logocontainer-upper
Erzbistum Paderborn
logocontainer-lower

Respekt vor der Schöpfung

Adelheid Lüttecke ist Frau der ersten Stunde im Weltladen Attendorn

Eigentlich wolle sie keine Hauptrolle spielen, keine Protagonistin sein. Schließlich sei sie nur ein kleiner Teil einer Gruppe vieler aktiver, engagierter Menschen, Teil eines großen Ganzen, sagt Adelheid Lütteke vom Weltladen in Attendorn. Die 62-Jährige steht nicht gerne im Mittelpunkt. Nichtsdestotrotz ist sie Frau der ersten Stunde. Und das, was sie tut, ihre Motivation und Antriebskraft, umschreibt sie in einem Satz, der voller Schlagkraft ist: „Aus Respekt vor der Schöpfung.“

Verantwortung aus dem Glauben heraus

An den Wänden des Weltladens in der alten Hansestadt hängen großflächige Porträts in Acryl. Gemalt hat sie Sami Gebremariam. In Eritrea geboren und in Äthiopien aufgewachsen, flüchtete er über den Sudan, die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Im Sauerland ist der junge Mann gut bekannt. Sein künstlerisches Talent setzt er für den guten Zweck ein, verbindet seine Leidenschaft für das Malen mit sozialen Projekten. Insofern sind die hier aufgehängten Werke auch ein Statement. Weil sie spiegeln, um was es in der Weltladenarbeit und der Idee des fairen Handels geht: Frieden und Gerechtigkeit. „Mein Glaube gibt mir das Bewusstsein und die Sensibilität für das Thema Schöpfung. Die Frage ist doch, wie wir mit den Dingen umgehen, die uns geschenkt werden“, sagt Adelheid Lütteke.

Fischerpastoral in Brasilien

Wenn es um die Geschichte der Weltläden in Deutschland geht, muss man mit 1970 beginnen. In dem Jahr initiierten evangelische und katholische Jugendverbände aus Kritik an der Entwicklungspolitik die sogenannten Hungermärsche. Daraus entstand die „Aktion Dritte Welt Handel“ mit dem Verkauf von fair gehandelten Produkten nach den Gottesdiensten, in Kirchenläden oder auf Märkten. Seit den 1980er Jahren gibt es die Weltladen-Bewegung in Attendorn. Die Keimzelle war eine Gruppe, die sich um den in Attendorn geborenen Franziskanerpater Alfred Schnüttgen, der sich in Brasilien für die politischen und sozialen Rechte der Fischer einsetzte, gegründet hatte. Lütteke: „Die Mitarbeit im Weltladen bietet für jeden die Chance, Verantwortung zu übernehmen und unsere Welt von morgen mitzugestalten.“ 1985 öffnete die Initiative den ersten kleinen Weltladen am Kirchplatz. Seit 1992 ist man als gemeinnütziger Verein unterwegs. Rund 30 Menschen engagieren sich ehrenamtlich im Weltladen. Der Verein zählt heute 80 Mitglieder, die Liste der Freunde und Förderer ist lang. Und die Erlöse fließen immer noch in das Projekt der Fischerpastoral in Brasilien, das bis heute von Misereor begleitet wird.

Frieden und Gerechtigkeit mit dem Einkaufskorb

„Hier kann ich mit dem Einkaufskorb politisch aktiv sein, mich ehrenamtlich engagieren, Gutes tun und auf Missstände aufmerksam machen“, sagt Adelheid Lütteke, die sich mit Herz und Seele für den Weltladen einsetzt. Dabei ist sie weniger im Laden im Verkauf, sondern beschäftigt sich mit dem „ganzen Drumherum“, wie sie es nennt. Und das sind neben Warenauswahl, Bestellungen und Abrechnungen vor allem Bildungsarbeit und politische Kampagnenarbeit. „Wir sind ja ein Arbeitskreis, sind unterwegs mit verschiedenen Aktionen, nehmen Soziales, Ökonomie und Ökologie in den Blick.“

