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© Juhku / Shutterstock.com
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Studie arbeitet Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn auf

Missbrauch wird durch unabhängiges Forschungsprojekt an der Universität Paderborn kirchenhistorisch untersucht

Missbrauch wird durch unabhängiges Forschungsprojekt an der Universität Paderborn kirchenhistorisch untersucht

Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 28. April 2020 eine „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland“ verabschiedet. Darin wird auch die Notwendigkeit einer solchen Aufarbeitung hervorgehoben. Bereits im August 2019 hatte das Erzbistum Paderborn in einer Rahmenvereinbarung mit der Universität Paderborn ein unabhängiges Forschungsprojekt mit dem Ziel der Aufarbeitung von Fällen des sexuellen Missbrauchs auf den Weg gebracht. Unter dem Titel „Missbrauch im Erzbistum Paderborn – Eine kirchenhistorische Einordnung. Die Amtszeiten von Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002)“ soll die Studie Erkenntnisse zum Umfang des Missbrauchs, über die Gewalterfahrungen der Betroffenen und die daraus resultierenden Folgen für ihren weiteren Lebensweg sowie zu den Umgangsweisen der Verantwortlichen liefern.

V.l.: Generalvikar Alfons Hardt, Universitäts-Präsidentin Prof. Dr. Birgitt Riegraf, Prof. Dr. Nicole Priesching und Dr. des. Christine Hartig. Foto: Universität Paderborn

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von Professorin Dr. Nicole Priesching, Inhaberin des Lehrstuhls für Religions- und Kirchengeschichte an der Universität Paderborn, geleitet. Am 15. Februar hat Dr. des. Christine Hartig, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl, mit der Bearbeitung des Forschungsauftrags begonnen. Für eine umfassende Aufarbeitung hat Generalvikar Alfons Hardt uneingeschränkten Aktenzugang zugesichert. Die beiden Wissenschaftlerinnen unterliegen keiner Weisungsbefugnis des Erzbistums und sind in der Gestaltung ihrer Arbeit unabhängig.

Ausmaß und Folgen lange unterschätzt

„Es gilt herauszufinden, welche Personenkreise innerhalb der Kirche von Missbrauchsfällen wussten, wie Entscheidungen über das Ergreifen oder Unterlassen weiterer Maßnahmen getroffen wurden und ob strukturelle Bedingungen existierten, die Missbrauchshandlungen fördern konnten“, erklärt Priesching. Alle bisherigen Forschungsergebnisse legen der Wissenschaftlerin zufolge nahe, dass sich die kirchlichen Institutionen lange vor einer Auseinandersetzung mit diesem Thema gescheut und so das Leid der Betroffenen nicht ausreichend anerkannt haben. „Auch gesamtgesellschaftlich wurden Ausmaß und Folgen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen anhaltend unterschätzt und als ‚Ausnahmehandlung‘ betrachtet. Vor diesem Hintergrund sollen auch die kirchlichen, juristischen und medizinischen Fachdebatten analysiert werden, die eine solche Haltung begünstigt haben“, so Priesching weiter.

Zusammenarbeit mit Betroffenen

„Mit dem Forschungsprojekt haben wir für das Erzbistum Paderborn einen guten Ansatz für eine unabhängige Aufarbeitung – auch im Sinne der deutschen Bischöfe – auf den Weg gebracht“, so Generalvikar Alfons Hardt. „Wir wollen die Vorgänge, Haltungen und Bedingungen der Vergangenheit ganzheitlich verstehen lernen und die Erkenntnisse in unsere Interventions- und Präventionsarbeit einfließen lassen“.

Neben der Analyse administrativer Quellen aus kirchlichen und staatlichen Archiven, darunter Personal- und Strafakten, sind Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geplant. In den nächsten Monaten soll ein öffentlicher Aufruf gestartet werden, um potenzielle Interviewpartnerinnen und -partner anzusprechen. Ein wichtiges Anliegen des Projekts ist es auch, in Zusammenarbeit mit Betroffenen einen Beirat einzurichten. Die Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit nach Projektende in Buchform vorgestellt werden.

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