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Erzbistum Paderborn
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Blick auf Mainz und die Kathedrale© Oxie99 / Shutterstock.com

„Wir lassen Dich nicht mit Jubel ziehen, aber mit Respekt und Dankbarkeit“

Weihbischof Bentz mit Vesper und Empfang aus dem Bistum Mainz verabschiedet

Mit einem Empfang und einer Vesper ist Dr. Udo Markus Bentz aus dem Bistum Mainz verabschiedet worden. In seiner Würdigung beim Empfang am Sonntagnachmittag, 18. Februar, im Erbacher Hof in Mainz sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf: „Für Dich, für unser Bistum und auch für mich persönlich begehen wir heute einen deutlichen Einschnitt. Die Gefühle sind durchaus zwiespältig. Für Dich freuen wir uns, dass Papst Franziskus Dich zum Erzbischof von Paderborn ernannt hat. Paderborn bekommt mit Dir einen guten Bischof. Wir verlieren Dich in einer gewissen Weise, auch wenn wir verbunden bleiben. Die Jahrzehnte, die Du hier gelebt und gewirkt hast, prägen Dich und prägen uns. Wir geben Dich ab, aber als Kirche sind wir auch in vielen Bereichen weiter verbunden und gemeinsam unterwegs.“ Und weiter: „Lieber Erzbischof Udo, wir lassen Dich nicht mit Jubel ziehen, aber mit Respekt und Dankbarkeit.“

Bentz, der seit 2015 Weihbischof und ab 2017 zusätzlich auch Generalvikar im Bistum Mainz war, war am 9. Dezember 2023 von Papst Franziskus zum Erzbischof von Paderborn ernannt worden. Am Sonntag, 10. März, findet in Paderborn die Einführung des neuen Erzbischofs statt. Kohlgraf dankte Bentz persönlich „für sechs Jahre Weggemeinschaft“. Und weiter: „Als ich 2017 zum Bischof gewählt und geweiht wurde, hast Du Dich für die Aufgabe des Generalvikars zusätzlich zu Deinen Aufgaben als Weihbischof zur Verfügung gestellt. Angesichts der Herausforderungen war das nicht selbstverständlich, ich werde Dir dafür dankbar bleiben. Und ich glaube: Das Bistum Mainz darf wahrnehmen, was alles in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht worden ist.“

Großer Einfluss in Mainz

Wörtlich sagte Kohlgraf: „Du hast in Deinen Aufgaben die Brennnesseln angepackt, Probleme hast Du nicht vor Dir hergeschoben. Ich kann hier keine vollständige Aufzählung geben. Die neue Struktur des Ordinariats geht auf Deine Initiative zurück. Und Du hast Dich mit mir sehr bald nach dem Erscheinen der MHG-Studie dem Thema der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche gestellt. Danach wurde die Mainzer EVV-Studie in Auftrag gegeben. Wir haben Strukturen geschaffen, die Vieles von dem vorbereitet haben, was heute professioneller läuft. Mit Frau Rieth hast Du ein neues Leitungsverständnis auf den Weg gebracht, auch sie packt heute die Brennnesseln an. Ich bin froh, dass sie und der neue Generalvikar gemeinsam Verantwortung tragen. Die Suche nach einem neuen Weihbischof ist angelaufen.“

Es greife allerdings zu kurz, Bentz nur auf sein Engagement in der Bistumsverwaltung zu reduzieren, betonte Kohlgraf: „Du hast in zahlreichen Predigten und anderen Beiträgen offengelegt, aus welchen geistlichen Quellen Du lebst. Ohne diese Quellen versteht man Dich nicht. Deine Predigten waren und sind nicht nur gute Rhetorik, sie legen offen, was Dir wichtig ist. Ich glaube, dass Du vielen Menschen wichtige Anregungen für das eigene Glaubensleben gegeben hast. Menschen aller Altersstufen hast Du begeistern können. Ich wünsche Dir von Herzen und bin davon überzeugt, dass Dir das an Deiner neuen Wirkungsstätte auch gelingen wird.“

Rieth: „Du bist nie als Einzelkämpfer unterwegs gewesen“

Die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, würdigte unter anderem die „Zuverlässigkeit und Klarheit“ von Bentz: „Du scheust nicht das unmissverständliche und kritische Wort, da, wo es nötig ist. Du hast keine Angst vor der Auseinandersetzung. Aber du begegnest jedem erst einmal mit einem großen Vorschuss an Vertrauen und – Fehler dürfen passieren.“ Besonders in schwierigen Situationen habe er „Überblick und Weitblick behalten“, sagte Rieth.

