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Erzbistum Paderborn
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© Isabella Maria Struck /Erzbistum Paderborn

„Lieber Herzbischof, kommen Sie bald wieder!“

Dekanat Hagen-Witten heißt den neuen Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz willkommen

Im Dekanat Hagen-Witten herrscht reges Treiben. Der Besuch des neuen Paderborner Erzbischofs Dr. Udo Markus Bentz steht bevor. Eine Chance – nicht nur dafür, das eigene Dekanat zu präsentieren, sondern auch, um Wünsche zu äußern, Sorgen zu schildern und Antworten zu erhalten auf wirklich brennende Fragen, darunter: „Wofür bist du da, Kirche?“, „Wie begegnen wir der Zentralisierung Pastoraler Räume?“, „Was können wir tun, um das Ehrenamt zu wahren?“ und eine besonders spannende Frage, von der Schulseelsorger Christian Haase zu berichten weiß: „Wie spricht man eigentlich den Erzbischof an? Die Antwort auf diese Frage ist glücklicherweise schon vor dem Besuch gefunden: „Herr Erzbischof.“ Die junge Fragestellerin von der Hildegardis-Schule freut sich: „Herzbischof – das gefällt mir.“

Gemeinsam mit Generalvikar Dr. Michael Bredeck macht sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz auf den Weg zum Pfarrheim St. Bonifatius in Hagen. Rund 100 Kilometer liegen zwischen ihm und der ersten Station seiner vierten von insgesamt 19 Dekanatsreisen. Das Dekanat Hagen-Witten erstreckt sich über vier Kommunen. 23 Pfarreien sind in vier Pastorale Räume zusammengefasst. Kurzum: Das Dekanat Hagen-Witten ist vielschichtig und das gilt auch für die Herausforderungen vor Ort.

Vielschichtigkeit hautnah erleben

Im Pfarrheim St. Bonifatius angekommen, steht ein Besuch der örtlichen Kleiderkammer auf dem Programm. Vielschichtigkeit lässt sich auch hier hautnah erleben. Vom Pullover über Röcke bis hin zur Anzughose: Zwölf ehrenamtlich Beschäftigte, darunter zehn Frauen und zwei Männer, arbeiten sich regelmäßig durch Berge gespendeter Kleidung. Die Kleiderkammer steht unter dem Titel „Secondhand-Laden“. Kleidung gibt es hier nicht ganz kostenlos: „Unsere Preise sind gering. Sie bewegen sich zwischen zehn und 50 Cent. Für Küchenutensilien, die wir auch anbieten, werden schon mal fünf Euro fällig“, berichtet der Ehrenamtliche Karl-Heinz Gaertig. Dieses Modell sei unumgänglich, ergänzt Marianne Huckschlag: „Das große Angebot verleitet dazu, viel mitzunehmen. So viel, dass sich Besucher auf dem Weg nach draußen schon wieder von Artikeln trennen, die wir schließlich auf dem Hof einsammeln müssen.“ Einen „kleinen“ Preis an die Ware zu hängen, steigere die Wertschätzung, erklärt Huckschlag den Besuchern aus Paderborn. Die meiste Zeit ginge beim Aussortieren unbrauchbarer Artikel verloren. Das Ergebnis offenbart die Ehrenamtliche mit einem beherzten Zug an einem Vorhang, der eine unscheinbar anmutende Nische verdeckt: Der Anblick meterhoher Regale, dicht befüllt mit blauen Säcken, löst ungläubige Blicke aus: „All das sind Kleidungsstücke, die kaputt, schmutzig oder einfach nicht mehr in Mode sind.“ Einige Spender verwechselten den „Secondhand-Laden“ mit einem Entsorgungsbetrieb. Sehr zum Leidwesen der Ehrenamtlichen.

