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23
November
2019

Ein Warenkorb voller Hoffnung

Themenspecial „Hoffnung“: Caritaskonferenzen helfen Bedürftigen

 

Vor 15 Jahren eröffneten die Helferinnen und Helfer der Caritaskonferenzen im Pastoralen Raumen Bigge-Lenne-Fretter-Tal am Bahnhof in Finnentrop einen ersten Warenkorb, um bedürftigen Menschen mit Lebensmitteln zu helfen. Bereits fünf Jahre später konnte der Warenkorb in die ehemalige Grundschule nach Lenhausen umziehen. „Dafür sind wir dankbar, weil es eine Verbesserung war“, erinnert sich Karin Becker, Sprecherin der Caritaskonferenzen vor Ort.

Dienstagmorgen – auf dem Schulhof ist bereits reger Betrieb. Die Damen der Caritaskonferenz warten auf die Anlieferer. Es sind ebenfalls Freiwillige, die bei Lebensmittelgeschäften in der Gemeinde Finnentrop Waren einsammeln. „Es sind frische Artikel, die knapp am angegebenen Haltbarkeitsdatum liegen, aber von uns vorher auf jeden Fall nochmal geprüft werden“, erklärt Karin Becker, die mit ihrem Team nun alle Hände voll zu tun hat.

Die erste Anlieferung ist sehr farbenfroh: Unterschiedliche Paprika, Tomaten, Birnen, Salate und saisonale Gemüse. Die Frauen werfen auf jede Kiste einen kritischen Blick. Was nicht mehr gut scheint, kommt raus. Vor allem bei Wurst- und Käseprodukten sind die Helferinnen sehr penibel. Trotzdem weise man die Kunden darauf hin, dass es sich um Waren an der Haltbarkeitsgrenze handele. „Somit wissen alle Bescheid, wenn sie zu uns kommen“, betont eine Helferin.

Neben großen und kleineren Lebensmittelgeschäften aus dem Großraum Finnentrop beteiligen sich auch einige Bäcker mit Angeboten aus ihren Auslagen. Ebenso ist ein regionaler Wurstfabrikant großzügig. Die Warenangebote können sich sehen lassen – auch am heutigen Dienstag. Und den Helferinnen bleibt noch wenig Zeit, um alle Waren bis zur Öffnung um 14 Uhr zu sortieren. Dann übernimmt allerdings die Nachmittagsschicht den Verkauf.

Jeden Dienstag Hochbetrieb

„Zweimal im Monat kann jeder, dem unsere Ware zusteht, zu uns kommen und für einen Euro einkaufen“, ist Karin Becker stolz, auf eine große Produktpalette verweisen zu können. Insgesamt kommen 110 Abholer zum Lenhauser Warenkorb, der im Übrigen schon von der Bundesstraße 236 gut ausgeschildert hinter der Pfarrkirche St. Anna zu finden ist. Hinter den Abholern – Sozialschwache, Arme, Alleinerziehende, Flüchtlingen –  können sowohl Einzelpersonen stehen als auch Familien. „Somit profitieren über die Familien letztlich 180 Kinder von unseren Angeboten.“

Helferinnen und ein Helfer beim Warenkorb in Finnentrop-Lenhausen.
Stefan Graf von Spee, Wielfriede Tilke, Elisabeth Grüneböhmer, Bernadette Schörmann und Karin Becker. (Foto: Ronald Pfaff)
Stefan Graf von Spee, Wielfriede Tilke, Elisabeth Grüneböhmer, Bernadette Schörmann und Karin Becker. (Foto: Ronald Pfaff)

Spenden erfüllen Wünsche

Grundnahrungsmittel werden von der Caritaskonferenz zugekauft, womit zugleich ein Dorfladen in Serkenrode unterstützt wird. „Wir finanzieren uns durch Spendengelder, davon kaufen wir auch ein. Es gibt im Pastoralen Raum einige feste Spender, doch gerade in der Vorweihnachtszeit steigt die Bereitschaft in der Bevölkerung, uns auch finanziell zu unterstützen“, sagt Karin Becker, die auch an die Waffelback-Aktion vor einem Kaufpark erinnert. Hier werden Kunden gebeten, einen Artikel mehr als geplant zu kaufen und für den Warenkorb zu spenden. Zu den Besonderheiten gehört auch die „Weihnachtswunschaktion“. An einem Weihnachtsbaum werden die Wunschzettel bedürftiger Kinder gesammelt. Wer einen Wunsch erfüllen möchte, tauscht den entsprechenden Zettel gegen das Geschenk, das der „Warenkorb“ vor Heiligabend ausgibt. „Manche geben sogar mehr als den Wert von 25 Euro, aber wichtig ist: alle Geschenke sind gut und in Ordnung“, fassen Bernadette Schörmann und Wielfriede Tilke weitere Aktionen zusammen.

Derweil sammeln sich weitere Kisten an. Obst und Gemüse, aber auch Milchprodukte, Backwaren, Nudeln, Mehl und vieles mehr. „Ich helfe gern, bei dieser tollen Aktion“, hat sich mit Stephan Graf von Spee auch ein männlicher Helfer eingefunden. Der langjährige Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienstes hat sich in seiner Heimat gern diesem Engagement angeschlossen.