Weiter betonte Rieth, die seit 2015 an verschiedenen Stationen mit Bentz zusammengearbeitet hat: „Du bist nie als Einzelkämpfer unterwegs gewesen. Gemeinsam verantworten – das war nie nur ein Slogan für dich. Du bist überzeugt davon: Unsere Kirche braucht dieses Prinzip, dass nicht mehr einer allein alles entscheidet. In dieser Weise warst du mit unseren Dezernenten und Dezernentinnen mit den Mitgliedern unserer Leitungskonferenz unterwegs. Aber dazu hast du vor allem in der Ausübung deines Amtes als Generalvikar auf Macht verzichtet.“ Und weiter: „Du hast auf Macht verzichtet und dich mit aller Konsequenz an das Amt der Bevollmächtigten gebunden, um so ein Vier-Augen-Prinzip an der Spitze der Verwaltung unserer Diözese herzustellen. Keiner muss die Last einer Verantwortung alleine tragen, darin besteht die eigentliche Entlastung, wenn wir die Dinge gemeinsam verantworten. Ich bin dir zutiefst dankbar, dass ich das besonders in den schwierigen Themen der letzten Jahre mit dir erleben durfte und ich bin zuversichtlich, dass das bereits so in unserer Diözese Fuß gefasst hat, dass ich das auch in Zukunft mit deinem Nachfolger und dem Bischof weiterhin so erleben darf.“

Rieth überreichte Bentz als Geschenk des Bistums eine Bronzefigur der heiligen Hildegard. Geschaffen wurde die Figur der Bistumsheiligen von dem aus Worms stammenden Künstler Karlheinz Oswald. Darüber hinaus übergab sie ihm einen Sammelband „mit Grußworten, Abschiedsreden, Bildern und Gedanken, die die Menschen aus unserem Bistum dir zum Abschied mitgeben möchten“.

Dr. Barner dankte im Namen der Laien und Räte

Dr. Susanne Barner, Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung, gratulierte Bentz stellvertretend für die ehrenamtlichen Laien und Räte im Bistum Mainz zur Ernennung zum Erzbischof von Paderborn und wünschte ihm Gottes Segen für die neue Aufgabe. Sie dankte ihm „für die gute Zusammenarbeit und Ihr Interesse am Austausch und an den Standpunkten und Einschätzungen der Räte“ und darüber hinaus „für Ihre Offenheit für Anregungen und für die Bereitschaft, über unterschiedliche Ansichten ins Gespräch zu kommen“.

Weiter sagte Barner: „Als Regens, Weihbischof und Generalvikar haben Sie im Bistum Mainz viel bewegt.“ Sie erinnerte an sein Mitgestalten beim Pastoralen Weg, bei dem er die Dimension des Teilens von Verantwortung „durch die Entwicklung der Idee einer Doppelspitze im Verantwortungsbereich des Generalvikars deutlich sichtbar gemacht hat“. Außerdem würdigte sie, dass Bentz „großen Anteil an der unabhängigen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Mainz“ habe.

An der Verabschiedung nahmen neben Generalvikar Dr. Sebastian Lang und den Mitgliedern der Leitungskonferenz auch zahlreiche Vertreter diözesaner Gremien, Einrichtungen und Verbände sowie der Paderborner Diözesanadministrator, Monsignore Dr. Michael Bredeck, und sein Ständiger Vertreter, Prälat Thomas Dornseifer, teil. Die musikalische Gestaltung des Empfangs hatten ein Chor und eine Musikgruppe aus dem Bischöflichen Ordinariat unter Leitung von Diözesankirchenmusikdirektor Lutz Brenner übernommen.

Vesper im Mainzer Dom

Vor dem Empfang fand im Mainzer Dom um 15.00 Uhr eine Vesper mit Bischof Kohlgraf im voll besetzten Mainzer Dom statt. In seiner Predigt ging Bischof Kohlgraf auf das bischöfliche Dienstamt ein: „In der Weihe wird deutlich, dass wir eine apostolische Kirche sind. Die wichtigste Aufgabe eines Apostels ist das persönliche Zeugnis, Zeuge der Auferstehung zu sein. Apostolische Kirche zu sein heißt, das Wissen um den Ursprung wachzuhalten: Wir verkünden nicht uns selbst, sondern Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Auch dies ist kein neuer Gedanke. Aber besteht darin nicht genau manchmal unser Problem, dass uns diese Botschaft nicht mehr wirklich umtreibt? Äußerlichkeiten beschäftigen uns manchmal mehr als diese große Botschaft, die in unser Leben gesprochen ist.“