Sozialen Herausforderungen begegnen

Um bergeweise bunte Eindrücke bereichert, machen sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und Generalvikar Dr. Michael Bredeck auf zum Gespräch mit dem Dekanatsteam. Ein Schwerpunktthema: das kirchliche Leben im Dekanat Hagen-Witten. Während die Zusammenführung verschiedener Pfarreien zu Pastoralen Räumen ein einheitliches Miteinander vermuten ließe, seien die Dynamiken tatsächlich doch eher heterogen, berichtet Dechant Dieter Aufenanger: „Die einzelnen Pfarreien sind sehr unterschiedlich geprägt. Trotz der Zusammenführung haben sie ihre Eigenheiten beibehalten.“ Besonders herausfordernd sei überdies die Zugehörigkeit zu insgesamt vier Kommunen. „Gerade in Corona-Zeiten haben uns die unterschiedlichen Vorgaben der verschiedenen Kommunen vor Hürden gestellt“, so Dechant Dieter Aufenanger weiter. Nicht außer Acht zu lassen sei außerdem die soziale und wirtschaftliche Lage Hagens im Vergleich zu anderen Großstädten. Hierfür hat das Dekanatsteam Vergleichswerte zusammengestellt, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Aus einer Untersuchung vom Institut der Deutschen Wirtschaft gehe demnach hervor, dass Hagen in der Kategorie „Dynamik“ den letzten von insgesamt 71 Plätzen belege. Auf dem ersten Platz und damit die Stadt, die die größte wirtschaftliche Entwicklung verzeichne: Mainz – Heimatstadt von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz.

„Lobby der Armen“

Ob wirtschaftlich oder sozial – Armut ist vielfältig. Gerade da, wo soziale Strukturen komplex verwoben sind, gilt es für Kirche, Orientierung zu geben. Ein entscheidender Wegmarker im Dekanat Hagen-Witten ist „Corbacher 20“, ein Projekt der stadtteilorientierten Diakonie- und Sozialarbeit und dritte Station auf der heutigen Dekanatsreise von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und Generalvikar Dr. Michael Bredeck. An fünf Tagen in der Woche ist das „Corbacher 20“ Treffpunkt und Beratungsstelle für Menschen verschiedenster Herkunft: „Hier treffen sich Menschen, die innerhalb der Gesellschaft keinerlei Berührungspunkte gehabt haben. Es entwickeln sich Freundschaften, man tauscht sich aus und hilft einander“, berichtet Sozialarbeiterin Laura Kujath. Gemeinsam mit Sozialarbeiter Torben Reddig ist sie täglich vor Ort. „Die Einrichtung ist ökumenisch. Ein Umstand, den wir in der Zusammenarbeit schätzen und viele in der Gesellschaft befürworten und mit Spendengeldern honorieren“, ergänzt Heinrich Baumann, evangelischer Pfarrer im Ruhestand und 1. Vorsitzender des „Chorbacher 20“. Auf die Nachfrage von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, wie Diakonie, Caritas und das Projekt „Corbacher 20“ ineinandergreifen, berichtet Sozialarbeiter Torben Reddig vom Alleinstellungsmerkmal der Kooperation, in dem Beratungsangebote Lücken schließen, die anderenorts offenblieben: „Vielfach ist es so, dass wir gezielt Angebote von Caritas und Diakonie in Anspruch nehmen, die wir in der Form nicht bieten können. Andersherum gibt es aber auch Fälle, in denen die Stellen auf uns verweisen, weil bei ihnen dringende, übergreifende Anliegen nicht immer abgedeckt werden können.“ Beratung umfasse vielfach auch, zuzuhören und Lebensgeschichten kennenzulernen: „Das ist oft Beziehungsarbeit, die anderswo nicht geleistet werden kann“, erklärt Laura Kujath. „In Wirtschaft und Politik wird Lobbyarbeit betrieben und Unternehmen vertreten. Doch wer macht Lobbyarbeit für die Armen? Das übernehmen wir“, fasst die Sozialarbeiterin entschlossen zusammen.

Sehnsucht nach Seelsorge

Für ihre letzte Dekanatspastoralkonferenz als Stellenleiterin der EFL Hagen-Iserlohn ist Ursula Hiltemann kreativ geworden – mit Erfolg, ihre Demonstration ist geglückt. Umgeben von 81 bunten Plastikbällen, die ihr zu Füßen liegen, erklärt sie: „Das sind 81 Bälle, die aufgehoben werden wollen. 81 Bälle, die Menschen repräsentieren, die am Boden sind und darauf warten, beraten zu werden. Im ganzen Erzbistum sind es sogar 700 Leute, die Halt suchen und „aufgehoben“ werden wollen.“ Hier bieten sich Chancen, weiß Hiltemann: „Auch diejenigen, die Kirche oft kritisch gegenüberstehen, verspüren eine Sehnsucht nach Seelsorge und suchen unsere Hilfe. Hoffnung, dass Kirche Menschen zusammenbringt, gibt das dreimonatige Leuchtturmprojekt „Familienkirche“, das Gemeindereferent Markus Ehrhardt vorstellt. Noch bis zum 26. Mai erstrahlt die Heilig-Kreuz-Kirche im Pastoralen Raum „Am Hagener Kreuz“ in verändertem Glanz. Lebendige Gottesdienste und altersübergreifende Mitmachaktionen sollen Kirche erlebbar machen. „In Zeiten des Umbruchs, in denen Pastorale Räume größer werden, kann schnell der Kontakt zum Menschen verloren gehen. Die Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen, geht verloren. Mit dem Leuchtturmprojekt der Familienkirche konnten wir dieser Entwicklung jetzt zeitweise entgegenwirken“, fasst Dechant Dieter Aufenanger zusammen

