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© Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

St.-Walburga-Realschüler erforschen Künstliche Intelligenz

KI-Ausstellung in Meschede und Exkursion nach Paderborn zu Theologischer Fakultät, Fraunhofer-Institut und Heinz Nixdorf MuseumsForum / Realschüler bilden eigenes Urteil zu Künstlicher Intelligenz (KI)

Schülerinnen und Schüler der St. Walburga Realschule in Meschede, die vom Erzbistum Paderborn getragen wird, haben sich über verschiedene Zugänge intensiv mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt: Die Ausstellung „Der Kreuzweg Christi – von KI generiert“ zeigte der Schulgemeinschaft und der Öffentlichkeit in Meschede, wie Künstliche Intelligenz Religion und Christentum mit aktuellem Zeitbezug interpretiert. Eine Exkursion führte die Jugendlichen der Jahrgangsstufen neun und zehn zudem nach Paderborn, wo sie mit Experten der Theologischen Fakultät über ethisch-moralisch-theologische Aspekte Künstlicher Intelligenz ins Gespräch kamen. Am Fraunhofer-Institut setzten sie sich interaktiv-praktisch mit Künstlicher Intelligenz auseinander, im Heinz-Nixdorf-MuseumsForum konnten die Jugendlichen die dortigen KI-Stationen selbst erproben. Das Ziel: Möglichkeiten und Chancen, aber auch Gefahren und Risiken von Künstlicher Intelligenz kennenlernen und ein eigenes Urteilen grundlegen.

© Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn
Schülerinnen und Schüler der St. Walburga Realschule in Meschede haben sich über verschiedene Zugänge intensiv mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt. Eine Exkursion führte sie nach Paderborn, unter anderem zur Theologischen Fakultät Paderborn.

Die in der St. Walburga-Realschule Meschede von Oktober bis November 2023 präsentierte Ausstellung „Der Kreuzweg Christi – von KI generiert“ zeigte der Schulgemeinde die künstlerischen Bild-Ergebnisse, die aus der Zusammenarbeit des Erzbistums Paderborn mit dem Paderborner Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik entstanden sind: Auf insgesamt acht 80×120 cm großen Bildern wird der Kreuzweg Jesu dargestellt – allerdings nicht in traditioneller Art, sondern mithilfe künstlicher Intelligenz kreiert: Jesus als Rockstar, Influencer und Obdachloser in der heutigen Zeit. Die ästhetischen und dennoch nachdenklich machenden Bilder wurden erstmals im Juli 2023 während des Libori-Festes in der Paderborner Gaukirche ausgestellt.

Ausstellung: KI-Kreuzweg schafft neue Zugänge

Tommy Falkowski vom Fraunhofer-Institut Paderborn informierte an der St. Walburga-Realschule, wie der KI-Kreuzweg entstanden ist. Er gab einen ersten technischen Überblick zum Status quo sowie zu Chancen und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. „Es war beeindruckend, wie sich die Schülerinnen und Schüler mit den von der KI erzeugten Kreuzweg-Darstellungen auseinandergesetzt haben“, sagt Martina Thiele, Schulseelsorgerin der St. Walburga-Realschule. Sie hätten „Stimmiges“ und „Fremdes“ entdeckt, die Übertragung und Neukreation von bekanntem und vertrauten Kreuzwegdarstellungen und Jesus-Bildern durch die KI habe provoziert, aber auch neue Zugänge geschaffen. Dass die Ausstellung „Der Kreuzweg Christi – von KI generiert“ über die Schulgemeinschaft hinaus auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, sei eine gute Entscheidung gewesen. „So kamen wir mit vielen interessierten Menschen ins Gespräch.“

Künstliche Intelligenz – ethisch-moralisch-theologisch

Im Gespräch mit Professor Dr. Aaron Langenfeld, der Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn ist, beschäftigten sich die Jugendlichen der Jahrgangsstufe zehn der St.-Walburga-Realschule am Montag, 20. November 2023, mit der ethisch-moralisch-theologischen Beurteilung Künstlicher Intelligenz. Das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe neun führt am Donnerstag, 23. November 2023, Alexander Kaiser, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Moraltheologie der Theologischen Fakultät Paderborn. Professor Dr. Langenfeld verdeutlichte im Gespräch mit den Jugendlichen die zunehmende Schwierigkeit, zwischen den Fähigkeiten und Leistungen Künstlicher Intelligenz und jener von Menschen zu unterschieden. KI sei mehr und mehr dazu in der Lage, mit Menschen interaktiv zu kommunizieren.