Weiter sagte Bischof Kohlgraf: „Wir alle sind in der Verantwortung für das Reich Gottes, jeder und jede an der eigenen Stelle, mit der je eigenen Verantwortung. Heute reden wir über Synodalität und den Platz des Bischofs, und das ist gut und richtig. Synodalität muss aber heißen, Verantwortung wahrzunehmen und die eigene Sendung ernst zu nehmen. Verantwortung eines Bischofs bedeutet: Andere zu ermutigen und zu befähigen, die eigene Berufung leben zu können.“ Der Bischof stehe auch für die Verbundenheit mit der Weltkirche: „Weltkirche wird oft als Bremserin für unsere Themen verstanden, sie ist aber ein Reichtum, sie fragt unsere Selbstverständlichkeiten an. Du, lieber Udo, hast ein Herz für den Reichtum der Weltkirche, es ist gut, dass Du ihn neu in die Bischofskonferenz einbringst.“

Dankworte des scheidenden Mainzer Weihbischofs

Bei seiner Ansprache am Ende der Vesper blickte Weihbischof Bentz mit Dankbarkeit auf die verschiedenen Stationen und Schwerpunkte seiner 35 Jahre in Mainz, angefangen als Kaplan in Worms über die Aufgabe als Regens, Weihbischof, seine Verantwortung für die Caritas und schließlich als Generalvikar. Wörtlich sagte Bentz: „Die schwerste Aufgabe, die ich für die Kirche von Mainz übernommen habe, war zweifelsohne seit 2017 das Amt des Generalvikars. Die schwindenden Ressourcen – jeder Art – haben uns alle vor enorme Herausforderungen gestellt. Es gab viel Aufbruch. Es gab aber auch schwierige und harte, dennoch notwendige Entscheidungsprozesse. Vertrauen für die Zukunft aufzubauen bedeutete: längst überfällige Reform­schritte gehen. Licht in die dunkle Ecke der Vergangenheit bringen. Kirchliches Handeln und Entscheiden auf eine neue Basis stellen. Das alles wäre nicht möglich gewesen, hätte es nicht diesen gemeinsamen Willen so vieler, und zwar auf allen Ebenen des Bistums gegeben, aufzubrechen, diesen Weg zu wagen und bei allem notwendigen Ringen miteinander dennoch an einem Strang zu ziehen. Dafür bin ich allen Mitarbeitenden im Ordinariat und den Haupt- und Ehrenamtlichen in den Gemeinden und Einrichtungen sehr dankbar!“

„Niemals geht man so ganz…“

Bentz dankte Bischof Kohlgraf für die gemeinsame Gestaltung der „intensiven Aufbruch- und Umbruchsphase unseres Bistums“ in den vergangenen Jahren: „Danke für Dein Zutrauen! Danke für dein Vertrauen! Danke für deine Weggemeinschaft in den zurückliegenden Jahren!“ Mit Blick auf die Einführung des Amtes der Bevollmächtigen des Generalvikars im April 2022 sagte Bentz: „Die Überzeugung gemeinsamer Verantwortung ist mir zu einem Herzensanliegen geworden: Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, das Amt des Generalvikars in gewisser Weise ‚neu zu definieren‘ mit dem Konstrukt der Bevollmächtigten. Liebe Frau Rieth: Danke für Ihre Bereitschaft, sich auf diesen neuen Weg an der Spitze der Bistumsleitung einzulassen! Danke für die Art und Weise, wie Sie diese Aufgabe ausfüllen! Danke für unser Miteinander!“

Überschrieben hatte er seine Ansprache mit „Niemals geht man so ganz…“ Bentz verwies darauf, dass in der Kapelle des Paderborner Bischofshauses eine Figur des heiligen Martin – der Mainzer Bistumspatron – neben einer Figur des heiligen Liborius – der Paderborner Bis­tumspatron – steht: „Martin prägt meine kirchliche Herkunft. Liborius wird meine kirchliche Zukunft sein.“ Dem Bistum Mainz habe er viel zu verdanken, sagte Bentz und es werde sicherlich „meine innere, geistliche Heimat“ bleiben. Für seine Ansprache erhielt Bentz langanhaltenden Applaus. Die Begrüßung im Dom hatte der Mainzer Domdekan Henning Priesel, übernommen. Musikalisch gestaltet wurde die Vesper vom Mainzer Domchor und den Mainzer Dombläsern unter Leitung des Mainzer Domkapellmeisters, Professor Karsten Storck, sowie vom Mainzer Domorganisten, Professor Daniel Beckmann, an der der Domorgel.

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