rad oder die eigenen zwei Beine zu nutzen. Wer aufs Auto angewiesen ist, sollte sich um Fahrgemeinschaften bemühen.

7.
CO2-Kompensation

Bei Organisationen wie der Klima-Kollekte, einem kirchlichen Kompensationsfonds, kann der eigene CO2-Fußabdruck berechnet und die Emissionen, zum Beispiel fürs Auto fahren oder eine Gemeindeveranstaltung, kompensiert werden. Das zusätzlich gezahlte Geld fließt mithilfe der Kompensationsdienstleister in Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien oder wird zur weltweiten Wiederaufforstung von Wäldern eingesetzt. CO2-Kompensationen sind ein hilfreicher, allerdings allein nicht ausreichender Schritt, um nachhaltig zu leben.

8.
Strom sparen und zu Ökostrom wechseln

Bei der konventionellen Stromerzeugung mit Braun- oder Steinkohle entsteht besonders viel CO2. Wer zu einem Ökostromanbieter wechselt, fördert den Ausbau erneuerbarer Energien und trägt dazu bei, dass die Menge nachhaltig erzeugten Stroms wächst. Wer einfache Stromspartipps beachtet, auf energieeffiziente Geräte umsteigt und Geräte abschaltet, statt den Stand-by-Modus zu nutzen, spart zusätzliches Geld und Ressourcen.

9.
Richtig heizen und lüften

Korrektes Heizen und Lüften spart wertvolle Rohstoffe und schont den Geldbeutel. Dazu gehört die richtige Heizungseinstellung – die optimale Raumtemperatur liegt bei 20 Grad (22 im Bad, 17-18 im Schlafzimmer). Außerdem: Fenster abdichten, Heizkörper nicht verdecken und Ökostrom oder -gas nutzen. Durchs Stoßlüften mehrmals am Tag für einige Minuten geht weniger Wärme verloren als durch ein dauergekipptes Fenster.

10.
Balkon und Garten nutzen

Bäume sind natürliche Kohlenstoffspeicher. Wiederaufforstung gilt darum als eines der effektivsten Mittel gegen den Klimawandel. Wer selbst Bäume pflanzt und pflegt trägt also aktiv zur CO2-Reduktion bei. Bunte Blumenwiesen sind ein wichtiges Domizil für Bienen und andere Insekten, die für den Erhalt unseres Ökosystems notwendig sind. Auch auf kleinem Raum kann man gärtnern und gar in einem Balkonbeet gedeihen saisonale Früchte und Gemüse, die garantiert unverpackt geerntet werden können.

Einfach loslegen

Meinen liebsten Trick für den Anfang möchte ich zum Schluss noch teilen: Fragen Sie sich, nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben: Was erscheint mir als einfachster und welcher als schwierigster der zuvor beschriebenen Schritte? Setzen sie nun als erstes diese zwei um: den einfachen sofort, den schwierigen so bald und so gut wie möglich. Alles andere dazwischen wird dadurch zum Kinderspiel. Was zählt ist, dass jeder und jede Einzelne von uns losgeht.

Die Zero Waste-Expertin Laura Konieczny im Unverpackt-Laden. Foto: Christian Schneider
Die Zero Waste-Expertin Laura Konieczny im Unverpackt-Laden. Foto: Christian Schneider

Laura Konieczny (1993) lebte bis 2017 in Castrop-Rauxel und Dortmund, von wo sie als Redakteurin für YOUPAX, das junge Glaubensportal im Erzbistum Paderborn, arbeitete. Seit 2018 arbeitet sie als selbstständige Nachhaltigkeitsberaterin in Berlin. Jede Woche gibt sie Tipps zur Abfallvermeidung, im Alltag in ihrem Podcast „Zero Waste Your Life“.

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