„Auch mal etwas Positives sagen“

Nach einer gemeinsamen Vesper in der Kirche St. Marien folgt schließlich der letzte Programmpunkt der Reise ins Dekanat Hagen-Witten: das Treffen mit den ehrenamtlich Engagierten. Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz blickt gespannt auf die bevorstehende Begegnung. Sein Zwischenfazit bis hierher: „Ich freue mich, denn ich merke: Es gibt eine Leidenschaft, etwas zu gestalten, trotz der Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben.“ Dass diese Herausforderungen frustrieren können, spürt auch Christiane Humpert, Mitglied des Diözesankomitees. „Wir haben uns auf den Weg gemacht und wollen etwas erreichen. Es gelingt uns jedoch nicht immer, die Gemeinden zusammenzubringen, sodass übergreifend gehandelt werden kann. Hier macht sich dann schnell Enttäuschung breit.“ Gedanken, die Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz verstehen kann. Es könne nicht mehr alles überall stattfinden. Manches müsste an bestimmten Orten stattfinden, anderes anderswo. Wichtig sei jedoch stets, Angebote zu schaffen, für die es sich lohnt, herzukommen. Die Familienkirche sei dafür ein wesentlicher Ansatz. Generalvikar Dr. Michael Bredeck ergänzt: „Es wird notwendig sein, auf eine neue Ebene zu gehen und über die Gemeinde hinaus etwas für den persönlichen Glauben zu tun mit neuen Formaten. Herkömmliches zu bewahren und auf größere Räume anzuwenden, wird nicht überall gelingen.“ In diesem Prozess sei die Dynamik des eigenen Glaubens entscheidend, der nicht ermüden dürfe angesichts der Herausforderungen. Iris Hasken aus der Gemeinde St. Meinolf greift diese Gedanken auf und betont dabei „endlich mal etwas Positives“ beitragen zu wollen, nachdem der Fokus bislang auf den Schwierigkeiten des kirchlichen Lebens ruhte. So berichtet Hasken von der Seniorengruppe, die sie kurzerhand in die Ü65-Gruppe umgewandelt habe, denn: „Wer möchte heutzutage noch Senior genannt werden?“, fragt Iris Hasken in die Runde. Gemeinsam mit ihrem Team habe sie verschiedene Aktionen auf die Beine gestellt. Angefangen hätten sie mit Veranstaltungen mit 30 Teilnehmenden. Bei der jüngsten Karnevalsveranstaltung freuten sie sich dann schon über 80 Gäste: „Was mich dabei besonders freut: Es kamen nicht nur Besucherinnen und Besucher aus der Gemeinde St. Meinolf, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden“, betont Iris Hasken.

 

Der abschließende Wunsch von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz: die Zukunft gemeinsam gestalten. Auch, wenn es eine andere Zukunft sein würde. So appelliert er an die Ehrenamtlichen, dahinzuschauen, wo Ermutigung zu finden sei, und zu überlegen, wie Hindernisse ernsthaft verändert werden könnten: „Wir stehen in einem gesellschaftlichen Wandlungsprozess. Das ist für uns keine Ausrede, nichts zu tun – keine Ausrede, nichts zu gestalten.“ Für den Austausch sei er dankbar. Es sei unerlässlich, Kritik zu üben und in einem positiven Sinne zu streiten, um weiterzukommen. Von seiner Reise in das Dekanat Hagen-Witten kehre er mit wertvollen Eindrücken zurück. Ein gehaltvoller Austausch, auch für das Dekanat Hagen-Witten, das seinen „Herzbischof“ nun ein Stück besser kennengelernt hat.

Ein Beitrag von:
Pressereferentin

Isabella Maria Struck

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