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Erzbistum Paderborn
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© Ronald Pfaff / Erzbistum Paderborn

„Seid gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes“

Tag des Landvolks: Gottesdienst im Hohen Dom mit Weihbischof Dominicus – Kundgebung im Schützenhof mit Erzbischof Hans-Josef Becker und Gastredner EU-Kommissar Dr. Johannes Hahn

Der Blick auf Klima, Weltbevölkerung, Infrastrukturen und Energieversorgung sei kein absurdes Gedankenspiel oder Problem eines fiktiven Raums, „sondern unseres in einer konkreten Region“, machte Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB auf dringliche Fragen der Zeit aufmerksam. Er forderte im traditionellen Gottesdienst zum „Tag des Landvolk“ im Hohen Dom zu Paderborn am Dienstag, 26. Juli 2022, dazu auf, die Worte der Lesung ernst zu nehmen: „Seid gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes“ (1. Petrus 4,7-11)

Das Motto des Libori-Festes „aufatmen“ hat für die Gäste der Landvolkkundgebung noch eine eigene Bedeutung. Denn nach der Corona-Pause können die Veranstaltungen für die Christinnen und Christen aus den ländlichen Regionen des Erzbistums am traditionellen Dienstag wieder komplett stattfinden. Dem Pontifikalamt im Hohen Dom mit Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB am Vormittag folgte am Nachmittag im Schützenhof die Kundgebung mit Festredner Dr. Johannes Hahn. Der Österreicher ist seit 2019 EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung in Brüssel. In dieser Funktion ist er auch für die EU-Haushaltsmittel des Agrarbereichs zuständig.

„Last am Schrein des Liborius ablegen“

„In solchen Zeiten von dauernder Veränderung braucht man Mitstreiter und Orientierung. Darum ist es sicher gut, sich des eigenen Fundamentes zu vergewissern, zu danken, für alles was gelingt und möglich ist und sich zugleich die Last einen Moment von den Schultern nehmen zu lassen“, lud Weihbischof Dominicus im Gottesdienst zu einem Moment des Aufatmens ein: „Er möchte Sie ermutigen, Ihre Last hier am Schrein des Liborius abzulegen. Durchzuatmen, um neue Kräfte für die anstehenden Herausforderungen zu sammeln.“

Die Weltlage fordere, so der Weihbischof, immer dringlicher auf, die eigene Wirtschaftsweise und das Konsumverhalten konsequent darauf auszurichten, dass die Ernährungssicherheit nicht gefährdet sei und Gottes Schöpfung nachhaltig bewahrt werde: weltweit und regional. „Dazu braucht es gute Verwalter; dazu braucht es Sie und Ihr Engagement für die Schöpfung Gottes; es braucht Sie und ihren solidarischen Blick auf die Gemeinschaft. Wir können darauf vertrauen, dass Gott an unserer Seite steht und uns aufatmen lässt. In diesem Sinne können Sie an Ihrem Platz gute Verwalter sein, wohl wissend, dass sein Segen auf Ihnen und Ihrem Handeln liegt“, richtete sich Weihbischof Dominicus an die Besucherinnen und Besucher des Landvolks.

„Wie geht es weiter mit dir, Europa?“

„Wie geht es weiter mit dir, Europa? Mit dem Krieg ist alles anders“ – mit seinen Erfahrungen als EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung nahm Dr. Johannes Hahn Stellung zur aktuellen Lage. Barbara Leufgen, Direktorin der Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, freute sich sehr, dass der Fachmann aus der Europapolitik die Einladung nach Paderborn angenommen hatte. Zuvor hatte sich Hahn mit der heimischen Politikprominenz auch das Paderquellgebiet angeschaut, das im Mai vom Tornado so stark betroffen war.

Europa stehe vor zwei ganz großen Herausforderungen, betonte Dr. Johannes Hahn und blickt auf die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine. „Wie geht es weiter mit Europa? Früher wurde die Frage gestellt, ob Europa daran zerbricht. Heute steht die Frage im Vordergrund, wie managt Europa diese Krise?“. Es müsse in Europa eine Technologie-Diversität geben, das habe schon die Geschichte gezeigt. Europa sei zugleich wirtschaftlich eine Weltmacht, und das gelte es noch zu nutzen, bis in zehn oder zwanzig Jahren andere Länder aufgeholt hätten. „Wir werden unser Gas-Problem jedenfalls schneller gelöst haben, als Herr Putin neue Kunden für sein Gas gefunden hat“, sieht Hahn im russischen Staatspräsidenten den Initiator des Krieges: „Wenn irgendwann wieder Frieden ist, dürfen wir nicht alle Russen verantwortlich machen.“

Ein Krieg gegen unterschiedliche Lebensmodelle

Der Krieg Putins gegen die Ukraine sei auch ein Krieg der unterschiedlichen Lebensmodelle. Denn für Europa stehe klar eine freiheitliche demokratische Ordnung mit Marktwirtschaft. „Die Ukraine kämpft auch für unsere Art des Lebens“, so Hahn, der hier die Herausforderung des 21. Jahrhunderts sieht. Gleichwohl dürfe Europa nicht nur nach Innen, sondern müsse auch nach Außen schauen.

„Die Einheit Europas war ein Traum von wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle“, mit einem Zitat von Konrad Adenauer beendete Johannes Hahn seine Ausführungen.

Trügerische Hoffnung auf ewigen Frieden

„Wenn auch das Leitmotiv unseres Liborifestes in diesem Jahr „aufatmen“ heißt, so leben wir doch weiter in schwierigen und gefährlichen Zeiten. Was die Zukunft bringt, wissen wir alle nicht“, betonte Erzbischof Hans-Josef Becker und bestätigte, dass der Vortrag zum Thema „Frieden in Europa“ und zu den Auswirkungen des Krieges sicher nicht nur ihm sehr nahe gegangen seien. „Wir sehen heute, wie trügerisch die Hoffnungen in Europa geworden sind, die Hoffnungen auf den ‚ewigen Frieden‘, von dem Immanuel Kant einmal gesprochen hatte oder auf das ‚Ende der Geschichte‘ im Sinn von Francis Fukuyama. Wir sehen, wie verletzlich dieser Friede auch bei uns ist und eigentlich auch immer war. Die Geschehnisse nicht erst seit dem 24. Februar dieses Jahres haben uns gezeigt, dass das, was wir für unverbrüchlich und selbstverständlich hielten, keinesfalls auch so unverbrüchlich und selbstverständlich war und ist. Das wird auch in Zukunft so sein.“

„Worte sind niemals einfach nur harmlos und wohlfeil“

Wirklicher Friede erwachse aus einem guten Miteinander der Völker, Religionen und Gemeinschaften, führte Erzbischof Hans-Josef Becker weiter aus. Das lehre nicht zuletzt die Freundschaft zwischen Le Mans und Paderborn. „Der Friede kommt immer auch aus dem Respekt vor der Andersheit des Mitmenschen, die für uns im christlichen Glauben und Bild vom Menschen wurzelt. Die Gewalt der Worte aber, die zum Teil brutale Art und Weise, wie Menschen privat und öffentlich voneinander sprechen und miteinander umgehen, all dies führt unweigerlich auch zu einer Gewalt der Taten. Worte sind niemals einfach nur harmlos und ‚wohlfeil‘.“

Ein Beitrag von:
Redakteur Team Presse und Redaktion

Ronald Pfaff

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