Im Audimax der Theologischen Fakultät stellte Professor Dr. Aaron Langenfeld verschiedene Einsatzfelder Künstlicher Intelligenz vor und diskutierte mit den Schülerinnen und Schülern, ob sie selbst den Leistungen Künstlicher Intelligenz vertrauen würden oder besser einem menschlichen Experten: Würden sich Schüler von KI bei Gericht vertreten lassen anstatt von einem menschlichen Anwalt, würden sie zukünftig keine Fremdsprache mehr selbst erlernen, da KI unmittelbar Übersetzungen liefert, würden sie der KI medizinische Entscheidungen überlassen?

Der Rektor der Theologischen Fakultät betonte im lebendigen Austausch mit den Schülerinnen und Schülern die Notwendigkeit, zwischen „natürlich-persönlicher“ Intelligenz und „künstlicher“ Intelligenz zu unterscheiden: „Intentionalität“ und „Verstehen“ seien für die Kommunikation entscheidend, stellte Professor Dr. Langenfeld heraus. Es komme darauf an, „warum“ jemand kommuniziere. Künstliche Intelligenz reagiere, werte etwas aus – ohne Verstehen. Zentral sei darüber hinaus der Aspekt der Verantwortung: „Wer trägt für eine Entscheidung, die eine künstliche Intelligenz getroffen hat, die Verantwortung?“, fragte Professor Dr. Langenfeld die Schülerinnen und Schüler. Er machte zudem deutlich, dass KI nicht fehlerfrei sei, die KI-Ergebnisse weiter überprüft und auch eingeordnet werden müssten, eine Kontroll-Instanz für KI-Ergebnisse unerlässlich sei.

Künstliche Intelligenz in der Praxis

Tommy Falkowski ermöglichte den Schülerinnen und Schülern der St. Walburga-Realschule Meschede am Fraunhofer-Institut eine interaktive Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz. Er stellte das Institut als Einrichtung für „angewandte Forschung“ vor und zeigte durch exemplarische Forschungsfelder des Instituts, wie Künstliche Intelligenz in unterschiedlichen Praxisfeldern von Firmen eingesetzt wird. Der Mitarbeiter des Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik in Paderborn demonstrierte mit einer Abfrage unter den Schülern die Herausforderung, zwischen Ergebnissen von KI und denen von echten Menschen zu unterscheiden: Die Entscheidung, ob ein Bild von Künstlicher Intelligenz generiert wurde oder von einem Künstler, war nicht immer eindeutig. Fesseln konnte Tommy Falkowski die Schülerinnen und Schüler, als er ein von KI generiertes Lied über das Fraunhofer-Institut zu Gehör brachte: „Wir sind hier, wir bauen Zukunft neu. Mit Wissen und Innovationen. Ein Team so stark, wir arbeiten immerzu. Für bessere Systeme und Technologien. Im Fraunhofer IEM, wir sind bereit.“

Ein Besuch des Heinz Nixdorf MuseumForums in Paderborn rundete die Exkursion nach Paderborn für die Schülerinnen und Schüler der St. Walburga-Realschule Meschede ab: Hier konnten sie selbstständig das Museum erkunden und die zahlreichen Exponate entdecken. Selbstverständlich waren die vielfältigen KI-Stationen des HNF die bevorzugten Ziele der Jugendlichen. Der sogenannte „Schachtürke“ des österreichischen Ingenieurs von Kempelen stellte die Lernenden vor die Frage, ob hier künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, oder eine Person. Sie lernten den „Turing Test“ kennen, unterhielten sich mit „Eliza“, einem frühen Chatbot aus den 1960er Jahren, sie programmierten selbst, so dass Winkekatzen den Anweisungen der Schülerinnen und Schülern folgten.

Erfahrungen und Erkenntnisse – Schülerstimmen

Schülerin Paulina erlebte das KI-Angebot der St. Walburga-Realschule Meschede mit Ausstellung und Exkursion nach Paderborn als informativ und anregend, die stufenweise Annäherung an das Thema sowie die Möglichkeit, neue Technologien kennen zu lernen, fand sie prima. Einen „Blick in die Zukunft“ zu werfen, war für Schüler Kevin das Besondere der vielfältigen KI-Angebote: „Wir haben neue Bereiche kennengelernt, haben aber auch Herausforderungen und Nachteile der KI wahrgenommen.“ Für Schüler Phil war es eine besondere Erfahrung, im Fraunhofer-Institut und im Heinz Nixdorf MuseumsForum unterschiedliche Praxisfelder kennen zu lernen und zu erproben.