Anderen helfen wollen

Anderen helfen wollen – dies ist die Intention aller Beteiligten. Dafür lohne sich auch der Aufwand. „Und, ganz ehrlich, es tut auch gut, wen man anderen geholfen hat“, verrät eine Helferin, die auch über Dankbarkeit der „Kundschaft“ berichten kann. Es reichen schon liebe Worte, doch manchmal gab es als Dankeschön auch selbstgebackene Plätzchen oder mal eine Flasche Sekt. Das baue das Team auf und mache es sehr froh. Hin und wieder müsse man jedoch auch Gemecker ertragen, wenn die Warteschlange stocke oder gegen Ende der Ausgabe der Warentisch nicht mehr so üppig sei.

Mechthild Tilke, Koordinatorin der Caritaskonferenzen im Dekanat Südsauerland, blickt mit großer Freude auf die Initiative der „Caritasfrauen  und -männer“ in Finnentrop: „Sie leisten hier vorbildliche Arbeit, vor allem beim Warenkorb. Die Idee der Cariatskonferenz wird hier umgesetzt: für alle zur Verfügung zu stehen. Auch gerade für die, die am Rande stehen. Sie schenken auch Hoffnung.“ Denn die Helferinnen und Helfer haben auch nach dem Warenkorb ein offenes Ohr für die Frauen und Männer, die zum Einkauf kommen, und hören in der kleinen Kaffeestube auch gern den Nöten und Sorgen zu.

Wertschätzung erhalten

Junge Menschen für die Arbeit der Caritaskonferenzen zu begeistern, ist nicht nur in Finnentrop ein Problem. „Doch hier in Finnentrop und insgesamt auch im Dekanat läuft es noch ganz gut“, so Mechthild Tilke. „Wir erfahren aber auch Wertschätzung durch die Leitung des Pastoralen Raums und haben sogar eine geistliche Begleitung. Das spornt uns immer wieder an“, ergänzt Karin Becker.

Fleissige Helferinnen bereiten den Warenkorb am Vormittag vor. (Foto: Ronald Pfaff)
Fleissige Helferinnen bereiten den Warenkorb am Vormittag vor. (Foto: Ronald Pfaff)

50 Ehrenamtliche

Alle fünf Cariatskonferenzen des Pastoralen Raums Bigge-Lenne-Fretter-Tal beteiligen sich am Warenkorb in Lenhausen. Helferinnen und Helfer aus den Pfarr- und Kirchengemeinden St. Joseph Bamenohl, St. Matthias Fretter, St. Antonius Eins. Heggen, St. Antonius Eins. Rönkhausen und St. Johannes Baptist Serkenrode bereiten die Regale mit Lebensmitteln vor und stehen jeweils auch am Nachmittag den bedürftigen Menschen bei der Warenausgabe zur Verfügung.

„Wir arbeiten dann in zwei Schichten an den Dienstagen und kommen alles in allem auf bis zu 50 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, freut sich Karin Becker über den Zuspruch.

Drei Fragen an:

Helga Gotthard, Diözesanvorsitzende der Caritaskonferenzen.
Redaktion

Was unterscheidet die Caritas-Konferenzen vom Caritasverband?

Helga Gotthard

Die Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn sind ein Netzwerk von Ehrenamtlichen. Wir sind ein eigenständiger Fachverband unter dem Dach des Caritasverbandes, von dem wir uns gut unterstützt wissen. Unserem Selbstverständnis entspricht es, Teil unserer Kirchengemeinden zu sein und dort in unserem Ehrenamt unseren Glauben zu leben. Uns ist es wichtig, dass wir Ehrenamtlichen uns selbst entscheiden, wie, wo und welchem Zeitaufwand wir uns engagieren. Und wir wollen als Verband die Interessen der Ehrenamtlichen selbst vertreten, in Kirche und Caritas und in die Gesellschaft hinein!

Redaktion

Wer kann in den Caritas-Konferenzen mitarbeiten?

Helga Gotthard

Die Caritas-Konferenzen sind offen für diejenigen, die Menschen auf Augenhöhe begegnen können. Wir sind getragen vom christlichen Menschenbild und jede und jeder, der das mitgestalten möchte, ist eingeladen, bei uns mitzumachen. Es können Frauen und Männer mitmachen, Christen, Muslime und Atheisten, wenn sie die passende Grundhaltung mitbringen. Bei uns wird Vielfalt gelebt, und alle können ihre eigenen Charismen einbringen.

Redaktion

An wen richtet sich die Hilfe der Caritas-Konferenzen?

Helga Gotthard

Die Caritas-Konferenzen leisten da Hilfe, wo Not ist. Wir begegnen einsamen Menschen und besuchen sie. Armen Menschen bieten wir in Kleiderkammern und Tafelläden Hilfen an. Familienhilfe leisten wir, indem wir Kindern Lesepaten sind oder auch bei finanziellen Engpässen. Geflüchteten Menschen helfen wir bei der Integration. In allen Bereichen tragen wir schnell, unbürokratisch und immer auf der Seite der Notleidenden zur Lösung von Problemen bei. Oft handeln wir auch anwaltlich, indem wir uns für gerechte Strukturen einsetzen. Dann gehen wir auch schon mal auf die Straße oder machen einen Sitzstreik in der Stadtverwaltung. Und wir sehen in jedem Menschen Gottes Ebenbild.

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