Adelheid Lütteke erinnert sich noch gut an den Nicaragua-Kaffee, den sie in den 1980er Jahren in ihrer Tasse hatte. Zu scharf gebrannt und nicht gerade überzeugend im Geschmack. „Man trank ihn nicht aus Genuss, sondern aus Solidarität.“ Kaffee als ehemaliges Kolonialprodukt war Pionier und Symbol der Weltladen-Bewegung, zeigten sich daran die unfairen Strukturen im Welthandel ganz besonders. Kaffee ist nach wie vor auch immer noch beliebtes Produkt im Weltladen Attendorn, indes inzwischen mit regionalem Bezug, weil es den fairen Stadtkaffee „Bellebaums Traum“ gibt, den der Arbeitskreis vor einigen Jahren organisierte. „Die Ergänzung um nachhaltige Produkte aus der Region macht natürlich Sinn, schließt den Kreis“, sagt Lütteke. „Unser aller Engagement im Fairen Handel folgt dem Bewusstsein, dass jede Kaufentscheidung eine Entscheidung im Sinne der Bewahrung der Schöpfung ist.“ Und so finden sich neben dem Sortiment aus Afrika, Asien und Südamerika – Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, Kunsthandwerk – auch Produkte aus dem Sauerland. Dazu gehören beispielsweise Bio-Eier und Bio-Nudeln.

Strahlen und Wirkung entfalten

Vor zwei Jahren machte der Weltladen in Attendorn, der der einzige seiner Art mit eigenen Geschäftsräumen in der Region überhaupt ist, einen wahren Schub nach vorne. Man schloss sich dem Weltladen-Dachverband an und man zog in ein großes modernes Ladenlokal, ist seitdem in der Stadt sichtbarer. Das, so Lütteke, sei ein wichtiger und richtiger Schritt gewesen. „Ein Weltladen muss auch professionell sein, um seine Wirkung entfalten und strahlen zu können.“

Dass die Stadt Attendorn vor zehn Jahren zur ersten Fairtrade-Stadt in Südwestfalen ausgezeichnet wurde, ist auch dem Engagement der Weltladen-Initiative zu verdanken. Nun arbeitet man daran, gemeinsam mit den benachbarten Kommunen, Fairtrade-Region zu werden. „Bei so einem Projekt braucht es Verbindungen zu Unternehmen, Organisationen, Vereinen, Bürgern, Schulen und Kirche. Man muss das, was wir bisher erreicht haben, am Leben halten“, blickt Lütteke dankbar zurück auf die bisherige Erfolgsgeschichte des Weltladens in Attendorn als lokale Stellungnahme und kritische Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie man lebt. „Mein Engagement ist Ausdruck meines Glaubens im Alltag. Nach der Devise „global denken, lokal handeln“ zeigt unser Team, wie kleine `Fair´Änderungen zu einer gerechten und friedlichen Welt beitragen können.“

Info: „Bellebaums Traum“

Namensgeber ist der Leineweber Ferdinand Bellebaum (1846-1917). Als während des Ersten Weltkrieges der Kaffeeimport stark eingeschränkt war, brannte er für die Attendorner einen eigenen Kaffee. Er röstete Wurzeln der Zichorien, die gemahlen als Kaffeeersatz verwendet wurden. Die Weltladen-Legende: Natürlich träumte auch er damals von echtem Bohnenkaffee. Dieser Traum geht durch unseren fair gehandelten Stadtkaffee in Erfüllung.

Weitere Einträge

Unser Glaube Vertrauen. Neugierde. Hoffnung.

Was Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz aus seinen ersten Wochen im Amt lernt
© Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Schäfer Andreas Eisenbarth (Schäferei Bethel) und seine Lämmer

Unser Glaube „Schafe hüten macht nicht reich, aber sehr zufrieden“

Nicht nur seinen Tagesablauf richtet Schäfer Andreas Eisenbarth an seinen Schafen aus, auch den Jahresrhythmus geben sie vor. Und dabei ist Ostern für die Tiere und ihn eine ganz besondere Zeit
© Barbara Vielhaber-Hitzegrad / Grundschule Dinschede
"Ich finde, dass Toleranz bedeutet, dass man einen anderen Menschen so akzeptiert, wie er ist. Er kann eine andere Meinung haben oder anders aussehen. Alle Menschen sind gleich viel wert. Das heißt für mich Toleranz." Mats, 9 Jahre

Unser Glaube Nie wieder ist jetzt

Die Grundschule Dinschede in Arnsberg-Oeventrop, eine städtische katholische Bekenntnisgrundschule, hat ein beeindruckendes Toleranzprojekt auf die Beine gestellt – politische Bildung in der vierten Klasse funktioniert!
Kontakt
| |
generalvikariat@erzbistum-paderborn.de
+49 (0)5251 125-0
Barrierefreiheit