Das außerschulische Lernen und Erkunden war Schülerin Ina wichtig: Die Gespräche an der Theologischen Fakultät und am Fraunhofer Institut zeigten ihr, wie die „moderne Zeit“ mit Künstlicher Intelligenz aussehen kann, welche Risiken bedacht werden müssen, menschliche Antworten verlangen: „Auch Fake-News lassen sich mit KI erzeugen und streuen.“ „Spaß gemacht“ hat Schülerin Merit die Möglichkeit, das HNF eigenständig zu erkunden und Dinge auszuprobieren: „Dass wir das als Klasse und Jahrgangsstufe gemacht haben, war eine gute Erfahrung!“

Relevanz für die Schule

„Auch für Lehrerinnen und Lehrer ist das KI-Projekt spannend“, unterstreicht Nicolai Schäfer. Er ist Lehrer für Englisch, Physik, Informatik und Mediengestaltung der St. Walburga-Realschule Meschede und deren Beauftragter für Digitalisierung und Digitalität. KI und deren weitere technologische Entwicklungen seien einerseits tolle Möglichkeiten für die Erstellung von Ideen und Materialien für einen modernen Unterricht, andererseits aber auch ein Konfliktpotential hinsichtlich der angemessenen Bewertung von „schülereigenen“ Leistungen.

„Indem Schülerinnen und Schüler praktische Beispiele von KI studieren und analysieren, können sie besser verstehen, wie diese Technologie funktioniert und wo und wie sie genutzt wird“, erläutert Lehrer Nicolai Schäfer das KI-Projekt der St. Walburga-Realschule. „Unser Projekt bietet den Schülerinnen und Schülern zudem die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zur Problemlösung und zur ethischen Reflexion zu entwickeln und zu stärken – all das sind Schlüsselkompetenzen für das 21. Jahrhundert.“

Mitwirkende und Nachahmer beim KI-Projekt

„Wir sind dankbar, dass die Kooperation vieler Beteiligter ein kreatives und eigenständiges Lernen der Schülerinnen und Schüler ermöglicht hat“, erklärt Dr. Dennis Lewandowski vom Bereich Schule und Hochschule des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn. Er verweist auf die beteiligten Kooperationspartner beim aktuellen KI-Projekt: Die Abteilung Religionspädagogik des Bereichs Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat, die St. Walburga-Realschule Meschede, die Theologische Fakultät Paderborn, das Fraunhofer-Institut Paderborn, das Heinz-Nixdorf-MuseumsForum Paderborn, der Diözesanverband Paderborn des Deutschen Katecheten Vereins sowie das Dekanat Paderborn.

Alle Kosten des KI-Projekts der St. Walburga-Realschule Meschede wurden von der Abteilung Religionspädagogik des Erzbischöflichen Generalvikariats getragen. „Wir sind stolz auf die bestehende Kooperation des Erzbistums Paderborn mit dem Heinz Nixdorf MuseumsForum“, unterstreicht Dr. Lewandowski. „Wir wünschen uns viele Nachahmer, laden Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern nach Paderborn ein, um sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz grundlegend und kompetent zu beschäftigen.“

Der Leiter der Abteilung Religionspädagogik im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn freut sich über die gelungene Pilot-Veranstaltung mit den Schülerinnen und Schülern der St. Walburga-Realschule Meschede: „Das Organisieren und die zahlreichen Absprachen haben sich gelohnt: Den Schülerinnen und Schülern war ein zeitgemäßes, aktuelles und eigenständiges Lernen möglich. Sie können nun fundierter ein eigenes Urteil zur Künstlichen Intelligenz fällen, Chancen und Möglichkeiten, aber auch ihre Risiken genauer beurteilen. Fazit: Lern-Ziel erfolgreich erreicht.“

KI und Wahrheit

Über die gelungene Kooperation so vieler Beteiligter sowie über die interessanten Angebote freut sich auch Pfarrer Ludger Eilebrecht vom Diözesanvorstand Paderborn des Deutschen Katecheten Vereins (dkv). Der am Möhnesee tätige Priester des Erzbistums Paderborn hat gemeinsam mit zwei weiteren dkv-Vorstandsmitgliedern, Gemeindereferentin Monika Winzenick und Professorin Dr. Agnes Wuckelt, die KI-Veranstaltungen in Paderborn besucht. Die Frage nach Künstlicher Intelligenz sei für die Bildung allgemein, aber auch für die religiöse Bildung von höchster Relevanz, betonte Pfarrer Eilebrecht: „Was ist heute, in unserer Zeit noch ‚Wahrheit‘, wie kann zwischen ‚künstlich‘ und ‚echt‘, zwischen ‚falsch‘ und ‚richtig‘ unterschieden werden?“ Die „Wahrheits-Frage“ sei für das Zusammenstehen und den Zusammenhalt der Gesellschaft wesentlich. Da Künstliche Intelligenz mehr und mehr das ganze menschliche Leben beeinflusse, müsse durch Bildung ein entsprechendes Bewusstsein geschaffen werden, erklärt dkv-Diözesan-Vorstandsmitglied Pfarrer Ludger Eilebrecht. „Als Deutscher Katecheten Verein werden wir das Thema ‚Wahrheit‘ und ‚Künstliche Intelligenz‘ breit angehen und möchten es Lehrenden und Lernenden nahebringen.“

Ein Beitrag von:
Team Presse

Thomas Throenle

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