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Erzbistum Paderborn
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Mit Empathie und Anteilnahme die Hand reichen

Grund 3: Ich bin bei dir. Vier kleine Worte, die große Wirkung haben können. Etwa in existenziellen Krisen. Was dann zählt, weiß Notfallseelsorgerin Susanne Soemer.

Der Besuch bei Susanne Soemer beginnt mit dem Erinnern. An ihre eigene Geschichte. An den Tag vor vielen Jahren, als ihr Vater plötzlich starb. „Am Abend vorher hatten wir eine Familienfeier. Mit meinem Papa, einem fröhlichen und optimistischen Menschen, mittendrin. Am nächsten Morgen haben wir ihn tot in seinem Bett gefunden. Ich kenne das Gefühl, einen nahestehenden Menschen von jetzt auf gleich zu verlieren. Es ist dann gut, wenn jemand da ist.“

Ausdruck der Haltung

Da sein – sechs Buchstaben, zwei kleine Wörter. Susanne Soemer ist da. Dann, wenn Polizei und Rettungsdienste Todesnachrichten überbringen müssen. Dann, wenn sich Lebenswege von Menschen durch eine Katastrophe in kaum mehr als einer Sekunde dramatisch verändern. Durch einen Verkehrsunfall, einen Suizid, einen häuslichen Todesfall. „Wichtig ist die erste Zeit, die erste Stunde. Wenn mein Handy klingelt, dann bleibt keine Zeit, dann muss ich los.“

Vor fünf Jahren initiierten die katholischen und evangelischen Kirchen im Dekanat Südsauerland das ökumenische Projekt „Notfallseelsorge im Kreis Olpe“. Auch als Antwort darauf, dass mit den sich verändernden kirchlichen Strukturen weniger seelsorgliches Personal zur Verfügung steht. Für Soemer, die in einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderung arbeitet und diese seelsorglich begleitet, ein Anknüpfungspunkt, ihre persönliche Lebenserfahrung, ihre Begabung und Neigung auch ehrenamtlich einzubringen. Für sie sei es Ausdruck der Haltung. „Wenn man an Gott glaubt, dann hat es Wirkung darauf, wie man handelt und agiert.“

Vom Vertrauen und aufeinander verlassen

Susanne Soemer lebt auf dem Hof ihrer verstorbenen Eltern. In Burbecke, einem Dorf mit nicht einmal 90 Seelen am östlichen Rand des Kreises Olpe. In der Küche hängt ein altes hölzernes Kreuz mit einem Korpus aus silbernem Metall. Soemer mag das Kruzifix nicht, es sei doch irgendwie grausam, sagt sie. „Aber es hängt dort schon immer. Es gehört hier hin und es soll bleiben.“ Vier kleine Marienkäfer hat sie dran geklebt, um es schöner zu machen. Einen für jedes ihrer inzwischen erwachsenen Kinder. Auf dem Esstisch steht eine kleine Skulptur, Maria mit dem Kind. „Hier werden ganz viele Gespräche geführt, mit der Familie, mit Freunden. Maria ist immer dabei.“

Ein Leben in Gemeinschaft, damit sei sie aufgewachsen, erzählt die 56-Jährige. In dem kleinen Ort, wo immer alle Türen offenstanden. Mit Eltern, die noch den Glauben gelebt haben. Sie selbst sei schon immer kirchlich engagiert gewesen, schon als Teenager in der Kolpingjugend. „Leben in Beziehung zu Gott, das finde ich wichtig. Ohne das immer laut auszusprechen. Ich bin in einem Umfeld groß geworden, das stützt mit einem tiefen Vertrauen und mit Werten, die einen durchs Leben tragen. Mit Menschen, die auf Jesus ausgerichtet und einander zugewandt sind und auf die man sich verlassen kann, auch wenn es einem nicht so gut geht.“

"Gott, gib' mir Worte!"

Frage an Susanne Soemer: Ist es der erlebte und gelebte Glaube, der sie zu einem besonders resilienten Menschen macht? So stark, Tragik und Verlust anderer Menschen mittragen zu können? „Mein Vertrauen gibt mir Halt, ganz sicher. Aber das, was ich als Notfallseelsorgerin erlebe, ist manchmal auch für mich schwer. Wenn Kinder oder Jugendliche plötzlich sterben, dann ist es ganz besonders schlimm. Gleichwohl bin ich in einer anderen Rolle, nicht in der des betroffenen Menschen, sondern in der des helfenden. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie ich das immer schaffe. Nicht selten, dass ich im Auto sitze und bete: Gott, gib mir Worte.“

Rund 30 ehrenamtliche Mitarbeitende hat das Projekt „Notfallseelsorge im Kreis Olpe“. Menschen jeden Alters und aus vielen verschiedenen Berufsgruppen. „Da ist der Busfahrer ebenso wie die Ärztin, die Managerin oder der Kaufmann.“ Begleitet werden sie durch ein vierköpfiges Leitungsteam, zu dem zwei Pfarrer gehören und auch Susanne Soemer. „Wir habe ein starkes Netzwerk, sprechen viel miteinander, tauschen nach jedem Einsatz Erfahrungen aus im Rahmen der seelsorglichen Schweigepflicht.“

Nicht immer eine Antwort

Wenn Soemer zum Einsatz fährt, dann weiß sie, was passiert ist. Was sie nicht weiß ist, was sie erwartet. „Wenn wir kommen, dann ist das Unglück gerade erst geschehen. Da ist die Frau, die ganz alleine ist. Oder die Familie, in der das Chaos ausbricht.“ Egal, was und wie und unabhängig von Konfession und Religion, es gehe darum, in dieser existenziellen Lebenslage beizustehen, die Situation gemeinsam auszuhalten, zu klären und zu stabilisieren, bis der nächste Schritt getan werden könne. „Mit Empathie und Anteilnahme eine Hand zu reichen, das ist meine Aufgabe, das bedeutet da zu sein“, so Soemer. Und ja, manchmal käme auch die Frage nach dem Warum. „Das kann ich nicht beantworten. Nur aus meinem eigenen Erleben und aus meinem Glauben heraus sagen, dass es weitergeht. Im Leben und danach.“

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1000 gute Gründe

Für unseren Glauben, unsere Kirche und für unser Engagement sprechen 1000 gute Gründe. Und noch viele mehr. Es ist Zeit, von ihnen zu erzählen! Ohne etwas zu verschweigen oder schön zu reden. Sondern, indem wir auch das Gute wieder zur Sprache bringen und sichtbar machen, wie lebenswert und vielfältig unser katholisches Glaubensleben ist. In einer einladenden, konstruktiven Haltung möchten wir mit Menschen ins Gespräch kommen.

Wir möchten hören, was Sie im Leben und Glauben trägt – egal, ob Sie in der Kirche arbeiten, ob Sie engagiert sind oder ob Sie einfach neugierig auf unsere Themen und Angebote sind. Alle sind herzlich eingeladen, bei der Initiative „1000 gute Gründe“ mitzumachen. Denn je mehr wir sind, desto stärker ist unsere Stimme. Um umso stärker wird unsere Initiative, die in den kommenden Jahren und Monaten immer weiter wachsen wird.

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